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Strohgäu

Nur leise Töne zur Wiederaufnahme des Fahrbetriebs

Archivfoto: Oliver Bürkle

Groß war die Verärgerung bei Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath gewesen, als vergangenen Sommer bekannt wurde, dass der Anschluss des Teilorts Heimerdingen an die Strohgäubahn im Dezember wegen technischer Probleme nicht klappen würde, sondern erst mit dem Ende dieser Sommerferien. Dann aber müsse es klappen, sagte Makurath noch im November. „Sonst gibt es keinen Blumenschmuck, wenn die Strohgäubahn in den Heimerdinger Bahnhof einläuft“ (wir berichteten). Nun steht fest: Es wird klappen, und am kommenden Montag werden erstmals wieder die grün-gelben Züge den Stadtteil ansteuern. Doch die große Feier, die vor einigen Monaten im Raum stand, wird ausbleiben.

Grund ist, dass für die Ditzinger das Thema Ausbau noch lange nicht abgeschlossen ist – denn auch der Heimerdinger Bahnhof soll umgebaut werden. Gibt es derzeit nur eine Ein- und Ausstiegsmöglichkeit dort, so soll es künftig einen zweiten Bahnsteig geben und damit einen Betrieb an zwei Gleisen. Zudem sind auch die Abstellanlagen noch nicht fertig. Das nötige Planfeststellungsverfahren laufe derzeit aber noch, heißt es vom Zweckverband. Die Strohgäubahn wird nach ihrer sieben Wochen dauernden Sperrpause also mehr oder weniger heimlich still und leise wieder ihren Betrieb aufnehmen.

Und das vielleicht auch deshalb, weil die mit insgesamt rund 3,9 Millionen Euro veranschlagte Installation der neuartigen Leit-und Sicherungstechnik durch den Konzern Thales zwar nun endlich umgesetzt werden konnte und vergangenen Montag auch die lang erwartete Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts für reguläre Fahrten eingetroffen ist. Doch eines der Ziele der nun erfolgten Bauarbeiten scheint nach den jüngsten Äußerungen wieder in weite Ferne zu rücken: die Verlängerung der Strecke in die andere Richtung, nach Feuerbach. Dafür sehe man wenig Chancen, lieber wolle man mehr S-Bahnen der Linie S 6 fahren lassen, so der Stuttgarter Regionalverband.

Für den aktuellen Betrieb der Strohgäubahn ändert sich nun aber so oder so nicht viel. Wie vor der Sperrpause werden die Züge im Halbstundentakt zwischen fünf Uhr und kurz vor Mitternacht (samstags erst ab sieben, sonntags ab acht Uhr) verkehren, dann aber mit einer Station mehr. Nicht nur deshalb müssen sich die Passagiere auf leicht veränderte Abfahrts- und Ankunftszeiten einstellen, denn auch die Fahrtdauer zwischen den einzelnen Halten ist etwas kürzer geworden.

Trotz aller früherer Verärgerung: In Ditzingen ist man dennoch froh. „Das ist für Heimerdingen eine erhebliche Verbesserung der Verkehrssituation und acht Jahre nach Gründung des Zweckverbandes Strohgäubahn ein entscheidender Schritt“, wird der OB in einer Mitteilung zitiert. Und: „Ein Schienenanschluss mit einer regelmäßigen Anbindung an die S-Bahn erhöht die Attraktivität des Wohn- und Wirtschaftsstandorts Heimerdingen erheblich.“ Blumenschmuck wird es am Montag dennoch nicht geben – auch wenn die Signale schon auf Blumen-Grün stünden, wie es humorvoll aus dem Rathaus heißt.

Julia Schweizer
05. September 2018
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