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Ludwigsburg

Steckt die Ökumene in der Sackgasse?

Moderator Martin Strecker und die Teilnehmer einer Diskussionsrunde über die Annäherung zwischen den christlichen Kirchen.Foto: Stollenberg

Zu Beginn verdeutlichte Martin Strecker, Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbands Ludwigsburg und Moderator der Runde, an seiner eigenen Familiengeschichte, wie tief die Gräben zwischen den christlichen Konfessionen vor wenigen Jahrzehnten hierzulande waren. Die Mutter katholisch, der Vater protestantisch – das war ein schwerer Schlag für beide Familien. Die väterliche Seite entschied, dass der im Sterben liegende Großvater auf keinen Fall über die Angelegenheit informiert werden dürfe. Und die Mutter durfte die Schwelle ihres Elternhauses nach der Hochzeit ein Jahr lang nicht überschreiten.

Seitdem hat sich vieles zum Besseren gewandelt, und doch ist gelebte Ökumene auch im 21. Jahrhundert alles andere als selbstverständlich. Selbstverständnis und Liturgie von protestantischer und katholischer Kirche sind scheinbar zu unterschiedlich, um eine echte Einigung zu erzielen.

Die Spaltung ist immer noch präsent – das spiegelt sich auch in Kommentaren wieder, die katholische, evangelische und evangelisch-methodistische Kirchengemeinde im Vorfeld der Veranstaltung von Asperger Christen gesammelt haben. Insbesondere das Frauenbild der katholischen Kirche wird dabei häufig kritisiert. Ein Gemeindemitglied dagegen hat nichts gegen Gleichberechtigung einzuwenden, warnt aber vor einer „unguten Entwicklung in Richtung Verweiblichung der katholischen Kirche“.

In der Bibel sei nur von Männern die Rede, nennt die katholische Gemeindereferentin Elisabeth Strehl die offizielle Begründung für den Zölibat. Das Argument ziehe nicht, entgegnet eine Besucherin. In der katholischen Kirche gebe es Hunderte von Bewegungen, die eine Abschaffung des Zölibats forderten, „das ist überall ein wichtiges Thema.“

Bernd Winkler, seit 2011 Pastor der evangelisch-methodistischen Gemeinde, berichtet von einer Affäre im Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen. Dort habe ein katholischer Priester in einer Beziehung mit einer Frau gelebt. Der Mann beichtete das Verhältnis, „er war ehrlich und hat nichts vertuscht“. Die Folge: „Er wurde degradiert“, erzählt Winkler. „Wir bräuchten eher Männer, die zu ihren Frauen stehen“, so eine Besucherin.

Kerstin Vogel-Hinrichs, Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde, weist darauf hin, dass es mit der Gleichberechtigung auch in der evangelischen Kirche lange nicht zum Besten bestellt war – und dass immer noch viele Vorbehalte bestünden. „Eine Bischöfin ist in Württemberg noch lange nicht denkbar“, ist Vogel-Hinrichs überzeugt. „Und Führungspositionen sind nicht mal zu zehn Prozent von Frauen besetzt.“

Es sei wohl nicht möglich, den Zölibat von heute auf morgen abzuschaffen, glaubt eine Teilnehmerin der Diskussionsrunde. „Das würde Skandalwellen auslösen. Ich glaube, davor hat die katholische Kirche Angst.“

Er könne sich nicht erklären, weshalb die katholische Kirche unverändert an ihrem Frauenbild oder an ihrer Eucharistie festhalte, so Moderator Strecker. „Es bleibt ein Unbehagen, warum sich auf katholischer Seite so wenig bewegt.“ Er habe mitunter das Gefühl, die Ökumene stecke in einer Sackgasse. „Aus der müssen wir rauskommen und wieder in einen Kreisel einbiegen. Es muss weitergehen mit der Ökumene.“

von frank klein
12. Februar 2017
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