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Ludwigsburg

Rekorderlös für Briefmarken aus Kolonie

Für Außenstehende ist es nur ein kleiner Schnipsel Papier, für Sammler dagegen eine kostbare Rarität, die ihnen Hunderttausende Euro wert ist: Das Auktionshaus Gärtner hat bei seiner jüngsten Auktion Geschichte geschrieben. Ein Konvolut von fünf Briefmarken, mit denen 1915 ein Brief aus der ehemaligen deutschen Kolonie Togo frankiert wurde, hat für sage und schreibe 458 000 Euro (370 000 Euro plus 88 000 Euro Gebühr) den Besitzer gewechselt.

Für den hohen Preis sind laut Christoph Gärtner vor allem die rote Eine-Mark-Briefmarke und die Fünf-Mark-Briefmarke (Fotos) verantwortlich. Erstere ist ein Unikat – das heiß, weltweit ist nur dieses eine Stück bekannt. „Ein absolutes Liebhaberstück“, freut sich Gärtner. Auch von der Fünf-Mark-Briefmarke sind weltweit nur drei Exemplare bekannt. Zwei gebrauchte und eine ungebrauchte.

Das Briefmarkenmotiv selbst ist eigentlich keine Besonderheit. Die Marke mit dem Schiff wurde um die Jahrhundertwende eingeführt und war in vielen deutschen Kolonien gebräuchlich. Sie unterschieden sich lediglich dadurch, dass am oberen Rand der Name der jeweiligen Kolonie abgedruckt war.

Togo in Afrika war ab 1884 eine deutsche Kolonie. Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, wurde das Land sofort von Franzosen und Engländern besetzt. Anstatt eigene Briefmarken zu drucken, verwendeten die Besatzungsbehörden weiter die Marken der Deutschen – allerdings, und genau das macht sie so wertvoll, wurden sie mit „TOGO Occupation franco-anglaise“ gestempelt.

Christoph Gärtner hat geahnt, dass die Marken sehr viel wert sind. Daher lag der Einstiegspreis auch bei 250 000 Euro. „Aber das ist wirklich eine unglaubliche Steigerung. Mit diesem Preis habe ich nicht gerechnet.“ Der Auktionator ist überzeugt, dass die beiden Briefmarken damit zu den teuersten Stücken der deutschen Philatelie des 20. Jahrhunderts gehören. Für Briefmarken der deutschen Kolonialgeschichte haben sie jedenfalls einen Weltrekord erzielt.

Die Briefmarken, die zusammen mit Dutzenden anderen aus der Kolonie Togo in die Auktion eingebracht wurden, stammen aus der millionenschweren Sammlung des österreichischen Geschäftsmannes Peter Zgonc, der im vergangenen Herbst gestorben ist. Er hat die Marken in den vergangenen Jahrzehnten weltweit auf Auktionen zusammengesammelt. Wie viel Geld er in die Sammlung gesteckt hat, sei schwer zu sagen, erklärt Christoph Gärtner. „Einige Stücke haben aber mehr erzielt, als er dafür ausgegeben hat.“

Wohin die beiden Spitzenmarken gegangen sind, und wer sie ersteigert hat, will Christoph Gärtner nicht sagen. Diskretion ist das oberste Gebot des Auktionators. Nur so viel: „Sie bleiben in Europa“. Bei der Auktion im Schlosshotel waren etwa 40 Bieter anwesend. Den Zuschlag erhielt aber ein Online-Bieter. Denn die Auktion wurde natürlich live im Internet an alle Interessierten weltweit übertragen.

Für den Vorlauf zu solch einer Liebhaber-Veranstaltung muss sich das Bietigheimer Auktionshaus einiges einfallen lassen. So wurde die Sammlung beispielsweise vorab in London und Paris präsentiert. Außerdem wurde Zgoncs Sammlung „Togo – französische und britische Besetzung“, die jetzt in alle Winde verstreut ist, in einem dreisprachigen Katalog vorgestellt. Diese Investition hat sich gelohnt. Neben den beiden Spitzenmarken wurden auf der Auktion außerdem eine weitere Fünf-Mark-Briefmarke für 266 000 Euro (Startpreis 150 000 Euro) und eine Drei-Mark-Briefmarke für 186 000 Euro (Startpreis 100 000 Euro) verkauft. Allein diese vier Marken brachten es damit insgesamt schon fast auf eine Million Euro.

In den Augen von Christoph Gärtner haben diese Bieter alles richtig gemacht. Denn die Investition in Briefmarken ist natürlich nicht ohne Risiko. Im Gegensatz zu einer Goldmünze beispielsweise haben die Marken keinen Gegenwert. Jeder Sammler ist darauf angewiesen, dass es andere Sammler gibt, die einer speziellen Briefmarke einen ebenso hohen Preis zuschreiben wie er. „Daher macht es Sinn, in Spitzenstücke zu investieren. Die halten meist ihren Wert“, ist der Auktionator überzeugt.

Christian Walf
13. April 2018
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