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Ludwigsburg

Pionierprojekt der Entwicklungsarbeit

Was als Versuch begann, wurde zur Erfolgsgeschichte. Die Idee zu einer Dreiecks-Partnerschaft hat Oberbürgermeister Werner Spec schon 2006 von einem deutsch-französischen Städtetag mitgebracht, wie Erster Bürgermeister Konrad Seigfried kürzlich der Presse verraten hat. Gemeinsam mit der französischen Partnerstadt Montbéliard wollte Ludwigsburg das angehen.

Christine Süß, Ludwigsburgs Städtepartnerschaftsbeauftragte, erinnert sich noch genau, wie die ganze Sache Fahrt aufnahm: „Der OB hat zu mir gesagt: Wir machen jetzt ein Hilfsprojekt in Afrika, schauen wir doch mal wo.“ Süß kamen da gleich die Kontakte zur Gemeinde der hier lebenden Eritreer und damit deren Heimat in den Sinn. Doch die Partner in Montbéliard wollten ein Engagement in einer französischsprachigen Gegend.

Seitens der Welthungerhilfe kam dann der zündende Impuls: „Sie haben gesagt, dass sie in Burkino Faso nur punktuell tätig sein können, es dort aber Kommunen gäbe, die sich dauerhaft Kontakt zu deutschen und französischen Partnern wünschten“, erzählt Süß. Der entscheidende Punkt: „Die Welthungerhilfe konnte uns sagen: ‚Es gibt in Kongoussi eine Nichtregierungsorganisation, die werden euch nicht betrügen.‘ Ohne einen verlässlichen Partner vor Ort wäre das nicht gegangen. Ein Bürgermeister oder andere Offizielle wären niemals infrage gekommen.“ Tatsächlich sollte sich die Association Zood Nooma als die richtige Wahl erweisen. Ex-OB Dr. Otfried Ulshöfer ist der Schalk noch ins Gesicht geschrieben, wenn er sich an den nächsten Schritt erinnert: „Beim Antrittsbesuch des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler in Ludwigsburg hat OB Spec in seiner Rede angekündigt, dass wir uns in Afrika engagieren werden – den versammelten Stadträten ist das Kinn heruntergefallen, denn sie hatten davon noch nichts gehört.“ Köhler hatte bereits damals zu verstärktem Engagement für Afrika aufgerufen.

Ulshöfer war seinerzeit aus dem Entwicklungsministerium nach Ludwigsburg gekommen – und damit prädestiniert für die Betreuung dieses Projekts. „Du hast doch Erfahrung, könntest Du Dich um diese Geschichte kümmern“, habe OB Spec ihn damals gefragt. Und er hat sich nicht lange bitten lassen, die Ärmel hochgekrempelt, Sponsoren angesprochen und dieses Pionierprojekt der kommunalen Entwicklungsarbeit aufs Gleis gesetzt. Der Rest ist Geschichte: Mit einer Reihe von Ludwigsburgern – unter ihnen seine Frau Christel, natürlich Christine Süß, aber auch der damalige Integrationsbeauftragte und heutige Koordinator für Kommunale Entwicklungsarbeit, Saliou Gueye, – wurde am 29. Juli 2008 der Förderkreis Burkina Faso gegründet.

Das Ziel des gemeinnützigen Vereins: Den Menschen in der Region Kongoussi, die rund 120 Kilometer nördlich der Hauptstadt Quagadougou liegt, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, die Ernährungslage und das Bildungswesen zu verbessern und die Völkerverständigung zu fördern. „Eine große Fahrradsammelaktion hat den Verein damals in Ludwigsburg richtig bekanntgemacht“, erinnert sich Ulshöfer. Viel wurde – auch unter der Ägide von Konrad Seigfried, der 2012 den Vorsitz von Otfried Ulshöfer übernahm – dank vielfältigster Aktionen und daraus resultierender Spenden bereits erreicht: Ein Berufsbildungszentrum wurde errichtet, die wirtschaftliche Situation der Frauen hat sich durch Gemüseanbau und Minikredite verbessert, Getreidemühlen erleichtern ihnen nun die Arbeit.

Rückenwind hat das Projekt noch seitens des Bundes bekommen, der seit einigen Jahren bei der Entwicklungsarbeit verstärkt auf die praktische Problemlösungskompetenz der Kommunen setzt und seit 2014 die inzwischen besiegelten Klimapartnerschaften Ludwigsburgs mit Kongoussi und einer Stadt in Equador finanziell unterstützt. Die Bekämpfung der Folgen des Klimawandels sind hier primäres Ziel. Wenn heute sechs Dörfer mit fast 10 000 Menschen über eine gesicherte Wasserversorgung mit solar betriebenen Brunnenanlagen versorgt sind, Fäkalien aufbereitet und die Landwirtschaft durch Biokohle verbessert wird, dann ist das auch mit dem Engagement des Vereins zu verdanken.

Und es gilt, weitere Herausforderungen anzunehmen: Der globale Kapitalismus zeigt Auswirkungen und islamistischer Terror macht auch vor Burkina Faso – lange ein Modell friedlicher Koexistenz verschiedener Religionen – nicht halt. So war die Ludwigsburger Delegation, die mit OB Spec und Saliou Gueye im Januar Kongoussi besucht hat, erstmals mit Polizeischutz unterwegs. Solidarität ist also weiterhin nötig – ebenso wie ungetrübte Spendenbereitschaft. Weshalb der Erlös des Galaabends auch dem Freundeskreis zugutekommen wird.

Info: Karten für den Galaabend im Louis-Bührer-Saal, Uhlandstraße 10, kosten inklusive afrikanischem Büffet 25 Euro, ermäßigt 15 Euro (Kinder und Schüler). Sie sind an der Rathaus-Info in der Wilhelmstraße 11 erhältlich, können aber auch per Fax unter der Nummer (0 71 41) 910 44 99 oder per E-Mail an s.gueye@ludwigsburg.de vorbestellt werden.

Annette de Cerqueira
10. Mai 2018
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