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Bietigheim-Bissingen

Neue Enzbrücke hat wenig Freunde

Zukünftig müssen Autoverkehr, Busse und die Bedürfnisse von Radfahrern sowie Fußgängern besser verzahnt werden.Archivfoto: Alfred Drossel

Verkehr ist nach wie vor eines der großen Themen in der Stadt. Das wurde am Dienstagabend wieder deutlich. Rund 300 Interessierte kamen in die Aurainhalle, um sich über die Verkehrsplanungen der Stadt informieren zu lassen. Vor allem die Freien Wähler im Gemeinderat hatten in den vergangenen Tagen für Unruhe gesorgt. Nach ihren Vorstellungen sollte ein Abzweig von der B 27 in Richtung Sachsenheim gebaut werden. Dieser müsste über das Enztal führen, direkt neben dem Viadukt. Das brachte vor allem die Anwohner im Aurain und in der Siedlung Köpenick auf die Barrikaden, sie befürchten noch mehr Lärm und Abgase.

Doch vor allem sollten die Besucher in der voll besetzten Halle über den Stand der Untersuchungen informiert werden. Gleichzeitig war ihre Meinung gefragt, denn die Bürger sollen die Planungen der zukünftigen Verkehrsinfrastruktur aktiv begleiten.

Viel Autoverkehr in der Stadt

Die Ausgangslage ist klar: Bis zu 50 000 Fahrzeuge fahren täglich auf der B 27 durch die Stadt. Täglich Stau von und nach Löchgau, Sachsenheim oder Ingersheim. Die Bürger klagen schon seit langem über den Lärm und die Luftverschmutzung durch den Autoverkehr. Das lässt sich auch anhand der Zahlen belegen: 57 Prozent des Verkehrs in Bietigheim-Bissingen fallen auf den sogenannten motorisierten Individualverkehr. In Böblingen oder Leinfelden-Echterdingen, zwei Städte in vergleichbarer Lage und Größe, sind es rund zehn Prozent weniger.

Daher liegt das Hauptaugenmerk der Planer auf einer Verbesserung des Busverkehrs und weiteren Angeboten für Fahrradfahrer sowie Fußgängern. Vor allem die Preise für das Busticket beklagen die Bürger. Der Hinweis, dass diese nicht von der Firma Spillmann, sondern vom VVS gemacht würden, konnte die Wenigsten besänftigen. Zufrieden hingegen sind die Menschen mit dem Busangebot, und auch die Pünktlichkeit werten die meisten als positiv.

Die Fahrradfahrer fühlen sich auf den Straßen der Stadt nicht sicher und knapp die Hälfte ist unzufrieden mit den Rad-Abstellplätzen in der Stadt. Immerhin können sich 33 Prozent der Radfahrer vorstellen, mit ihrem Gefährt zum Bahnhof zu fahren, um von dort mit dem Zug weiterzukommen. Diese Verzahnung der Verkehrsmittel wird eine der großen Aufgaben für die Planer sein. Ebenfalls sollen die Wechselwirkungen der einzelnen Maßnahmen untersucht werden.

Aber auch die verschiedenen Umgehungsstraßen werden jetzt eingehend untersucht. Sie reichen von verschiedenen Varianten einer Westumfahrung in Richtung Löchgau bis zu einer kompletten Umfahrung von Bietigheim-Bissingen , die allerdings zum größten Teil im Tunnel verlaufen soll. Hinzu kommt die Brücke in Richtung Sachsenheim gleich neben dem Viadukt. Zudem sollen die Schwarzwaldstraße, Bahnhofstraße oder die Auwiesenbrücke ausgebaut werden.

Für die Verwaltung und den Gemeinderat wird es ein Spagat werden, denn auf der einen Seite wollen die Bürger Verkehrsentlastungen, auf der anderen Seite lehnen sie weitere Straßen ab, weil sie zusätzliche Belästigungen befürchten. Auch eine Zerstörung der Landschaft durch weitere Straßen oder neue Wohn- sowie Gewerbegebiete wurde kritisiert. Der Trassenvorschlag der Freien Wähler, eine zweite Brücke in Richtung Sachsenheim gleich neben dem Viadukt zu bauen, fand an diesem Abend kaum Freunde – und das nicht nur unter den Anwohnern aus dem Aurain. Ganz anders sieht es mit dem Ausbau der Auwiesenbrücke in Richtung Sachsenheim und Metterzimmern aus. Hierfür gab es am Dienstagabend breite Unterstützung.

Andreas Feilhauer
29. November 2017
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