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Ludwigsburg

Urmensch als lebensechte Skulptur

Wie der Urmensch im Schöninger Museum soll auch der Steinheimer Urmensch nachgebildet werden.Foto: privat

Steppi hat dem Urmenschen an Popularität längst den Rang abgelaufen, obwohl der rund 400 000 Jahre alte Schädel der weitaus bedeutendere Fund ist. Nun soll auch er zu Ehren kommen: Der Urmensch soll als lebensechte Skulptur aus Silikon nachgebildet und im Obergeschoss des Urmensch-Museums in Szene gesetzt werden. „Das sieht sehr echt aus, die Künstlerin verwendet sogar echte Haare“, schwärmt die Vorsitzende des Fördervereins UrmenschMuseum, Hilde Beyerbach. Vom Förderverein stammt auch die Idee, ist dieser doch auch über Umwege auf die Künstlerin Elisabeth Daynès aus Paris gestoßen.

Nachdem nach der Sanierung des Erdgeschosses des Museums auch ein Konzept für die Modernisierung des Obergeschosses präsentiert worden war, machte der Brandschutz alle Pläne zunichte. „Wir waren darüber natürlich sehr unglücklich und suchten nach Ideen, was wir tun könnten, damit sich doch etwas tut“, informiert Beyerbach auf Nachfrage. Mit der Erneuerung verblichener Fotos sollte es nicht getan sein. Eine Attraktion sollte als Pendant zum Steppi Besucher ins Museum locken. Und was sollte das sein, wenn nicht der Urmensch? Aber gerade von ihm gibt es eben nur einen wenig attraktiven Schädel.

Und dann entdeckten die Mitglieder bei einem Besuch im Schöninger Museum Paläon die sogenannte Dermoplastik eines Urmenschen mit einem Pferdeschädel in der Hand. Die Skulptur aus Silikon wird anhand der Vorlage des Schädels sowie der sonst bekannten Maße erstellt. Die Künstlerin arbeitet mit Gerichtsmedizinern und Wissenschaftlern zusammen. Sie war schon weltweit tätig, fertigte unter anderem bereits eine Installation für den Neandertaler und für das Field Museum in Chicago. Der Künstlerin gelinge es zudem, den Figuren einen menschlichen Ausdruck zu geben. „Die Urmenschen sehen sonst in Nachbildungen immer etwas blöd aus“, findet Beyerbach. Da aufgrund des grazilen Schädels davon ausgegangen wird, dass es sich beim Urmenschen um eine Frau handelt, wird eine weibliche Figur entstehen. Derzeit steht der Verein in Kontakt mit dem Naturkundemuseum Stuttgart, das für das Steinheimer Museum verantwortlich zeichnet, wie die Texttafeln moderner gestaltet werden können und wo man die Skulptur platziert. Im Obergeschoss im Raum für den Urmenschen auf jeden Fall, Details müssen noch geklärt werden. Die Künstlerin steht jedenfalls in den Startlöchern, drei bis vier Monate benötigt sie für ihre Arbeit.

Da das Urmensch-Museum ein kleines Haus ist und weil sie sich auf die Arbeit freut, gewährte Elisabeth Daynès sogar einen Nachlass von 15 Prozent auf den Preis, so dass die Skulptur mit Installation und Beleuchtung rund 45 000 Euro kosten wird. 30 000 Euro werden über eine Privatspende fürs Museum finanziert, 5000 Euro steuert der Förderverein bei und 10 000 Euro die Stadt.

Der Beitrag der Stadt wurde am Dienstagabend bei der Haushaltsverabschiedung genehmigt. „Unser Urmensch-Museum wird um eine weitere Attraktion bereichert. Die CDU-Fraktion findet das toll“, sagte Uwe Löder. „Die Idee einer Dermoplastik ist charmant“, betonte die SPD-Fraktionsvorsitzende Regina Traub. Sicherlich werde das Museum durch das Kunstprojekt neuen Zulauf erfahren. Sie schüttet aber auch etwas Wasser in den Wein: Wie man mit der Gesamtthematik zukünftig umgehen sollte, sei ein Problem, da die Finanzierung einer Sanierung oder eines Neubaus nicht absehbar sei. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Rainer Breimaier freut sich nicht nur auf seine erste Begegnung mit der Skulptur, sondern auch darüber, dass sich in Steinheim Persönlichkeiten mit großem Herzen und großen Spendenmitteln für die Aufwertung des Museums einsetzten. Die Grünen möchten aber, dass die Räume, in dem die Figur stehen wird, so „aufgehübscht“ werden, dass die Skulptur sich ein wenig willkommen fühle und auch den Besuchern ein stimmiges Raumgefühl vermittelt werden könne. Er hofft, dass die für die Unterhaltung veranschlagten 5000 Euro dafür ausreichen. „Wenn nicht, muss die Verwaltung bei Bedarf noch einmal auf den Gemeinderat zukommen.

Patricia Rapp
16. März 2017
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