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Ludwigsgburg

Uferwiesen-Projekt in der Schwebe

Die Stadt plant, im ersten Schritt die Hohenecker Anlegestelle aufzuwerten. Im Anschluss daran soll eine neue Neckarbucht als Öko- und Erlebnisbereich entstehen. Noch unklar ist, wo Kreuzfahrtschiffe künftig ankern sollen. Illustration: Stadt Ludwigsburg

Bei Sonnenschein lockt der Neckar. Viele Familien halten sich am Uferbereich auf, bringen Decken mit, die Kinder spielen am Wasser. Manche bevölkern die angrenzenden Wiesen bei den Uferwiesen, die Gaststätten sind übervoll. Freizeit in Ludwigsburg – das heißt auch Freizeit am Neckar. Doch nicht allen gefällt das.

Das zeigte sich jetzt wieder bei der erneuten Beratung des Projekts für die Hohenecker Uferwiesen im Bauausschuss. Nach Uferwiesen I und den umgestalteten Zugwiesen würde die Stadt gern auch Uferwiesen II angehen. Doch der Gemeinderat hat sich nicht der Empfehlung des Ausschusses angeschlossen und vorerst nicht entschieden, weil noch Fragen offen waren. Etwa die zur Finanzierung des Neckar-Projekts oder zu Planungen für einen Halt für Kreuzfahrtschiffe (wir berichteten). Am 16. Mai soll das Thema auf die Tagesordnung.

Die Stimmen im Ausschuss fielen diesmal eher kritisch aus. „Wir sollten nichts übers Knie brechen“, argumentierte Grünen-Stadträtin Christine Knoß gegen das Projekt. „Das ist eine unnötige Show für nichts, die Sache ist kropfunnötig“, so das harte Urteil von Freie-Wähler-Fraktionschef Reinhardt Weiss. Schließlich werde nur Geld für eine Verschönerung der Anlegestelle ausgegeben. „Ich frage mich, wie großzügig wir hier Millionenbeträge ausgeben“, sagte er.

Während Grüne und Freie Wähler komplett gegen die Maßnahme sind, äußern sich CDU und SPD für das Projekt. Sie bemängeln lediglich den Vorschlag, dass Kreuzfahrtschiffe an der gegenüberliegenden Seite, der Neckarweihinger Anlände, neben dem Schrottplatz anlegen sollen. „Das ist für Gäste wenig attraktiv“, so Maik-Stefan Braumann (CDU), der wissen will, wie groß die Zahl der Touristen ist. Bislang war von rund 1000 Besuchern die Rede, die sich von den Schiffen aus für Schlossführungen angemeldet hatten. Dieter Juranek (SPD) findet, dass die Kreuzfahrtschiffe, die auch mal länger ankern, „ein kleiner Baustein“ für den Tourismus in Ludwigsburg seien. „Jetzt blicken die Leute beim Abendessen auf Neckar und Neckarweihingen, die können wir nicht ins Industriegebiet abschieben.“

Dass die Stadt das nur betreibe, weil sie für neue Baugebiete Ausgleichsmaßnahmen anbieten und Ökopunkte sammeln muss, wie Elga Burkhardt (Lubu) anführte, wies Baubürgermeister Michael Ilk zurück. Gebaut werde sowieso, weil Wohnungen fehlten. Die Umgestaltung der Ufer sei seit langem geplant, auch die bisherigen Maßnahmen habe man nicht nur als Ausgleich gemacht. Sie seien für eine Stadt wie Ludwigsburg auch für Freizeit und Erholung wichtig. „Ich höre nur Positives über die Neckarumgestaltung“, unterstützte SPD-Fraktionschefin Margit Liepins diese Sicht. Viele Menschen würden den Aufhalthalt am Neckar genießen, es sei wichtig, den Fluss auch erleben zu können. Viele Jahre war das Neckarufer nicht so zugänglich, wie es jetzt auf Hohenecker Seite möglich ist. Die Neckarweihinger würden sich das am liebsten auch für ihre Neckarseite wünschen. „Die Flüsse erlebbar zu machen, darum bemüht man sich in vielen Städten und nicht nur in Ludwigsburg“, warb sie. Liepins: „Ich finde, wir sollten dem Projekt zustimmen.“

Eine Abstimmung erfolgte jedoch nicht, weshalb nun die Sache im Gemeinderat entschieden wird. Die Stadtverwaltung hat nochmals die verschiedenen Varianten vorgestellt. Der Baubürgermeister kann sich eine Anlegestelle bei der Anlände vorstellen, in Bamberg gebe es eine ähnliche Situation. Die Kosten für eine Aufwertung bezifferte er mit 50 000 bis 300 000 Euro. Der Liegeplatz dort würde von den Firmen nicht mehr benötigt. „Ich appelliere, das so anzugehen“, sagte er.

Ganz neue Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe zu teuer

Auf der Hohenecker Seite bei den Uferwiesen kann er sich eine Anlegestelle für Kreuzfahrtschiffe nicht vorstellen. Eine solche neu anzulegen, würde 2,5 Millionen Euro kosten. Ilk: „Das können wir uns nicht vorstellen.“ Bei der bestehenden Anlegestelle ist die Genehmigung abgelaufen, weil die Schiffe, die dort ankern, in die Schifffahrtsrinne hineinragen. Der Neckarkäpt’n darf nach baulichen Verbesserungen an der bestehenden Anlage für eine Dauer bis zu vier Stunden anlegen.

In der kommenden Sitzung des Gemeinderats wird auch über den Bebauungsplan für einen Freibadparkplatz auf der Neckarweihinger Seite beraten. Anlass dafür ist ein Baugesuch, das in Konflikt damit steht. Wie schon vor vier Jahren vorgestellt, soll neben der Anlände ein großer Parkplatz mit einem Neckar-Steg entstehen, über den das Freibad und die Zugwiesen erreicht werden können. Ein Anliegen, das auch Stadträte in den Blick nehmen. Knoß (Grüne) bezeichnet es als „elegante Lösung“, Braumann (CDU) will, dass die Planung für Kreuzfahrtschiffe die für einen Neckar-Steg nicht behindern.

Hans-Peter Jans
11. Mai 2018
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