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Ludwigsburg

Verbilligtes Busticket ab 1. August

Demnächst soll es ein verbilligtes Tagesticket für Busse geben.Archivfoto: Oliver Bürkle

Schon im März hatte sich im Gemeinderat abgezeichnet, dass der Ludwigsburger Busverkehr vor einer Epochenwende steht. Damals war schon einmal über ein neues Stadtticket diskutiert worden. Dieses Tagesticket soll ab August eingeführt werden. Eine Person bezahlt dann für beliebig viele Fahrten im Ludwigsburger Busverkehr drei Euro am Tag. Gruppen bis zu fünf Personen erhalten das Ticket für sechs Euro.

Seit der vergangenen Sitzung des Bauausschusses liegt jetzt auch der formale Beschluss für das neue Tarifsystem vor. Alle Stadträte stimmten dafür. Nun muss noch der VVS grünes Licht geben. Das wird allerdings frühestens in den nächsten Sitzungen des VVS-Aufsichtsrates und der VVS-Gesellschafterversammlung im Juli entschieden. Alle Beteiligten gehen aber von einer Zustimmung aus. Das neue Tagesticket könnte damit zum 1. August eingeführt werden.

Probephase bis Ende 2019

Die erste Probephase ist auf eineinhalb Jahre bis zum 31. Dezember 2019 angelegt. Die Stadt geht davon aus, dass sie das neue Ticket bis dahin mit 700 000 Euro bezuschussen muss. Das Geld wird im Haushalt 2019 bereitgestellt. Außerdem wurden Stadtverwaltung und VVS vom Bauausschuss damit beauftragt zu überprüfen, welche zusätzlichen finanziellen Auswirkungen ein kostenloser Busverkehr am Samstag sowie ein weiteres neues Ticketmodell – ein Viererticket für sechs Euro, entspricht vier Fahrten zu 1,50 Euro – haben.

Die Testphase von eineinhalb Jahren ist vor allem deshalb angesetzt worden, weil es bisher viele unbekannte Größen gibt. Haben die neuen verbilligten Tickets etwa Auswirkungen auf die Pünktlichkeit der Busse? Wenn mehr Menschen den Bus nehmen und ein Ticket beim Fahrer lösen, wird dieser die knapp kalkulierten Haltezeiten kaum noch einhalten können. Andere Vertriebswege wie Handytickets oder Automaten sind offenbar nur für eine Minderheit der Fahrgäste interessant. Laut dem VVS ist der Kauf beim Busfahrer nach wie vor dominierend. Ticketautomaten gibt es bisher nur vereinzelt. Ihr Unterhalt ist sehr teuer.

Außerdem ist bisher nicht klar, ob die Platzkapazitäten in den Bussen auch in Zukunft noch ausreichen werden. Der VVS geht momentan von etwa 15 Prozent mehr Passagieren durch das verbilligte Busticket aus. In einem Bericht der Verwaltung heißt es dazu: „Nicht ganz auszuschließen ist, dass es zu bestimmten Tageszeiten zu Kapazitätsengpässen kommt. In solchen Fällen sind unter Umständen zusätzliche Fahrzeuge einzusetzen. Die damit einhergehenden Kosten wären zusätzlich durch die Stadt zu tragen.“

Bei den Stadträten herrscht Einigkeit, dass die verbilligten Bustickets schnell und einfach für Verbesserungen im Ludwigsburger Stadtverkehr sorgen. „Wir freuen uns, dass wir den ÖPNV für die Stadt günstiger machen“, sagte Maik-Stefan Braumann von der CDU.

Kein Schutz gegen Missbrauch

Christine Knoß bemängelte zwar, dass diese Veränderung nicht ganz dem entspreche, was die Grünen wollen. Denn, wer beispielsweise nur eine Strecke fahren will, „dem bringt das Ticket keine Verbesserung“. Nach Auskunft des VVS benötigen allerdings 90 Prozent der Buskunden eine Hin- und Rückfahrkarte – und diese Kunden sparen durch das verbilligte Tagesticket, denn eine Fahrt kostet heute 2,50 Euro. Am Ende stimmten die Grünen ebenfalls für das Tagesticket.

Auch die Sozialdemokraten gaben grünes Licht. Die Fraktionsvorsitzende Margit Liepins sah in der Entscheidung einen ersten Etappensieg auf dem Weg zu einem besseren ÖPNV. Andreas Rothacker (Freie Wähler) findet es sinnvoll, dass jetzt erst eine Testphase anläuft. „2019 können wir dann schauen, wie hoch die Kosten effektiv sind.“ Rothacker geht davon aus, dass die Stadt Ludwigsburg am Ende einen höheren Zuschuss, als die 700 000 Euro bezahlen muss. Außerdem fragt er sich, wie sich Stadt und VVS vor Missbrauch schützen können. Das Tagesticket sei nicht personalisiert und könne daher durch Weitergabe von mehreren Personen genutzt werden. Elga Burkhardt (Lubu) hofft, dass das Tagesticket eine Erfolgsgeschichte wird.

„Mit dem Missbrauch müssen wir leben“, so ein Mitarbeiter des VVS, der in die Bauausschusssitzung gekommen war. Alle Schutzmaßnahmen – etwa eine Personalisierung – würden das Ticket sehr unattraktiv machen, da der Verkauf dann sehr umständlich wird.

Christian Walf
15. April 2018
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