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Ludwigsburg

Weiter Zirkus um den Circus

Diese drei kümmert der Streit nicht: einige der Tiere des Circus Carl Althoff.Archivfoto: Wolschendorf

Der Zirkus ist weg. Auf der Wiese an der B 27 ist nur noch durch den völlig aufgewühlten Boden zu erkennen, dass hier Mitte November ein Gastspiel des Circus Carl Althoff stattgefunden hat. Für die Ludwigsburger Kommunalpolitik hatte dieser Besuch jetzt aber noch ein Nachspiel. In der vergangenen Sitzung des Sozialausschusses präsentierte das Rathaus einen Bericht, der eine ganze Reihe von Fehlern und Unstimmigkeiten aufzählt.

Die Fläche für das Gastspiel bestehe aus vier Teilgrundstücken, von denen drei dem Land und eines der Stadt gehört. Die Grundstücke sind an unterschiedliche Landwirte verpachtet „und wurden ohne Absprache und Genehmigung der Eigentümer widerrechtlich dem Zirkus zur Verfügung gestellt“, so die Verwaltung in ihrem Bericht. Um den Zirkus nicht zu schädigen, hätten sowohl das Land als auch die Stadt auf eine Räumung des Geländes verzichtet. „Der Aufenthalt war ganz klar widerrechtlich. Es fällt uns aber sehr schwer, gegen solche Missstände präventiv vorzugehen“, so der zuständige Mitarbeiter der Verwaltung im Ausschuss.

Gegen mehrere Auflagen verstoßen

Auch im Detail hat der Zirkus gegen mehrere Vorschriften verstoßen. Die Wiese liegt in einem Landschaftsschutzgebiet und es wurde „keine Erlaubnis zur Nutzung des Grundstücks beantragt“, bemängelt die Verwaltung. Da das Land am Ende aber auf eine Räumung verzichtet habe, sah auch der Fachbereich Umwelt des Landratsamts, der für solch eine Erlaubnis zuständig gewesen wäre, von einer Räumung ab. Eine Gewerbeerlaubnis habe der Zirkus dagegen eingeholt, auch das Zelt sei ordnungsgemäß aufgebaut worden – das hat die Stadt vor Ort überprüft.

Bei der Wildtierhaltung wurden aber von der Veterinärbehörde des Landratsamts geringe Mängel festgestellt, die jedoch schnell behoben wurden. Völlig eigene Wege ist der Zirkus bei der Plakatwerbung gegangen. Da auch Plakate ohne Erlaubnis im öffentlichen Raum aufgehängt wurden, musste der Circus Carl Althoff einen Teil seiner Werbung wieder entfernen.

Grundproblem ist, so die Verwaltung weiter, dass „die Stadt Ludwigsburg über keine geeigneten öffentlichen Flächen zur Durchführung von Zirkusveranstaltungen verfügt“. Daher würden Anfragen von Zirkussen generell abgelehnt.

Dreist findet Grünen-Stadträtin Elfriede Steinwand, was sich die Landwirte leisten, die die Flächen einfach an den Zirkus weitervermietet haben. „Dass Pächter das Grundstück weiterverpachten, ist nicht vorgesehen.“ Sie wiederholte die Ankündigung, dass die Grünen ein Verbot für den Auftritt von Wildtieren in Ludwigsburg beantragen werden. Steinwand lobte die Verwaltung aber auch dafür, dass sie den Zirkus nicht einfach davongejagt habe.

Ganz anders blickt Ulrike Faulhaber von der SPD auf den Fall. „Es war unterirdisch, was man dem Zirkus angetan hat. So ein Theater! Dabei soll das Theater doch in der Manege stattfinden.“ Nach Meinung von Faulhaber sind Zirkusse ein Teil unserer Tradition und unserer Kultur. Ludwigsburg stehe momentan ziemlich schlecht da, weil es keine offiziellen Flächen für das Gastspiel von Zirkussen gebe.

Gabriele Moersch von den Freien Wählern vermutet, dass es in Zukunft immer weniger Gastspiele mit Tieren geben wird. „Die Zeiten haben sich verändert.“ Und der Besuch des Zirkus Althoff sei „äußerst ungut verlaufen“. Trotzdem waren das Zelt und die Tiere für sie ein schöner Anblick. „Das bringt Atmosphäre in die Stadt.“ Dass Ludwigsburg keinen Festplatz für solche Anlässe hat, findet sie sehr bedauerlich. „Wir müssen auf den Besuch von Zirkussen vorbereitet sein.“

Stadt will nach einem Festplatz suchen

„Das Ganze ist schiefgelaufen“, meint Claus-Dieter Meyer von der CDU. Der Zirkus Althoff habe selbst dafür gesorgt, dass sein Ruf gelitten habe. „Das war nicht in Ordnung.“ Grundsätzlich sei für die CDU aber klar, dass Zirkusse auch ein geeigneter Ort für Wildtiere seien. „Das ist eine schöne Gelegenheit, einen Bezug zu diesen Tieren aufzubauen.“ Seine Partei sei gegen ein Verbot von Wildtier-Auftritten. Auch Meyer findet, dass die Verwaltung erneut versuchen sollte, einen Festplatz zu finden. „Wir sind eine Stadt mit fast 100 000 Einwohnern. Das muss doch irgendwo im Flächenmanagement vorgesehen werden.“

Das sieht auch Johann Heer (FDP) so. Er ist für einen asphaltierten Festplatz und könnte sich vorstellen, dass vor dem Jahnstadion Platz für einen Zirkus sein könnte. Ökolinx-Rat Oliver Kube bekräftige im Ausschuss, dass er für einen wildtierfreien Zirkus ist.

Baubürgermeister Michael Ilk gab zum Ende der Sitzung das Versprechen, das jetzt nochmals intensiv nach einem Festplatz gesucht wird.

Christian Walf
01. Dezember 2017
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