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KREIS LUDWIGSBURG

Ziemann schafft die Wende

Ludwigsburg. „Gutes Bier braucht gutes Wasser“, sagt Karl Butzmann. Der neue Geschäftsführer des Ludwigsburger Brauereianlagenherstellers Ziemann International ist deshalb auch bereit, nachhaltige Wasserprojekte zu unterstützen.

Von dieser Haltung profitiert jetzt die Ludwigsburger Gruppe von Terre des Hommes. Sie hat von Ziemann einen Scheck über 5000 Euro bekommen, um den Bau von Wasserleitungen in einem vietnamesischen Dorf zu unterstützten. In der Scheckübergabe sieht Butzmann aber auch ein Signal für die Wende bei dem Ludwigsburger Traditionsunternehmen Ziemann.

Der Hersteller von Brauereianlagen und Tanks ist von der Schieflage auf die Rennstrecke gegangen. Nach der Insolvenz im Sommer 2012 und der Übernahme durch einen kapitalkräftigen Investor fühlt Ziemann wieder die alte Stärke. „Wir sind wettbewerbsfähig und streben die Marktführerschaft an“, sagt Butzmann.

An Selbstbewusstsein fehlt es dem Manager nicht. Der gebürtige Landshuter kann auf reichliche Erfahrung in der Brau- und Getränkebranche zurückblicken. Für Ziemann hat er ehrgeizige Ziele. In den nächsten fünf Jahren will der 45-Jährige den Umsatz von 100 Millionen Euro in diesem Geschäftsjahr auf 200 Millionen Euro verdoppeln. „Wir schaffen das“, ist sich Butzmann sicher. „Wir sind noch im Restrukturierungsprozess“, räumt er ein. Aber die Weichen seien auf Erfolgskurs gestellt.

Grund dafür sei, dass Ziemann sich mit dem Verkauf von Tochtergesellschaften im Ausland verschlankt habe. Zudem besinne sich das Unternehmen verstärkt auf seine Kernkompetenz – den Bau von Brauereianlagen. Manche Geschäftsbereiche wie der Bau von Flaschenabfüllanlagen seien aufgegeben worden.

„Aus den Fehlern der Vergangenheit hat Ziemann gelernt und den entsprechenden Strategiewechsel vorgenommen“, erklärt Butzmann. Die Insolvenz der Ziemann-Gruppe sei aus einer unglücklichen Fügung von verschiedenen Großprojekten und internationaler Expansion zustanden gekommen, was das Unternehmen letztlich finanziell nicht mehr habe abfedern können. Ziemann habe auf zu vielen Hochzeiten getanzt.

Zur Neuausrichtung des Unternehmens gehört vor allem, dass mittelständische Brauereien als Kunden verstärkt in den Fokus rücken. „Wir wollen Ansprechpartner sowohl für die kleinen Betriebe als auch für die großen internationalen Braukonzerne sein“, erklärt Butzmann. „Ziemann macht alles – kleine Anlagen und große.“ Mit einer neuen Technologie, die in Richtung energieautarke Brauerei geht, will der Ziemann-Chef punkten. Dabei setzt er vor allem auf ein neues Maischenkochverfahren, mit dem Energie gespart und die Rohstoffe effizienter genutzt werden können. „Da sehen wir einen Vorsprung im Vergleich zu anderen Wettbewerbern“, sagt Butzmann.

Das Unternehmen hat laut Butzmann schon Erfolge erzielt. Als Beispiel nennt er die Partnerschaft von Ziemann mit der Straubinger Karmeliten Brauerei. Dort haben die Ludwigsburger ein innovatives Maschinen- und Energiebaukastensystem realisiert, das Rohstoffe optimal nutzt und energetisch hocheffizient ist. „Ein Schmuckstück“, meint Butzmann. Vor allem freut er sich darüber, dass die Ziemann-Technologie, die bei der Karmeliten Brauerei zum Einsatz kommt, aktuell mit dem Bundespreis für hervorragende Innovation ausgezeichnet worden ist.

Als weiteres Ziemann-High-light nennt er die Planung und den Bau der größten Brauerei der Welt, die 2012 fertiggestellte Brauerei Piedras Negras in Mexiko. Sie produziert einen Ausstoß von zehn Millionen bis 30 Millionen Hektoliter Bier im Jahr.

Bei der Innovation will Ziemann in Zukunft stramm vorangehen. Rund zwei Prozent des Gesamtumsatzes sollen laut Butzmann künftig für Forschung und Entwicklung ausgegeben werden. Ende 2012 seien bereits 1,9 Millionen Euro für neue Maschinen in die Hand genommen worden.

Sicherheit für den ambitionierten Innovationskurs gibt die finanzstarke Muttergesellschaft. Im Fall Ziemann ist es die chinesische CIMC-Gruppe mit einem Jahresumsatz von acht Milliarden Euro. Von deren Tochter, der niederländischen CIMC Enric Tank und Process, ist Ziemann nach der Insolvenz übernommen worden.

Die wiedergewonnene Stärke gibt auch der Beschäftigung Schub. „Wir suchen etwa zehn neue Mitarbeiter“, erklärt Butzmann. Derzeit arbeiten in der Ziemann-Zentrale in Ludwigsburg 150 Mitarbeiter. Der Produktionsstandort in Bürgstadt hat 200 Beschäftigte.

Birgit Ebner
12. Juni 2013
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