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Ludwigsburg

Von der Mutter getrennt

Die beiden Waschbärenbabys waren fast verhungert, als sie ins Ludwigsburger Tierheim gebracht wurden.Foto: Holm Wolschendorf

Peter und Paul hängen an ihrem Pfleger, als wäre der junge Mann ihre Mutter – „die beiden sind das Niedlichste, was es gibt“, sagt die Tierheim-Leiterin Ursula Gericke über die beiden drolligen, total verspielten Waschbärenjungs, die seit gut zwei Monaten im Ludwigsburger Tierheim leben.

Die beiden wurden im Mai gebracht, da waren sie etwa acht bis neun Wochen alt, schätzt Gericke. Ein Hausbesitzer hatte die Waschbären-Mutter mit einer Lebendfalle auf seinem Dachboden eingefangen und weit entfernt von seinem Haus ausgesetzt. Laut Gericke hat der Mann wohl zunächst gar nicht gemerkt, dass auch Junge auf dem Dachboden waren. Als sie entdeckt und ins Tierheim gebracht wurden, seien sie schon fast verhungert gewesen, erzählt Gericke.

Für die Mutter und ihre Jungen ist diese Trennung sehr gefährlich. „Sehr wahrscheinlich wird die Mutter nach ihren Babys suchen und sich möglicherweise auf den riskanten Weg zurück machen, entlang der Straßen, über Fahrbahnen und Gleise“, befürchtet Gericke.

Im Tierheim haben Peter und Paul zwar eine neue Heimat gefunden, aus Platzgründen wäre man dort aber trotzdem froh, wenn sich jemand findet, der die beiden – mittlerweile sind sie kastriert und richtig aufgepäppelt – bei sich aufnimmt. Leicht ist das allerdings nicht.

Ein waschbärengerechtes Außengehege ist Grundbedingung, erklärt die Tierheim-Leiterin. Und so ein Gehege darf man nicht einfach in seinen Garten bauen, sondern braucht dafür eine Genehmigung. Falls sich gar niemand findet, gibt es auch noch weitere Möglichkeiten: „Andere Waschbären haben wir auch schon an Wildgehege oder Zoos abgegeben“, sagt Gericke.

Eines ist dagegen sicher: Zurück in die Freiheit dürfen Peter und Paul nicht. „Der Waschbär ist mittlerweile Staatsfeind Nummer 1“, erklärt Ursula Gericke. Die Tiere stammen eigentlich aus Nordamerika, verbreiten sich seit einigen Jahrzehnten aber auch in Europa. Offenbar mag der Allesfresser die Bedingungen hier. „Waschbären gibt es überall dort, wo es Wasser gibt.“

Da die Behörden diese putzigen Tierchen hier aber nicht haben wollen, werden laut Gericke jedes Jahr Tausende erschossen. „Jäger dürfen sie ganzjährig bejagen.“ Allerdings sind die Waschbären ziemlich schlau. So einfach erwischen lassen sich nicht alle.

Als Allesfresser sind Waschbären bei der Ernährung nicht besonders wählerisch: Trockenfutter für Hunde oder Katzen, Obst, Eier – auf ihrem Speiseplan im Tierheim steht ziemlich viel.

Es ist übrigens nicht das erste Mal, dass Waschbären bei Ursula Gericke landen. „In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder mal Waschbären bekommen.“ Bei aller Liebe für diese Tiere wäre sie am Ende aber froh, wenn sich jemand findet, der die beiden kleinen Waschbären bei sich aufnimmt.

Info: Wer sich für Peter und Paul interessiert und ihnen ein entsprechendes Außengehege bietet, kann die beiden Waschbären täglich von 13.30 bis 16.30 Uhr (außer donnerstags, sonn- und feiertags) im Tierheim am Kugelberg kennenlernen.

Christian Walf
09. Juli 2018
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