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Großbottwar

Neue Reithalle wird mit einem Ballett auf Hufen eingeweiht

Das rote Band wird durchschnitten, die Halle eingeweiht: (von links) Mathias Müller, Wolfgang Pfeiffer, Frank Reutter vom Reitersportbund, Andreas Strom, stellvertretender Bürgermeister. Foto: Oliver Bürkle

Am Abend des 16. Juli vergangenen Jahres stand der Reit- und Fahrverein (RFV) Großbottwar vor einem Haufen verkohlter Bretter. Die Reithalle war trotz eines Großaufgebots der Feuerwehr komplett abgebrannt. Davon ließ man sich aber nicht unterkriegen: Am Samstag wurde jetzt der Neubau eingeweiht.

Das Datum hat sich in die Köpfe eingebrannt. Der Schock von damals sitzt den Vereinsmitgliedern immer noch in den Knochen: Damals, als die 42 Jahre alte Halle in Flammen stand. Wahrscheinlich hatte sich Heu im Lager selbst entzündet. „Hundertprozentig ist die Brandursache bis heute nicht geklärt“, sagt der erste Vorsitzende Wolfgang Pfeiffer.

Es war ein sommerlicher Samstagnachmittag, erinnert sich auch der stellvertretende Bürgermeister Andreas Strohm. Mit seinem Sohn sei er bei einem Grillfest des CVJM gewesen, als es plötzlich einen großen Knall gegeben habe und eine schwarze Rauchwolke über der Halle des Reitvereins aufstieg. Überall war kurz darauf Blaulicht zu sehen und Sirenen zu hören. „Die Kinder hatten alle Tränen in den Augen. So etwas will niemand noch mal erleben.“ Es grenze an ein Wunder, dass damals weder Menschen noch Tiere zu Schaden gekommen sind. Es gelte aber jetzt nach vorne zu schauen: „Möge die wunderschöne neue Halle neuen Schwung und gutes Miteinander geben.“

„Nur durch beherztes Eingreifen war noch Schlimmeres verhindert worden“, sagt Sportwartin Karen Lempert. Mitglieder, die sofort zur Stelle waren, hatten die 15 Tiere sofort aus dem benachbarten Stall befreit und auf die Koppeln gelassen. Sonst wären sie wahrscheinlich in ihren Boxen im Qualm erstickt.

Brandgeruch hatte am Samstag niemand mehr in der Nase. Frisch riecht das Holz, hell und freundlich ist die Reithalle, die auf den alten Fundamenten wieder aufgebaut worden ist. Über ein Jahr hat es gedauert, bis alle Untersuchungen abgeschlossen, die versicherungstechnischen Fragen geklärt, die Pläne gezeichnet und die Baugenehmigungen zusammengetragen waren. Der Bau an sich dauerte dagegen nur 14 Wochen.

„Da ist ein kleines Wäldchen verbaut“, meint Pfeiffer. Innen viel Kiefer, außen robuste und langlebige Lärche in einer Stahlkonstruktion. Er selbst legte oft Hand an und unterstützte die Monteure der Baufirma. Drei Monate lang war er wöchentlich fast 60 Stunden auf der Baustelle. Das hielt die Kosten einigermaßen im Rahmen. 350 000 Euro kostete die neue Reithalle mit Sattelkammer, Reiterstüble und demnächst auch noch einem behindertengerechten WC. Das meiste zahlte die Versicherung, der Württembergische Landessportbund steuerte einen Beitrag bei. Trotzdem lag der Eigenbeitrag bei rund 30 000 Euro. Viel Geld für einen kleinen Verein mit etwa 250 Mitgliedern, von denen rund 50 aktiv sind.

„Diese Katastrophe hat sie zusammengeschweißt“, meinte der Vorsitzende des württembergischen Pferdesportverbands Frank Reutter. Trotz des Brandes habe man Flagge beim Straßenfest gezeigt, bei Wind und Wetter draußen trainiert. Das sei eine bemerkenswerte Gesamtleistung, die den Reit- und Fahrverein mit seiner herausragenden Jugendarbeit zum „Aushängeschild des Pferdesports macht“. „Beim Reit- und Fahrverein Großbottwar stimmen Zusammenhalt und Harmonie“, lobte der Präsident des Sportkreises Ludwigsburg, Matthias Müller. Ohne ehrenamtliches Engagement sei dieses Ziel nicht zu erreichen gewesen. Überglücklich wurde das rote Band durchschnitten. Dann führten zwei Reiterinnen einen „Pas de deux“ vor, ein Ballett auf acht Hufen. Sieben Voltigiermädchen weihten den nagelneuen „Volti-Bock“ ein, auf dem geübt wird, bevor es auf den Rücken der Pferde geht. Der alte war ebenfalls ein Opfer der Flammen geworden. Und die Jüngsten hatten eine Quadrille auf Steckenpferden eingeübt.

Thomas Faulhaber
04. Dezember 2017
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