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Schlachtfest zum Ende der Saison

Für die Züchter ist es jedes Jahr wieder die Stunde der Wahrheit: Es war wie immer ein Roulette mit fetten Kugeln, weil die Pflanzen mit prophetischer Vorahnung rechtzeitig ausgegeizt werden mussten. Die schiere Größe eines Kürbisses ist außerdem kein Indiz für seine Potenz. Dieses Jahr war die Ausbeute bei den meisten mit etwa 100 Kernen durchschnittlich. Es gab aber auch Überraschungen. Der deutsche Meister mit 778 Kilo von Robert Jaser und Norbert Mitschke brachte mit 300 Kernen reiche Ernte, dagegen enttäuschte der Schweizer Kandidat von Beni Meier. Seine Samen waren fast alle leer. Und das, obwohl der Kürbis immerhin 165 Kilo mehr auf die Waage brachte.

Für die Schaulustigen ist es ein Spektakel, wenn die scharfen Messer die Kürbishaut durchdringen und mit einem Knack das Kürbisfleisch herausgeschnitten wird. „Viel zu hell“, meint Martin Rudorfer aus Hemmingen, der mit seinen Kürbissen zum dritten Mal in Folge Landesmeister wurde. Darunter leide der Geschmack. Macht aber eigentlich auch nichts, denn um den Sorten „Atlantic Giant“ oder dem „Squash“ überhaupt irgendein Aroma zu verleihen, ist jede Menge Speck und mehr als eine Handvoll Gewürze nötig.

Trotzdem reißen sich rund 400 Besucher um die kostenlosen Schnitten. Vom Gewicht her findet so dein halber afrikanischer Elefant seine Abnehmer. Fast zwei Tonnen. „Macht satt und man kann die Suppe einfrieren“, meint einer, der an beiden Armen Taschen hat, so viel er tragen kann.

Einige sind aber scharf auf die Kerne. Sie wollen versuchen, selbst so ein Monstrum zu züchten. Ein Züchter braucht allerdings vor allem Leidenschaft und Durchhaltevermögen. Behutsam müssen die Kerne auf Zeitungspapier bei Zimmertemperatur getrocknet werden, bis sie dunkel sind. Sobald sich ein dünnes Häutchen löst, können sie für zwei bis drei Jahre eingelagert werden. Rekordsamen werden in Gold aufgewogen: Ein Samen vom Rekordkürbis von 2014 brachte über 1500 Euro. „Das ist allerdings die Ausnahme“, so der Organisator der Kürbisausstellung, Stefan Hinner.

Nach dem Ziehen eines Setzlings ist es mit einem Balkonkübel nicht sehr lange getan. Bis zur Ernte dehnt sich so eine Pflanze bis zur Größe einer Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnung aus. Champions brauchen Platz zwischen 40 und 100 Quadratmetern. Die Triebe und die noch zarten Früchtchen wollen verteidigt werden. Gegen Mäuse, vor allem aber gegen Schnecken. Sie werden mit bester Erde gefüttert, mit Naturdünger auf Gewicht gezogen. Und sie wurden mit viel, sehr viel Wasser gegossen. Denn in den Rekordsommern wie diesem entwickelt die Pflanze einen gewaltigen Durst. An heißen Tagen säuft sie bis zu 2000 Litern, so viele wie eine Kuhherde. Sie sind rechte Schluckspechte. Dafür kann man ihr beim Wachsen zusehen. So eine Frucht legt täglich mächtig zu.

Bis Dienstag werden die tatsächlich schmackhaften Speisekürbisse an den Verkaufsständen zum halben Preis verkauft. Der Erlös wird gespendet. Am Mittwoch wird der Rest an Vereine und Tafelläden verschenkt.. Cheforganisator der Kürbisausstellung Stefan Hinner sagt: „Das ist dann perfekt für alle, die sich noch Kürbisse als Wintergemüse nach Hause holen wollen.“ Denn wenn die Kürbisse weder Druckstellen noch Verletzungen haben, ließen sie sich hervorragend über den Winter lagern.

Thomas Faulhaber
04. November 2018
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