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Ludwigsburg

Warnstreikwelle im Landkreis geht weiter

Konrad Ott, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigsburg, informiert Mitarbeiter von Lear und Heinkel in Besigheim über die laufende Tarifauseinandersetzung. Foto: Alfred Drossel

Besigheim/Sachsenheim/Bietigheim-Bissingen. Die Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie gewinnt auch im Kreis Ludwigsburg an Schärfe. Gestern haben sich mehr als 600 Beschäftigte an Warnstreiks beteiligt.

Nach Angaben der IG Metall Ludwigsburg waren bei Kienle+Spiess in Sachsenheim 107 Mitarbeiter im Ausstand, bei Lear und Heinkel in Besigheim haben 300 Beschäftigte vorübergehend die Arbeit niedergelegt und an einer Kundgebung teilgenommen. Bei Bosch Automotive Steering in Bietigheim-Bissingen beteiligten sich 200 Metaller an einer Warnstreikaktion.

„Wir sind mit der Teilnahme sehr zufrieden“, sagt Konrad Ott, der erste Bevollmächtigte der IG Metall Ludwigsburg. Die Motivation unter den Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie, die Forderungen der Gewerkschaft durchzusetzen, sei hoch. Jetzt richte sich alle Aufmerksamkeit auf die dritte Verhandlungsrunde, die heute in Böblingen stattfindet. Die IG Metall fordert sechs Prozent mehr Lohn und das Recht für jeden Beschäftigten, seine Arbeitszeit bis zu zwei Jahre lang von 35 auf 28 Stunden pro Woche zu verkürzen, mit teilweisem Lohnausgleich. Die Arbeitgeber halten diese Forderung für unrechtmäßig. Sie haben eine Einmalzahlung und zwei Prozent mehr Lohn angeboten. Außerdem wollen sie die Arbeitszeit verlängern können.

„Die Arbeitgeber haben uns bisher die kalte Schulter gezeigt“, kritisiert Ott. „Wenn sie heute keinen verhandelbaren Vorschlag vorlegen, eskaliert die Situation.“ Die IG Metall sei für eine längere Auseinandersetzung gewappnet. Entsprechende Planungen reichten bis zum Februar. Für heute hat die IG Metall Ludwigsburg zu Warnstreiks bei Bessey Stahl und Bessey Tools aufgerufen. Auch bei Mahle in Markgröningen sind die Beschäftigten zu einem kurzfristigen Ausstand aufgerufen. Auch am Freitag soll es einen weiteren Warnstreik geben. Ott geht davon aus, dass bis Ende der Woche gut 1000 Beschäftigte im Landkreis Ludwigsburg an den Protestaktionen teilnehmen.

Beim Autobauer Daimler legten nach Angaben der Gewerkschaft gestern rund 2850 Beschäftigte des Stuttgarter Werks Untertürkheim die Arbeit vorübergehend nieder. Für die Spät- und Nachtschicht waren dort weitere Aktionen geplant. Etwa 2500 bis 3000 Metaller, unter anderem von der Heidelberger Druckmaschinen AG, versammelten sich in Wiesloch (Rhein-Neckar-Kreis) zu einer Kundgebung, wie die IG Metall mitteilte. Dazu gab es zahlreiche kleinere Aktionen im ganzen Land.

Kurz nach Mitternacht waren gestern in Neckarsulm (Kreis Heilbronn) bereits rund 330 bis 350 Beschäftigte des Automobilzulieferers Kolbenschmidt mit Fackeln über das Werksgelände gezogen, wie ein Sprecher der regionalen IG-Metall-Geschäftsstelle sagte. Marsch und Kundgebung hätten insgesamt rund 45 Minuten gedauert. (bie/lsw)

10. Januar 2018
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