Samstag, 18.08.2018, 17:54 Uhr
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Ludwigsburg

Patente Party mit Panama-Hut

Die Tanzgruppe Danza Ecuador zieht auf dem Marktplatz die Blicke auf sich. Foto: Oliver Bürkle

Den Besuchern des Ludwigsburger Wochenmarkts bieten sich am Samstag ungeahnte Einblicke in die ecuadorianische Folklore. Die Mitglieder der Tanzgruppe Danza Ecuador legen eine flotte Sohle aufs Straßenparkett, und die Brass Band Ecuador gibt traditionelle Lieder aus dem Andenstaat zum Besten. Wie in allen lateinamerikanischen Staaten steht die Blasmusik auch in Ecuador hoch im Kurs. So gesehen fügt sich die Ludwigsburger Brenz Band mit ihren musikalischen Beiträgen gut ins Gesamtbild ein.

Die Mitglieder der Brass Band besuchen eine Musikschule, die ihr Bandleader Jorge Pachacama vor 18 Jahren in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito gegründet hat. Besonders talentierte Schüler touren derzeit durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, um Spenden für ihre Einrichtung zu sammeln. Am 10. August spielt die Gruppe bei der offiziellen Feier zum ecuadorianischen Unabhängigkeitstag in Berlin.

Nicht nur Siegfried Rapp, seit 2014 ecuadorianischer Honorarkonsul für Baden-Württemberg, auch auffallend viele Gäste und die Musiker der Brass Band tragen Panama-Hüte. Trotz ihres Namens stammt diese Kopfbedeckung nicht etwa aus Panama, sondern ist einer der erfolgreichsten Exportschlager des fast 17 Millionen Einwohner zahlenden Andenstaates im Nordwesten Südamerikas. Die weißen Strohhüte sind ein guter Sonnenschutz. Dennoch verlangt die schwäbische Mittagshitze den jungen Musikern einiges ab, nach ihrem Auftritt wischen sie sich erst mal den Schweiß von der Stirn. Bei der Feier zum Unabhängigkeitstag können sich Besucher über Ecuador informieren, auch über die 2017 besiegelte Klimapartnerschaft zwischen Ludwigsburg und der ecuadorianischen Stadt Ambato. Der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried weiht bei dieser Gelegenheit den ersten öffentlichen Bücherschrank in Ludwigsburg vor dem Honorarkonsulat ein. Weitere Bücherschränke sollen schon bald folgen, kündigt Seigfried an – wenn sich genug freiwillige Paten finden.

Die Schirmherrschaft für den ersten Bücherschrank übernimmt das Honorarkonsulat. „Buchpaten können sich jederzeit bei uns melden“, sagt Honorarkonsul Rapp. „Es geht darum, etwa einmal im Monat ein Buch reinzustellen oder auch mal eins rauszunehmen – so bleibt das Angebot lebendig.“

Pilar Strohäcker nimmt sich diese Aufforderung zu Herzen und stellt gleich zum Auftakt eine Auswahl an spanischsprachiger Literatur in den Bücherschrank. Sie lebt seit rund 30 Jahren in Deutschland, ist aber gebürtige Kolumbianerin. Strohäcker bestückt den Bücherschrank unter anderem mit dem Roman „Sicario“ von Alberto Vazquez-Figueroa. Als Sicarios würden in ihrem Heimatland bezahlte Auftragsmörder bezeichnet, erklärt die Kolumbianerin. „Bevor sie jemanden umbringen, beten sie zur heiligen Jungfrau.“ Gewalt sei vor allem in den 90er Jahren ein großes Problem in Kolumbien gewesen, als die berüchtigten Drogenkartelle von Medellín und Cali auf dem Höhepunkt ihrer Macht waren. Aber Kolumbien sei nicht nur ein mitunter gefährliches, sondern auch ein sehr schönes Land, betont Strohäcker. „Für Touristen ist es sicher, es lohnt sich wirklich, da mal Urlaub zu machen.“

Silvana Herrera, die Leiterin der in Stuttgart ansässigen Tanzgruppe Danza Ecuador, kommt ursprünglich aus Quito, doch auch sie lebt schon lange in Deutschland. Der Unabhängigkeitstag sei ein wichtiges Fest in Ecuador, erzählt sie. Wie immer, wenn Ecuadorianer zum Feiern zusammenkommen, werde dann reichlich Rum konsumiert. Allerdings nicht, wie etwa auf dem Münchner Oktoberfest alles andere als unüblich, bis zum bitteren Ende, sondern kontrolliert. „Es gibt schon viel Rum bei einer ecuadorianischen Party, die Leute trinken gerne“, meint Herrera. „Aber vor allem geht es darum, mit den anderen zu feiern und zu tanzen. Die Ecuadorianer mögen einfach große und laute Feste.“

Info: Wer eine Buchpatenschaft für den neuen Bücherschrank am Marktplatz übernehmen will, kann per E-Mail ecuador@honorarkonsul-bw.de Kontakt mit dem Honorarkonsulat aufnehmen.

Frank Klein
05. August 2018
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