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Ludwigsburg

Staatsarchiv: Land lehnt Umzug ab

Blick vom Schillerplatz auf den Arsenalbau (links), wo auch Vorträge und Ausstellungen stattfinden. Rechts im Bild das Zeughaus, zwischen den Bauten ist der Zeughausplatz. Foto: Benjamin Stollenberg

Noch im Dezember wurden im Rathaus Pläne fürs Staatsarchiv geschmiedet, sogar über einen Ersatzbau für das Magazin im Zeughaus dachte die Rathausspitze nach – es sollte ein Bauwerk unter der Erde sein. Gedankenspiele des OB und des Baubürgermeisters, die aber ernst gemeint waren. Das Multi-Millionenprojekt kommt nun nicht zustande, die Verhandlungen mit dem Land liefen ins Leere. Das Land sagte jetzt definitiv ab.

Grundsätzlich begrüße man die Absicht, den Arsenalplatz und den Schillerplatz städtebaulich aufzuwerten, so Andreas Hölting vom zuständigen Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Das Land stelle seine Gebäude allerdings „nicht zur Disposition“, so der ablehnende Bescheid bei einem Gespräch mit der Stadt vergangene Woche. Auch nicht das Magazin im Zeughaus. Weiteren „Verlagerungsspekulationen“ tritt er entgegen.

Das Landesarchiv gehöre weder in ein Gewerbegebiet noch zum Güterbahnhof. Die Stadt hatte einen neuen Hochhauskomplex am Kepler-Dreieck ins Gespräch gebracht. Ein solcher Standort werde wegen möglicher Gefahren durch Gütertransporte ausgeschlossen, sagte Hölting. Als „Gedächtnis der Gesellschaft“ gehöre das Archiv in die Stadt. Hölting verweist auf die Veranstaltungen und die Öffentlichkeitsarbeit. Das Archiv sei auch ein „Ort der kulturellen Begegnung“.

Die denkmalgeschützten Gebäude sind erst in den 1990er Jahren aufwendig saniert worden. Insbesondere das Magazin in der Mathildenstraße ist ein Spezialbau. Bei einer anderen Nutzung müsste man es bis auf die Außenmauern abreißen und neu aufbauen, so Hölting. Ein Umbau käme „einer Vernichtung von materiellen und finanziellen Ressourcen gleich“, betont er. Rund 57 Millionen Euro würde ein gleichwertiger Ersatzbau kosten.

Unabhängig davon benötigt das Staatsarchiv mehr Fläche. Von 1500 Quadratmetern ist die Rede. In den nächsten Monaten soll bei der Stadt ein Bauantrag eingereicht werden. Gedacht ist an ein unterirdisches Bauwerk im Bereich des Zeughausplatzes, die Investitionen belaufen sich auf sieben bis acht Millionen Euro. Nächstes Jahr könnte Baubeginn sein. „Die Entwurfsplanung ist abgeschlossen“, so Hölting. Diese Absicht hatte die Idee bei der Stadt beflügelt, das Magazin insgesamt unter die Erde zu verlegen.

Städtebaulich zeigt sich das Land aufgeschlossen gegenüber Veränderungswünschen seitens der Stadt. Hölting verweist auf die Baulücke am Schillerplatz, wo die Stadt aktiv werden könnte, mit der sie unter anderem auch immer wieder über Studentenwohnungen im Gespräch ist. Dort könnte das Quartier eine Belebung vertragen. Auch sei denkbar, im Bereich des Zeughausplatzes ein Café einzurichten. Möglich sei auch darüber nachzudenken, wie der Arsenalbau und ein neu gestalteter Arsenalplatz ineinander greifen können. Das Zeughaus werde man nicht ändern können. „Das Manko können wir vielleicht im Umfeld wett machen.“ Ein Problem bleiben die zugeklebten Fenster, aber auch dazu mache man sich Gedanken. Das Land sei offen für realisierbare Vorschläge: „Ich wünsche mir, dass die Stadt den Ball aufnimmt und gemeinsam mit uns mögliche Handlungsfelder auslotet“, so Hölting.

Hans-Peter Jans
14. April 2017
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