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Freiberg

Spezialkessel aus Freiberg für Tschernobyl-Ruine

BBS-Geschäftsführer Rudolf Schwarzenberger (links) und Senior Karl Bay mit der Anlage für den Sarkophag von Tschernobyl.Foto: Alfred Drossel

In Tschernobyl wird das bisher größte bewegliche Landbauwerk auf Schienen über den zerstörten Reaktor 4 des Atomkraftwerks gebaut. Zur Entsorgung des Regen- und Schwitzwassers liefert die Freiberger Kesselfabrik BBS einen Spezialdampfkessel.

Seit 30 Jahren ist die Atomruine nur von einem nach der Havarie eilig gemauerten Sarkophag aus Stahl und Beton bedeckt. Ständig der Radioaktivität ausgesetzt, ist diese Notlösung inzwischen mürbe. Unter dem Konstrukt befinden sich mehr als 180 Tonnen unberechenbares, strahlendes Material, von dem niemand weiß, wo genau es liegt und in welchem Zustand es ist.

Fest steht nur, dass dort die sehr langlebigen Elemente Uran und Plutonium lagern – und dass ein stabilerer Schutz benötigt wird. Die Hülle soll die Umwelt für mehr als hundert Jahre vor Strahlung schützen. Im Innern der Umhüllung sind Hebekräne montiert, die ferngesteuert werden. Jetzt soll begonnen werden, die zerstörten Teile zu demontieren. Für die Entsorgung von Regenwasser und Schwitzwasser hat die Firma BBS GmbH aus Freiberg einen automatisch laufenden Dampfkessel gebaut. Er hat eine Wärmeleistung von 1000 Kilowatt pro Stunde und eine elektrische Leistung von 615 Kilowatt.

Der Dampfkessel wird elektrisch beheizt und ist mit den Schaltschränken, der Wasseraufbereitung, dem Speisewassertank und dem Entgaser komplett auf einem Grundrahmen montiert. „Die Anlage ist fix und fertig zusammengebaut und kann vor Ort sofort in Betrieb genommen werden“, betont BBS-Geschäftsführer Rudolf Schwarzenberger bei der Verladung der Anlage.

Die Firma BBS GmbH – vormals Bay Kesselfabrik aus Bissingen – ist auf solche Aufgaben spezialisiert und damit weltweit unterwegs. „In der Ukraine sind viele Kessel von uns im Einsatz, allein der internationale Flughafen in Kiew wird von vier BBS-Kesseln beheizt“, unterstreicht der über 90-jährige Firmengründer Karl Bay.

Die Firma BBS GmbH entstand im Sommer 2004 bei der Fusion der Firmen BAY Wärmetechnik GmbH und Bay Engineering und Consulting. Die neue Gesellschaft verbindet die Produktion der industriellen Kesselanlagen mit dem Know-how für das Engineering der modernen Energiesysteme sowie Umwelttechnik. Heute hat das Unternehmen rund 25 Mitarbeiter. Zu Umsatz und Gewinn macht BBS keine Angaben.

Das Unternehmen blickt auf 65 Jahre Erfahrung auf dem Gebiet der industriellen Wärmetechnik sowie Kesselbau zurück. BBS ist in drei Produktgruppen als Hersteller tätig: Dampfkessel, Heißwasserkessel und Thermoölkessel. Dazu kommen komplette Kesselanlagen.

BBS zählt zu den Pionieren im Bereich der Schnelldampferzeuger. Das Unternehmen gehört zu den Ersten, die diese Technik auf den deutschen Markt gebracht haben. Die Wärmeträgeröl-Technik in Europa wurde von Bay mitgeprägt. Dabei werden organische Flüssigkeiten auf Mineralöl- oder Synthesebasis und organische Medien in der Flüssig- und Dampfphase eingesetzt. Bereits im Jahr 1962 wurden die ersten Thermoölkessel bei Bay gebaut.

von alfred drossel
04. Dezember 2017
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