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Ludwigsburg

Wanderfalken wohnen jetzt im Schloss

Wanderfalken sind die schnellsten Vögel der Welt. Archivfoto: dpa

„Entdeckt hat sie ein Mitarbeiter des Blühenden Barocks“, erzählt Schlossverwalter Stephan Hurst. Dieser sei Mitglied der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Ludwigsburg, und hat die seltenen Vögel gleich erkannt.

Die Wanderfalken haben ihr Nest an einer kaum von unten sichtbaren Stelle auf der Nordseite im Dach des Schlosses. Die Brut stellt eine schützenswerte Rarität dar: Vogelexperten zählen im ganzen Kreis Ludwigsburg gerade mal vier bis fünf Brutreviere für Wanderfalken. Deshalb werden Brutplätze, aus Angst vor Nesträubern, geheim gehalten. Wanderfalken gibt es laut Helmut Fischer von der Arbeitsgemeinschaft Wanderfalkenschutz unter anderem in Besigheim, Kornwestheim und Walheim.

Das Falkenpaar im Schloss hat vier Jungfalken, die inzwischen fast flügge sind: Sie machen bereits erste Flugübungen und spazieren auf dem Dach herum. „Das ist toll zu beobachten“, sagt Hurst, der die Flugstunden von seinem Fenster aus betrachten kann. Und wenn man sie auch nicht sieht, „man kann sie gut hören. Sie haben einen ganz speziellen Ruf.“

Dass die Wanderfalken ihr Nest im Dach des Schlosses gebaut haben, hat auch mit einem Nistangebot zu tun, das bereits vor Jahren von den ehrenamtlichen Mitarbeitern eingerichtet wurde. Das Brutangebot haben die Wanderfalken allerdings bisher verschmäht: Es wird in diesem Frühjahr zum ersten Mal angenommen.

Viele der historischen Monumente, die von den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg betreut werden, bieten bedrohten und seltenen Tierarten Lebensraum. Etwa die Mauern des Heidelberger Schlosses: Die Ruinen sind einer der wichtigsten Winterschlaforte für Fledermäuse in Nordbaden.

Hurst freut sich, dass die Wanderfalken nun das Brutangebot im Schloss angenommen haben. „Wir haben inzwischen gelernt, unsere Monumente nicht nur als historische Zeugnisse, sondern auch in ihrer Qualität als besondere Biotope wahrzunehmen“. Für die Schlossverwaltung und das Amt Ludwigsburg von Vermögen und Bau bedeutet die Aufzucht der Falken, dass während der Brutzeit das Dach nicht betreten wird, damit die Tiere nicht gestört werden.

Bei den Wanderfalken sind die Altvögel standorttreu, erklärt Fischer. Haben sie einmal einen Brutplatz gefunden, bleiben sie dauerhaft dort in der Nähe. „Wenn sie keine Jungtiere haben, halten sie sich nicht im Horst auf, dann sind sie vielleicht im Wald in der Nähe.“ Steht die nächste Brut an, kehren sie zu ihrem Horst zurück. Es sei also davon auszugehen, sagt der Falke-Experte, dass auch nächstes Jahr wieder Wanderfalken im Schloss brüten.

Julia Essich-Föll
06. Juni 2018
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