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Rathauschefs wollen in den Kreistag

Baubürgermeister Michael Ilk und Oberbürgermeister Werner Spec.

Es wird politisch im Rathaus. Seit den Nadelstichen, die in der Diskussion um die Stadtbahn mal die Stadt, mal den Landkreis schmerzlich treffen, hat sich etwas verändert. Die Rathausspitze im Ludwigsburger Rathaus will mitreden – auch im Kreistag. Dafür würden sie sich auch der Wahl stellen.

Fest steht, dass Baubürgermeister Michael Ilk kandidiert. Er lässt sich auf die Liste der Freien Wähler setzen, wie gestern Abend bekannt wurde. „Es ist keine gute Situation, wenn die einwohnerstärkste Stadt nicht mit einem aus der Verwaltung im Kreistag vertreten ist“, sagte er auf Nachfrage gegenüber unserer Zeitung.

Auch Oberbürgermeister Werner Spec trägt sich mit dem Gedanken, sich bei der nächsten Wahl „zur Verfügung zu stellen“, wie er sagt. Er sei in einer Überlegungsphase, erklärte er gestern am Rande eines Pressegesprächs auf Nachfrage. Es sei wichtig, im Landkreis Geschlossenheit zu demonstrieren. Gerade auch im Hinblick auf die Stadtbahn-Diskussion und den ÖPNV bedürfe es einer „engen Kommunikation mit den Nachbarkommunen“. Das Vorgehen etwa von Landrat Rainer Haas habe „einen Keil zwischen die Kreiskommunen und die Stadt getrieben“.

Bei der CDU geht man sogar davon aus, dass Spec – wie Ilk – ebenso für die Freien Wähler antreten will. Dies habe der OB bestätigt, hieß es gestern Abend. CDU-Fraktionschef Klaus Herrmann hat vom OB eine Absage erhalten. „Wir sind überrascht, dass er jetzt für die Freien Wähler antreten will“, sagte er.

Für den OB wäre das die zweite Kandidatur im nächsten Jahr. Denn neben den Kreistagswahlen, die am 26. Mai 2019 stattfinden, muss er sich auch als Oberbürgermeister der Wahl stellen. Spec Amtszeit läuft Ende August aus, deshalb findet die Wahl am 30. Juni statt. Es wäre seine dritte Amtszeit in Ludwigsburg.

Gerade die Diskussionen um die Doppelstrategie mit Stadtbahn, BRT-Trassen und Bahn-Reaktivierung habe gezeigt, dass es wichtig ist, die Sichtweise der Stadt vertreten zu können. „Es geht darum, sich in den Kreistag hinein zu vernetzen“, so argumentiert Ilk. In dem Gremium sitzen bekanntlich auch zahlreiche Stadträte, mit Kreisrat Hans Schmid (CDU) auch ein früherer Bürgermeister. Das honoriert Ilk, ein noch aktiver Bürgermeister im Amt wäre dennoch ein Vorteil für die Stadt.

Der Baubürgermeister sieht eine Kandidatur aber nicht nur darin begründet, „für Verständnis im Kreistag zu werben“. Ihm geht es auch um die Problemlage in der Region: Großes Thema ist dabei der Verkehr. Und da schlägt er andere Töne an.

Die Stadt sei nicht in der Lage, die Verkehrsprobleme allein zu lösen. Diese könnten nur gemeinsam angegangen werden. So wie in der Grünen Nachbarschaft, wo man sich auch mit den Nachbarkommunen verständigt. „Vernetzung ist für uns sehr wichtig“, bekennt er. „Wir haben da viele gute Kontakte.“

Dass Ilk für die Freien Wähler (FW) antritt, die ihm stets Schwierigkeiten beim Ausbau der Radwege bereitet haben, sieht er nicht als Problem an. Bislang hatten die Freien Wähler wenig Verständnis für seine Radpolitik gehabt, auch beim Nahverkehr zeigten sich diese stets zurückhaltend. „Es wird keine Änderung meiner Haltung geben“, betonte er gegenüber unserer Zeitung. Für Ilk sind die Freien Wähler keine klassische Partei, „ich kann mich da gut wiedererkennen“. Kontroversen Diskussionen mit den Freien Wählern wird er nicht aus dem Weg gehen, er sieht dies als bereichernd an.

Die Entscheidung, dass er bei den Freien Wählern für den Kreistag kandiert, sei vor einem halben Jahr gefallen, sagte der FW-Vorsitzende Jochen Zeltwanger. „Er wird wohl unser Spitzenkandidat.“ Zeltwanger schränkt aber ein, dass die endgültige Entscheidung der Mitglieder über die Kandidatenliste erst im November fallen wird.

Nächstes Jahr ist überhaupt ein Superwahljahr. Im Mai wird der Gemeinderat neu gewählt, gemeinsam mit den Kommunalwahlen wird auch die Regionalversammlung des Verbands Region Stuttgart gewählt. Dass auch die Amtszeit von Landrat Rainer Haas endet, wobei der Landrat vom Kreistag gewählt wird, zeigt, wie offen die Kräfteverhältnisse 2019 sind. Umso mehr scheint sich die Stadt Ludwigsburg zu bemühen, im Kreis eine gewichtigere Rolle zu spielen. Wie es am Ende aussieht, entscheiden die Bürger. Sie haben die Wahl – und das gleich mehrfach.

Hans-Peter Jans und Janna Werner
09. Oktober 2018
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