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Gerlingen

Region bremst große Expansionspläne

Patienten, die nach einem Schlaganfall oder einer Schädelverletzung in die Schmieder Kliniken nach Gerlingen kommen, sind in vielen Fällen pflegebedürftig. In dem Rehakrankenhaus auf der Schillerhöhe müssen sie neu lernen, den Alltag zu meistern. „Wir registrieren im Großraum Stuttgart deutlich steigende Fallzahlen“, sagt der Geschäftsleiter Wolfgang Vogt. Derzeit bietet sein Haus rund 150 Betten an. Das Ziel: Patienten wohnortnah zu versorgen. „Dies erleichtert den Kontakt zu den Angehörigen und fördert den Erfolg der Rehabilitationsmaßnahmen“, sagt Vogt.

Es ist nicht das einzige Ziel, das sich die Schmieder Kliniken in Gerlingen gesetzt haben. Die Rehaklinik soll nach dem Willen der Gesundheitsmanager so bald wie möglich 100 weitere Betten dazubekommen und ihre Kapazität fast verdoppeln. Das ist der Einrichtung eine Investition von mehr als 20 Millionen Euro wert. Ein Bauantrag liegt bereits seit Anfang August auf dem Schreibtisch des Bürgermeisters Georg Brenner. Der Inhalt: Ein viergeschossiger Neubau auf etwa 8500 Quadratmetern direkt gegenüber dem Bestandsgebäude – miteinander verbunden durch einen unterirdischen Gang.

Die Stadt steht dem Vorhaben wohlwollend gegenüber. Das ist auch kein Wunder: Mit der Erweiterung würden im Endausbau mehr als 100 zusätzliche, qualifizierte Arbeitsplätze entstehen. Die Klinik hofft, im Frühjahr des nächsten Jahres mit der Umsetzung beginnen zu können. Doch noch wartet sie auf die Baugenehmigung. „Wir merken aber, dass sich etwas tut“, sagt der Geschäftsleiter Vogt.

Das kann man wohl sagen. In diesem Herbst landeten die Expansionspläne der Schmieder Kliniken, die im Südwesten auf sechs Standorte kommen, auch im Planungsausschuss des Stuttgarter Regionalverbandes VRS. Das Ergebnis ist eine bittere Pille. Die Regionalpolitiker melden Bedenken an – verbunden mit dem Hinweis, dass immer noch ein Eingriff in ein Waldgebiet angestrebt wird. „Das im Landesentwicklungsplan festgelegte Ziel bezüglich des Schutzes des Waldes gilt aber unmittelbar“, heißt es aus der VRS-Geschäftsstelle.

In Gerlingen gibt man sich gelassen. „Es geht hier nicht um riesige Flächen“, sagt Vogt unserer Zeitung, „vielleicht um ein paar Hundert Quadratmeter.“ Er verweist zudem darauf, dass sich das anvisierte Baufeld nahezu vollständig in der für die Kliniken bereits ausgewiesenen Sondernutzungsfläche befindet. Der Geschäftsleiter verspricht: „Wir wollen den Eingriff in den uns umgebenden Wald auf ein Minimum reduzieren.“

Der Stuttgarter Regionalverband ist übrigens nicht die einzige Institution, die das Vorhaben kritisch begleitet. Auch das Regierungspräsidium, das Landratsamt und das Landesdenkmalamt äußerten bereits Einwände. Gut möglich ist, dass die Planer jetzt eine Ausnahmegenehmigung erwirken müssen, wie es im regionalen Planungsausschuss hieß.

Was sich zukünftig auf der Gerlinger Schillerhöhe nicht verändern soll, ist die Kooperation der Kliniken Schmieder mit der Lungenfachklinik des Robert-Bosch-Krankenhauses in der Nachbarschaft, die Vogt als „modellhaft“ bezeichnet. „An der Grundidee, unwirtschaftliche Doppelvorhaltungen zu vermeiden, halten beide Partner fest.“

Philipp Schneider
05. Oktober 2017
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