Montag, 18.12.2017, 21:34 Uhr
keine Daten 3 °C
Ludwigsburg

Preußenarmee aus Holz

Hausser, 1905 gegründet, wuchs mit seinen Figuren aus Elastolin zur Weltfirma. Das war ein Brei aus Sägemehl, Kasein, Leim und Kaolin der in Formen um Draht herum unter Hitze gepresst und anschließend von Hand bemalt wurde. Meistens waren es Soldaten. „Damit sollten die Buben spielerisch mit dem Krieg vertraut gemacht werden“, erklärt Wolf-Albrecht Kainz, der die Exponate für die diesjährige Winterausstellung zusammen getragen hat.

Die Miniatursoldaten hatten allerdings ein großes Problem: Feuchtigkeit war ihr sicherer Tod. Rostete ihr inneres Skelett, dann platzten ihnen irgendwann Körper und Gliedmaßen weg, so der Spielzeugfachmann Kainz. Dutzende Uniformträger aus den Anfangsjahren in bestem Erhaltungszustand und aus aller Herren Länder sind im Heilbronner Torhaus zu sehen. In den 1930ern lag die Produktion dieser Figuren in Millionenhöhe. Um die 50 Pfennige hat so ein Stück 1910 gekostet. Sammler würden für seltene Exemplare in gutem Zustand heute bis zu 150 Euro bezahlen, schätzt Kainz.

Fast unbezahlbar sind dagegen zwei von Hand gefertigte Sammlungen. Die eine besteht aus Militärfahrzeugen der Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg. Radpanzer, Lastwagen und schwere Auto, die ein Modellbauer bis ins kleinste Detail nach Hausser’schen Plänen aber aus Holz nachgefertigt hat. Ebenfalls aus Holz ist die preußische Armee, die ein Ludwigsburger ab 1935 für seinen Sohn schnitzte und bemalte. Auch als der längst erwachsen war, bekam er bis 1960 jedes Jahr immer eine Handvoll Soldaten. „Die Uniformen fast aller Regimenter sind vertreten“, so Kainz. Der freut sich, dass diese außergewöhnliche Sammlung eines Eglosheimers dem Verein geschenkt wurde.

Nicht nur Kriegsspielzeug produzierte Hausser. Auch Brettspiele, die bis heute in unterschiedlicher Art immer wieder neu aufgelegt werden: Die Weltreise zum Beispiel. Oder das legendäre Kartenspiel „Elfer raus“ aus dem Jahr 1925. „Bis 1935 war Hausser ein Ludwigsburger Unternehmen mit Weltruf“, erklärt Kainz.

Dann wurden ihr die Produktionsräume in der Mathildenstraße von der obersten Heeresleitung gekündigt. Der Umzug ins fränkische Neustadt bei Coburg kostete ein Vermögen von 100 000 Reichsmark. Ein Jahr dauerte der Umzug, der aus über 300 Eisenbahnwaggons bestand. 1983 wurde Konkurs angemeldet, aber erst 30 Jahre später die Produktion laut Wikipedia dann endgültig eingestellt.

Es sind noch weitere Spieleklassiker in altem Gewand ausgestellt. Frühe Ausgaben von „Mensch ärgere Dich nicht“, „Schwarzer Peter“ mit Märchenfiguren oder „Spitz Pass auf“. Spiele, die einfach in keiner Sammlung fehlen dürfen.

Ebenso wie so eine Ausstellung ohne zahlreiche Schuco-Autos zum Aufziehen unvollständig wäre. Auch die sind mittlerweile begehrte Sammlerstücke und Kosten ein Vermögen.

Info: Die Ausstellung „Augenfunkeln von Groß und Klein“ im Heilbronner Torhaus ist bis zum 28. Januar 2018 jeden Sonntag von 14 Uhr bis 18 Uhr geöffnet – Heiligabend und Silvester ausgenommen. Der Eintritt ist frei.

Thomas Faulhaber
03. Dezember 2017
Impressum | Datenschutz