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Ludwigsburg/Stuttgart

Weitere Warnstreiks im Landkreis Ludwigsburg

Im Kampf um mehr Lohn und kürzere Arbeitszeiten weitet die IG Metall Ludwigsburg ihre Warnstreiks aus. Bereits am vergangenen Montag haben wie berichtet bei Valeo in Bietigheim-Bissingen 150 Beschäftigte kurzfristig die Arbeit niedergelegt.

Die IG Metall Ludwigsburg ruft für heute Vormittag Beschäftigte von Lear und Heinkel in Besigheim zu einem Warnstreik auf. Auch die Mitarbeiter von Kienle+Spiess in Sachsenheim sind zu Protestaktionen aufgefordert. Einen Warnstreik kündigt die Gewerkschaft auch bei Bosch Automotive Steering in Bietigheim-Bissingen an.

Auch für Donnerstag und Freitag sind Warnstreiks bei Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie im Landkreis Ludwigsburg geplant.

Die IG Metall Ludwigsburg erhöht damit den Druck auf die Arbeitgeberseite zur dritten Verhandlungsrunde für die 3,9 Millionen Metaller, die morgen in Böblingen beginnt. „Die Metallarbeitgeber haben es in der Hand, ob die Warnstreiks nach der dritten Verhandlung weitergehen, oder sie endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch legen“, sagt Konrad Ott, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigsburg. Er ist überzeugt davon, dass die Beschäftigten den Warnstreikaufrufen in großer Zahl folgen werden.

Mehrere Tausend Beschäftigte haben sich nach Angaben der IG Metall auch gestern an den Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie im Südwesten beteiligt. Schwerpunkte waren diesmal unter anderem der Zulieferer ZF in Friedrichshafen und der Landmaschinenhersteller John Deere in Mannheim, wo laut Gewerkschaft jeweils rund 1500 Mitarbeiter vorübergehend die Arbeit niederlegten. Bundesweit haben sich gestern nach Angaben der IG Metall gut 60 000 Beschäftigte an Ausständen beteiligt.

Die Gewerkschaft plant ihre Aktionen schrittweise auszuweiten und nimmt auch die großen Autokonzerne ins Visier. Die IG Metall will die Warnstreiks heute bei Daimler in Stuttgart fortsetzen. Schon in der Nacht ist eine Kundgebung beim Zulieferer Kolbenschmidt in Neckarsulm geplant. Der Lastwagenbauer MAN und Siemens in München sollen ebenfalls bestreikt werden. Morgen will der IG-Metall-Bundesvorsitzende Jörg Hofmann vor BMW-Beschäftigten in München sprechen.

Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Lohn und das Recht für jeden Beschäftigten, seine Arbeitszeit bis zu zwei Jahre lang von 35 auf 28 Stunden pro Woche zu verkürzen, mit teilweisem Lohnausgleich. Der baden-württembergische IG-Metall-Chef Roman Zitzelsberger sagte dem Handelsblatt, wenn bei der dritten Verhandlungsrunde „immer noch keine Bereitschaft erkennbar ist, über diese Themen überhaupt ernsthaft zu reden, wird die Situation weiter eskalieren“. Die Arbeitgeber halten diese Forderung für unrechtmäßig. Sie haben eine Einmalzahlung und zwei Prozent mehr Lohn angeboten. Außerdem wollen sie die Arbeitszeit verlängern können.

Inzwischen hat sich der Ton zwischen den Tarifparteien verschärft. Der bayerische IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler kündigte gestern bei einer Kundgebung mit 4000 Beschäftigten in Schweinfurt den vielleicht härtesten Tarifkampf seit 20 Jahren an. (red/dpa)

09. Januar 2018
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