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Schwieberdingen

Protest gegen Atomschutt reißt nicht ab

Im Sommer 2017 gehen zahlreiche Menschen in Schwieberdingen gegen die Transporte des freigemessenen Bauschutts aus Neckarwestheim auf die Straße – und auch im Frühjahr 2018 muss sich Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) Vorwürfe gefallen lassen, wonach er die Risiken verniedliche. Foto: Oliver Bürkle

Auf der Schwieberdinger Deponie am Froschgraben ist offenbar alles für die Einlagerung des freigemessenen Bauschutts aus dem Atomkraftwerk in Neckarwestheim vorbereitet: Die Abfallverwertungsgesellschaft des Kreises (AVL) hat nach eigenen Angaben Flächen reserviert und freigeschaufelt. Rund 3350 Tonnen sollen wohl noch in diesem Jahr hier und auf dem Burghof in Vaihingen angeliefert werden, nachdem das Umweltministerium von Franz Untersteller (Grüne) dem Stromkonzern EnBW grünes Licht gegeben hat. Wann sich die Lastwagen tatsächlich auf die Reise machen, will das Unternehmen aber auch knapp drei Wochen danach noch nicht bekanntgeben.

Dass Minister Untersteller, der selbst aus der Anti-Atomkraft-Bewegung stammt, weiter Fakten schafft, hat in Schwieberdingen allerdings nicht dazu geführt, dass der Protest gegen die Transporte abflaut. „Wir lehnen die Einlagerung auf den kreiseigenen Deponien weiter kategorisch ab“, sagte der Freie Wähler Alexander Henke jetzt in seiner Haushaltsrede. „Wir sind überzeugt, dass es sinnvoller und besser ist, den Müll vor Ort zu deponieren.“ Damit meint er Flächen auf dem Gelände des Atomkraftwerks, das auf Neckarwestheimer und Gemmrigheimer Gemarkung liegt.

Die Freien Wähler und die Schwieberdinger CDU bedauern es zudem, dass „der große Bürgerprotest nicht zur Kenntnis genommen wird“. Der Christdemokrat Dieter Rommel: „Die Deponie Froschgraben macht uns schließlich weiterhin Sorgen.“

Daran ändert auch eine Botschaft nichts, die der Minister seit Monaten verbreitet. „Der Bauschutt, den wir zur Deponierung freigeben, ist gesundheitlich unbedenklich“, sagt Untersteller. Tatsächlich hat es in der Vergangenheit unter Medizinern aber auseinandergehende Einschätzungen gegeben. Der Deutsche Ärztetag äußerte deutliche Zweifel an der Annahme, wonach Abbruchmaterial, von dem eine Strahlenbelastung von höchstens zehn Mikrosievert pro Jahr ausgeht, unschädlich sei. Die Bundesärztekammer kassierte den Beschluss später wieder ein.

Die Schwieberdinger ABG-Fraktion hält es „für nicht gänzlich ausgeschlossen“, dass die Angaben zur Unbedenklichkeit nochmals revidiert werden müssen. Der Sprecher Mark Schachermeier: „Auch deshalb können wir die Einlagerungsfreigabe in keiner Weise akzeptieren.“

Bei manchen Beteiligten sorgt das Schwieberdinger Dauerstreitthema mittlerweile für Anfälle von Zynismus. Noch einmal der ABG-Sprecher Schachermeier: „Wäre das Areal nur ein Graben für Frösche geblieben und nicht ein Grab für schwach strahlende Abfälle.“ Unterstellers grüne Parteifreunde in Schwieberdingen bezeichnen es als „Ironie des Schicksals“, dass der Rückbau stillgelegter Meiler in die Zeit einer grüngeführten Landesregierung fällt. „Wir Grünen stehen ja nun wirklich über jedem Verdacht, uns jemals für Kernkraft ausgesprochen und so das Entstehen radioaktiver Abfälle verursacht zu haben“, sagt der Ratsherr Thomas Gölzer.

Fragt sich nun, wie sich der Protest in Schwieberdingen Bahn bricht, wenn die Lastwagen mit dem Atomschutt tatsächlich am Froschgraben vorfahren. Der Kopf des Bürgerprotests, der Mediziner Dierk-Christian Vogt, hat unserer Zeitung bereits gesagt, dass er sich an Straßenblockaden nicht beteiligen wolle.

Die Kommunalpolitik will vor allem der kreiseigenen Abfallverwertungsgesellschaft und dem Landrat und Aufsichtsratschef Rainer Haas auf die Finger schauen. Was auf keinen Fall passieren dürfe, so der CDU-Fraktionschef Rommel, sei, dass auf dem Froschgraben (und dem Burghof) Müll aus anderen Rückbauten wie Philippsburg lande. „Die Zusage des Landkreises hierzu haben wir gerne vernommen“, sagt Rommel. Darüber hinaus pochen die Schwieberdinger darauf, dass die Deponie im Jahr 2025 abgewickelt wird.

Philipp SChneider
06. März 2018
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