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Ludwigsburg/Ingersheim

Pleite mit Steuererklärungs-App

Steuererklärung ganz einfach am Smartphone mit dem Taxbutler wird es vorerst nicht mehr geben.Foto: Jürgen Schmidt

Bundesweit bekannt wurde das Ludwigsburger Start-up Pareton durch Jens Spahn. Der heutige Bundesgesundheitsminister hatte sich mit 15 000 Euro an dem Unternehmen beteiligt, dass die Steuererklärungssoftware Taxbutler entwickelte und vertrieb. Inzwischen hat Pareton das Schicksal vieler Neugründungen ereilt. Weil die Finanzierung nicht dauerhaft gesichert war, musste das Unternehmen Insolenz anmelden und seinen Betrieb einstellen.

Algorithmus statt Formulare

Steuererklärungssoftware gibt es schon lange, doch Pareton-Gründer Matthias Raisch wollte mit seiner App die Lösung fürs Smartphone-Zeitalter entwickeln. Für eine einfache Einkommensteuererklärung sollten die Nutzer ihre Belege, wie die Lohnsteuerbescheinigung oder Quittungen einfach mit dem Handy fotografieren und mit Hilfe der App hochladen. Ein Algorithmus erstellte dann die Steuererklärung, die die Nutzer nach der Prüfung online ans Finanzamt versenden konnten.

CDU-Politiker Spahn nannte die Idee einst pfiffig, was für sein Investment aber weniger galt. Denn als das im vergangenen Jahr im Bundestagswahlkampf bekanntgeworden war, wurden dem Merkel-Kritiker mögliche Interessenkonflikte unterstellt. Er war zu dieser Zeit Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und auch für die aufstrebende Fintech-Branche zuständig. Er verkaufte seinen Pareton-Anteil noch 2017 und war somit von der Pleite nicht betroffen.

Anders geht es da 312 Geldgebern, von denen Raisch 2017 per Crowdfunding 300 000 Euro einsammelte. Ob die noch etwas von ihrem Geld wiedersehen und wenn ja wie viel, dazu kann der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Riegger derzeit nichts sagen. Das hängt vor allem davon ab, ob sich der Taxbutler verkaufen lässt und zu welchem Preis. Interesse gibt es nach Aussage des Tübinger Rechtsanwaltes durchaus. „Ich bin überrascht über Interessenten, die ein ähnliches Geschäftsmodell verfolgen.“

Viel eigenes Geld investiert

Aber auch Matthias Raisch, der vor der Pareton-Gründung lange Zeit in der Versicherungsbranche gearbeitet hat, kostete der Ausflug in die Selbstständigkeit viel privates Geld. Er hat nach eigenen Angaben in die Entwicklung der Software und den Aufbau des Unternehmens einen sechsstelligen Betrag gesteckt.

Dass seine Idee nicht zu einem dauerhaften geschäftlichen Erfolg wurde, sieht er als typisches Problem eines Start-ups: dem Finanzbedarf. Der ist in der Aufbauphase hoch und die Erlöse noch niedrig. In diesem Jahr wurde der Taxbutler laut Raisch 730-mal verkauft, zum Preis von 29 Euro. Im Frühjahr habe er zahlreiche Gespräche für eine neue Finanzierungsrunde geführt, doch die sei letztlich nicht zustande gekommen.

Wie es für ihn persönlich weitergeht, sei derzeit noch offen, sagt der 49-Jährige. Momentan sei er noch dabei, sich zu orientieren.

Bei aller Enttäuschung über das Scheitern mit dem Taxbutler sieht er zumindest eine Sache positiv: „Zum Glück waren von der Insolvenz keine Mitarbeiter betroffen, die dadurch ihren Arbeitsplatz verloren haben.“

Jürgen Schmidt
07. September 2018
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