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Ludwigsburg

Polizei ermittelt nach den Gewaltszenen

Das Polizeipräsidium Ludwigsburg hat Ermittlungen aufgenommen und nun zusätzlich eine gemeinsame Ermittlungsgruppe aus Schutz- und Kriminalpolizei eingerichtet. Mit Blick auf Vorwürfe gegen die eingesetzten Polizeibeamten einerseits und gegen vermeintlich als Täter beteiligte Feuerwehrangehörige andererseits äußerte sich gestern Polizeipräsident Frank Rebholz in einer Stellungnahme: „Die Vorwürfe wollen wir so nicht stehen lassen. Sowohl im Interesse unserer Kolleginnen und Kollegen als auch im Interesse der Feuerwehr hat die nunmehr eingerichtete Ermittlungsgruppe den Auftrag, Beteiligte und Zeugen zu ermitteln und zu befragen sowie die Ereignisse schnell und umfassend aufzuarbeiten. Dessen ungeachtet werden wir im Zuge der Ermittlungen auch das Verhalten der Einsatzkräfte hinterfragen und bei einem möglichen Fehlverhalten entsprechend reagieren.“

In diesem Zusammenhang bittet die Polizei weitere Zeugen, sich zu melden. Man hoffe, dass sich auch Beobachter melden, die vielleicht etwas gefilmt haben, sagte gestern Pressesprecher Peter Widenhorn.

Bei dem Vorfall am Sonntag in Neckarweihingen wurden um 20.15 Uhr mehrere Polizisten des Polizeireviers Ludwigsburg, welche schon den Umzug begleitet hatten, zu einer Schlägerei gerufen. Zu diesem Zeitpunkt seien noch etliche Besucher bei der Feier am Gerätehaus der Feuerwehr gewesen, so Berichte. Dort lädt die Feuerwehr jedes Jahr nach dem Umzug zu ihrer „Blaulichtbar“ ein, die bis 21 Uhr offen hat. Auslöser der Schlägerei könnte eine Auseinandersetzung zwischen Fußballfans gewesen sein. „Die kloppen sich wegen Fußball“, sei an dem Abend immer wieder erzählt worden, so Berichte gegenüber unserer Zeitung.

Als die Beamten die Schläger auseinanderbringen wollten, wurden sie von anderen Festbesuchern daran gehindert. Die Polizisten wurden geschupst und geschlagen, teilte die Polizei mit. Die Festbesucher seien alkoholisiert und uneinsichtig gewesen. „Eingesetzte Polizeibeamte haben sich überrascht und bestürzt gezeigt angesichts der Aggression“, so die Polizei weiter.

Schließlich hatten die Polizisten Verstärkung gerufen. Es kamen Einsatzkräfte der Hundeführerstaffel und des Polizeipräsidiums Einsatz aus Göppingen hinzu, das vergleichbar ist mit der Bereitschaftspolizei. 20 Polizisten seien nötig gewesen, um die Situation in den Griff zu bekommen. Unter dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken wurde der Platz geräumt. Neun überwiegend junge Männer wurden in Gewahrsam genommen, gegen die nun ermittelt wird. Einige Personen und Polizisten wurden verletzt. Gegen 21 Uhr war der Einsatz beendet.

Die Polizei wird inzwischen gestützt von Berichten, wonach die Menge sich äußerst aggressiv gezeigt habe. Die Stimmung sei extrem aufgeheizt gewesen und einige Leute wollten trotz Aufforderung der Polizei den Platz nicht verlassen, berichten Zeugen gestern gegenüber unserer Zeitung. Die Polizisten seien heftig verbal attackiert und zur Auseinandersetzung geradezu herausgefordert worden. Zwar sei die Polizei bei ihrem Einsatz massiv vorgegangen, angesichts der Lage vor Ort sei dieses Vorgehen aber vertretbar gewesen.

Andere Beobachter und Betroffene wiederum haben unserer Zeitung gegenüber Kritik geäußert (wir berichteten). Die Polizisten seien mit unnötiger Brutalität vorgegangen, sagt ein Neckarweihinger, der nach seinem Sohn schauen wollte und dann, wie er sagt, mit überhartem Einsatz verhaftet wurde. „Die Polizei hat kein Interesse gezeigt, die ganze Situation zu deeskalieren“, heißt es von dieser Seite. Die jungen Beamten hätten zu hart durchgegriffen. Der Neckarweihinger ist sich ziemlich sicher, dass er Anzeige erstatten wird.

Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass unter jenen Besuchern der „Blaulichtbar“, denen aggressives Verhalten vorgehalten wird, auch ein oder mehrere Mitglieder der Feuerwehr waren. Offiziell will sich dazu aber niemand äußern. Bei der Feuerwehr ist keiner für eine Stellungnahme zu erreichen. Die Stadt als Dienstherr meint auf Anfrage, dass sie zum aktuellen Zeitpunkt nichts sagen kann. Auch die Polizei will nichts sagen. „Erst wenn belastende Dinge vorliegen sollten, äußern wir uns dazu“, sagte Pressesprecher Widenhorn.

von Martina Peao
08. Februar 2018
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