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Kreis Ludwigsburg

Nächstes Teilchen fürs ÖPNV-Puzzle

Das ÖPNV-Paradies für die Menschen im Kreis Ludwigsburg ist offenbar nah. Auf einem Netzplan, der seit einigen Monaten im Umlauf ist, wimmelt es nur so vor neuen S-Bahnen, Regionalzügen mit Brennstoffzellen, Nebenbahnen und hoch- und niederflurigen Stadtbahnen.

Am heutigen Mittwoch will der Stuttgarter Regionalverband VRS in der Sitzung seines Verkehrsausschusses nun eine weitere Variante ins Spiel bringen, die bisher noch nicht in der Verlosung war – und die auf eine Machbarkeitsstudie des Verkehrswissenschaftlichen Instituts der Uni Stuttgart (VWI) und der Deutschen Bahn zurückgeht. Der Auftraggeber der Studie: der Verband Region Stuttgart.

S 8 Leonberg-Ludwigsburg

Hinter dem Vorschlag steckt die Überlegung, eine neu zu gründende S-Bahn-Linie von Leonberg auf der bestehenden Trasse nach Korntal zu führen. Danach würde es über den sogenannten Salzweg an Zuffenhausen vorbei und durch den Kornwestheimer Rangierbahnhof nach Ludwigsburg gehen. Die Prüfer schlagen zusätzliche Haltepunkte an der Strecke vor – etwa bei Porsche.

Mit der neuen Linie, Arbeitstitel S 8, verfolgt der VRS zwei Ziele: das Angebot zwischen Leonberg und Korntal zu verbessern, wo sich die Fahrgäste der S 6 in der Rushhour vorkommen, als wären sie in Sardinenbüchsen. Und andererseits eine Tangentialverbindung von Korntal nach Ludwigsburg zu schaffen, die fast ohne das Stuttgarter Stadtgebiet auskommt. Angepeilt ist zunächst ein 30-Minuten-Takt.

Die Umsetzung wäre allerdings nicht billig. Die Verfasser der Machbarkeitsstudie gehen von 14 bis 22 Millionen Euro aus, die in die Infrastruktur gebuttert werden müssten. Außerdem sind sechs S-Bahn-Fahrzeuge nötig.

Besonders interessant scheint der Abschnitt zwischen Korntal und Ludwigsburg zu sein. Hier könnte der VRS bis zu 5150 neue Fahrgäste gewinnen. Runter würde es allerdings auf den dann entlasteten Abschnitten zwischen Zuffenhausen und Korntal sowie Ludwigsburg gehen. Unter dem Strich geht die Studie von rund 4500 zusätzlichen Personenfahrten am Tag aus.

Besonders dringlich scheint den Autoren die Umsetzung der neuen S 8 nicht zu sein. Im Fazit ihres mehr als 200 Seiten dicken Werks wird sie nicht mehr genannt. Dort rücken drei andere Vorhaben in den Mittelpunkt.

S 6-Verdichterlinie

Für diese Möglichkeit sprach sich der VRS-Verkehrsdirektor Jürgen Wurmthaler bereits vor der Sommerpause aus (wir berichteten). Eine zusätzliche S-Bahn-Linie, die zwischen Weil der Stadt und Feuerbach als S 62 fahren könnte, verspricht bis zu 9000 zusätzliche Fahrgäste. Deutlich weniger wären es, wenn die neue S 62 ab Renningen oder Leonberg startet. „Ich will möglichst viele zusätzliche Fahrten bekommen“, sagt Wurmthaler.

Dafür müsste das Gleis 130 in Feuerbach ausgebaut werden. Die Autoren der Studie gehen von vier bis fünf Millionen Euro aus. „Die Verdichterlinie kann zunächst auch nur in der Hauptverkehrszeit und nur auf einem Teilabschnitt eingerichtet werden“, heißt es in dem Werk. Später komme auch eine Verlängerung der S 6 nach Calw infrage.

R 51 Markgröningen-

Ludwigsburg W&W

Dahinter verbirgt sich die Reaktivierung der Markgröninger Bahnstrecke über Möglingen und Ludwigsburg zum Finanzdienstleister Wüstenrot & Württembergische im 20-Minuten-Takt. Die Linie könnte bis zu 6400 Personenfahrten am Tag bringen, prophezeien die Experten, zwischen Möglingen und Ludwigsburg könnten es noch mehr werden.

Sie gehen davon aus, dass zehn bis 15 Millionen Euro in die Infrastruktur investiert werden müssen – etwa für einen Endhaltepunkt bei Wüstenrot. Weitere Ausgaben für die Markgröninger Bahn sind darin nicht enthalten. Realistischerweise müssten vier Regionalbahnen her. Die Kosten für die von der Stadt Ludwigsburg favorisierten Wasserstoffzüge liegen laut Verkehrsministerium bei „erheblich oberhalb von sechs Millionen Euro“.

Die Studie empfiehlt zudem, dass die Markgröninger Bahn sowohl isoliert funktionieren sollte – als auch als Zwischenschritt für ein späteres Ludwigsburger Stadtbahnnetz.

Strohgäubahn

Die Verbindung zwischen Heimerdingen und Korntal sorgt seit Jahren für Konflikte zwischen dem Kreis und dem VRS. Der Verband würde einer Verlängerung der Strohgäubahn über Korntal zu Porsche und auf den Salzweg wohl nicht im Weg stehen. Eine Strohgäubahn, die bis Feuerbach fährt, peilt der VRS aber bekanntlich nicht an – im Gegensatz zu Landrat Rainer Haas und den Bürgermeistern in Ditzingen, Hemmingen, Schwieberdingen und Korntal-Münchingen. Sie hoffen auf weitere Verhandlungen, die womöglich zu besseren Ergebnissen führen. Die nächste Runde wird heute Nachmittag im regionalen Verkehrsausschuss eingeleitet.

Philipp Schneider
10. Oktober 2018
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