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Gemmrigheim/Neckarwestheim

Zwischenlager mit langer Dauer

Wie geht es auf dem Gelände des GKN Neckarwestheim weiter (von links): Michael Hoffmann und Burghard Rosen von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung, die beiden Bürgermeister Jochen Winkler (Neckarwestheim) und Jörg Frauhammer (Gemmrigheim) sowie Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH. Foto: Oliver Bürkle

Eine Erkenntnis wog am Montagabend beim Vortrag „Kernenergie am Standort Neckarwestheim/Gemmrigheim ab 2019“ in der Gemmrigheimer Kelter schwer. „Für uns wird das definitiv ein Endlager“, sagte Gemmrigheims Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer.

Er bezog sich damit auf das ab 1. Januar kommenden Jahres von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) übernommene Zwischenlager. Die Begrifflichkeiten lassen auf kurze Zeiträume schließen. Doch das Lager hat eine Betriebsgenehmigung von 40 Jahren. Frauhammer spielte damit auf die Lebenszeit der heute 50-Jährigen an. Er selbst habe gedacht, dass es vielleicht noch klappen könnte, dass er das Kernkraftwerk in Neckarwestheim samt seinem Abfall verschwinden sieht. Doch die Verantwortlichen der EnBW sowie der BGZ zeigten, dass dem nicht so sein wird. Alle Verantwortlichen bekräftigten jedoch, dass sie sich deutlich an Vorgaben der Regierung halten.

Jörg Michels, Geschäftsführer der EnBW Kernkraft GmbH, musste zu Beginn seines Vortrags allerdings zum neuen Dauerthema Stellung beziehen: Es ging einmal mehr um die verbauten Heizrohre in den vier Dampferzeugern. Bei einer Revision zeigten sie sich überraschend dünn. Statt 1,2 Millimeter waren einige nur noch 0,1 Millimeter dick (unsere Zeitung berichtete mehrfach). „Das kann doch nicht über Nacht geschehen sein“, sagte einer der rund 40 Besucher und legte damit Pfusch in der Wartung nahe. Michels widersprach freundlich, aber vehement. Das sei ungewöhnlich, aber reparabel und damit ungefährlich. Die Rohre würden fachmännisch repartiert, befestigt und aus dem Kreislauf genommen. Bei rund 16 400 Rohren bestehe keinerlei Gefahr eines Störfalls. Als die Schäden bekanntwurden, ist die Revision des Reaktors verlängert worden. Demnächst solle der Reaktor II wieder ans Netz.

Nach dem aktuellen Bericht ging Michels, der auf Einladung von Hausherr Frauhammer sowie dessen Neckarwestheimer Amtskollegen Jochen Winkler erschienen war, auf den Rückbau der beiden Reaktoren ein. Block I ist bereits vom Netz und wird seit 2017 rückgebaut. Der andere Block soll bis Ende 2022 abgeschaltet und dann schnellstmöglich ebenfalls entfernt werden. Für die Überreste gibt es das Reststoffbearbeitungszentrum sowie das Standortabfall-Lager. Letzteres wird im Januar 2020 von der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung übernommen. Diese wird schon von 1. Januar 2019 an ein Zwischenlager betreiben. Der Gesetzgeber hat diese Umwidmung durch das Gesetz zur Neuordnung der Verantwortung in der kerntechnischen Entsorgung so bestimmt. Das Personal bleibt jedoch dasselbe. Die 14 Mitarbeiter werden einfach von der EnBW in die neue GmbH übergeben.

Pressesprecher Burghard Rosen sowie Betriebsleiter Dr. Michael Hoffmann waren aus Essen gekommen, dem Sitz der BGZ. Etwas verklausuliert informierten sie die Anwesenden über die Abläufe. Grundsätzlich geht es darum, dem Staat Zeit mit der trockenen Zwischenlagerung der bestrahlten Brennelemente zu verschaffen, bis ein Endlager gefunden ist. 2031 soll die Entscheidung fallen. Bis zum Jahr 2050 könnte dann das Endlager in Betrieb gehen. Dass dies gelingt, bezweifeln jedoch selbst Experten. So steht es in den Sternen, wann genau das eine Prozent radioaktiven Mülls aus Neckarwestheim in das finale Lager gebracht werden kann.

Tobias Bumm
06. November 2018
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