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Ludwigsburg

Stadt Ludwigsburg ordnet mehr Tempo 30 an

Weg vom Gas vor Schulen, Kitas und Altenheimen: Damit es vor diesen Einrichtungen nicht zu gefährlichen Situationen kommt, wurde die Straßenverkehrsordnung (StVO) Ende vergangenen Jahres geändert. Bisher musste für eine Geschwindigkeitsreduzierung nachgewiesen werden, dass es sich um einen Unfallschwerpunkt handelt. Nun gilt bundesweit Tempo 30, sofern keine Gründe vorliegen, die gegen eine Temporeduzierung sprechen, und sofern die Einrichtung unmittelbar an der Straße liegt und davor eine Gefahrensituation besteht. Jeder Fall ist einzeln zu bewerten – nach bestimmten Kriterien, verknüpft mit einer Vorort-Begehung.

Auf Antrag der Grünen hat die Stadtverwaltung den Stadträten kürzlich im Sozialausschuss berichtet, an welchen Stellen im Stadtgebiet aufgrund der StVO-Änderung nun Handlungsbedarf besteht.

Insgesamt gibt es in Ludwigsburg über 100 Kitas, Schulen und Altenheime. Davon gilt vor zehn Einrichtungen noch kein Tempo 30, erklärte Richard Schlichczin, Leiter der Abteilung Straßenverkehr bei der Stadt. Die Prüfung habe nun ergeben, dass vor sechs Einrichtungen Tempo 30 eingerichtet wird. Betroffen sind der katholische Kindergarten St. Johann in der Gänsfußallee 20, das evangelische Kindertagesheimat KiFaz in der Kurfüstenstraße 2/1, das AWO Kinderhaus Wurzelkinder in der Abelstraße 11, das katholische KiFaz St. Martin in der Uhlandstraße 20, die städtische Kita Leonberger Straße in der Leonberger Straße 14 und das Alloheim, Senioren-Residenz Anna Maria, Hohenzollernplatz 7. Die Geschwindigkeitsreduzierung soll so schnell wie möglich kommen, sagte Schlichczin.

Weiterhin 50 km/h sind erlaubt vor der privaten Kinderkrippe Uki (Schlossstraße 25), der Carl-Schaefer-Schule (Hohenzollernstraße 26), der AWO Kita Krachmacherstraße (Schultheiß-Köhle-Straße 5) und der Gauß-Schule (Martin-Luther-Straße). Begründung: Dort bestehe keine typische Gefahrensituation, so Schlichczin. Im Fall der Gauß-Schule ist der Grund, dass diese den Betrieb einstellt.

Nicht alle Stadträte gaben sich mit den Ausführungen der Stadtverwaltung zufrieden. „Mit der Abelstraße sind wir absolut nicht einverstanden“, sagte die Grünen-Fraktionsvorsitzende Elfriede Steinwand. Hier müsse man die Tempo-30-Strecke wegen der Sicherheit verlängern. „Durch die Straße brettern viele Fahrer durch.“ Auch bei der Hohenzollernstraße mache aus diesem Grund Tempo 30 Sinn, „damit das Beschleunigen der Autofahrer aufhört“, so Steinwand. Es gehe weniger um die dortige Carl-Schaefer-Schule.

Gefahr auch durch die Elterntaxis

„Braucht man am Hohenzollernplatz unbedingt eine Zone 30“, fragt hingegen Wilfried Link (CDU). Das dortige Seniorenheim liege weiter weg von der Straße, die eine vielgenutzte Durchfahrtsstrecke sei. Er würde es daher bei Tempo 50 belassen. Aus seiner Sicht müssten eher die Elterntaxis an Schulen kontrolliert werden. Auch Stadtrat Hermann Dengel (Freie Wähler) kennt das Problem. „Es ist traurig zu beobachten, wie jeden Morgen und Nachmittag die Eltern sich in Halteverbote stellen, um ihre Kinder abzuholen, damit diese keinen Meter laufen müssen.“

Hubertus von Stackelberg befürchtet eine Verschlimmerung des Verkehrs durch mehr Tempo 30. „Und wir produzieren einen Schilderwald, wenn wir hier und dort Tempo 30 einrichten“, sagte der SPD-Stadtrat. Sein Vorschlag daher: In der gesamten Innenstadt Tempo 30. Mal 30, mal 50 sei wesentlich unübersichtlicher, so Stackelberg. Darüber hinaus dürfe man nicht nur Autofahrer verteufeln. Auch Fahrradfahrer verursachten Probleme und Gefahren im Verkehr, in dem sie kreuz und quer fahren würden.

Schlichczin sicherte zu, nachzuprüfen, ob der Tempo-30-Bereich an der Abelstraße zu kurz greife. Beim Hohenzollernplatz könne allerdings nicht auf die Geschwindigkeitsreduzierung verzichtet werden. „Es fehlt die Begründung, warum hier Tempo 50 bleiben sollte“, erklärte er. Daher müsse die Stadt nach der neuen Straßenverkehrsordnung Tempo 30 einführen. Zudem befinde sich gegenüber ein Kinderspielplatz. Das Problem, dass Eltern die Gefahrensituationen vor Kindergärten und Schulen meist selbst verursachten, hat auch der Fachmann beobachtet. „Es sollen deshalb noch mehr Elternhaltestellen eingerichtet werden, sofern möglich.“

Der Idee einer generellen Tempo-30-Innenstadt erteilte er eine Absage. Das sei verkehrsrechtlich nicht möglich. „Es gibt aber gar nicht mehr viele Straßen in der Innenstadt, in denen Tempo 50 erlaubt ist“, so Schlichczin.

Martina Peao
06. August 2017
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