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Steinheim

Nachts patrouilliert ein Wachdienst

In den kommenden Sommermonaten werden an den Wochenenden zwei externe Wachmänner durch Steinheim patrouillieren. Sie sollen in den Abendstunden und nachts an den Brennpunkten der Stadt für Ruhe und Ordnung sorgen. 10 000 Euro gab der Gemeinderat dafür frei.

„Der Begriff Brennpunkt ist vielleicht etwas hoch gegriffen“, meinte Bürgermeister Thomas Winterhalter. Bis auf den Pavillon beim Wiesenparkplatz am Wellarium, der kürzlich in Teilen in einem verbotenen Lagerfeuer landete. Aber es gebe Bereiche, in denen sich die Beschwerden und Beobachtungen häuften. Problemzone Nummer eins seien der See und der Naturspielplatz des Wohngebiets Arkadien. Hier fühlten sich die Anwohner seit Jahren wegen des Lärms in ihrer Nachtruhe gestört. Die Fronten seien mittlerweile verhärtet.

Auf Platz zwei rangiere das Schulzentrum mit den Bereichen um die Blankensteinhalle. Entgegen der Polizeiverordnung hielten sich dort Jugendliche auch nach 22 Uhr auf und würden mitgebrachten Alkohol trinken. Die Flaschen zerschmetterten auf dem Boden. Immer wieder würden die Schulleiter der Verwaltung berichten, dass der Hausmeister die Höfe morgens regelmäßig von Müll, Scherben und anderem Unrat säubern müsse.

Als weitere Partyspots der Jugend werden in der Beschlussvorlage der besagte Pavillon beim Wellarium, das Kleinspielfeld bei den Tennisplätzen, die Grundschule Höpfigheim, die Harthütte, die Grundschule Kleinbottwar, der Parkplatz an der Murrinsel, die Aussichtsplatte Burgberg oder die Sandbänke in der Murr genannt: Müll, Lärm, Graffiti, Vandalismus und Missachtung von Verboten.

Die Liste der Beschwerden ist lang. „Die Ordnungsstörungen nehmen überhand“, berichtet Ordnungsamtsleiter, Rolf Englert. Und die Betroffenen fordern von der Verwaltung Abhilfe.

„Weder der kommunale Vollzugsdienst, noch die Polizei kann in ausreichendem Maß Präsenz zeigen“, so Englert. Dazu fehle es an Personal. Außerdem würde fast immer an den Wochenenden und abends randaliert, wenn die Mitarbeiter meistens frei hätten. Diese müssten zur Sicherheit auch immer zu zweit auftreten, um Störungen rechtssicher ahnden zu können. Die Stadt habe aber nur 1,5 Stellen dafür. „Wir selbst haben kaum die Möglichkeit, zu den fraglichen Zeiten zu reagieren“, ergänzte Winterhalter. Es liege nicht am mangelnden Willen.

Auch die Polizei habe nicht die Kapazität während der kritischen Zeiten wegen derartiger Kleinigkeiten in erforderlicher Häufigkeit und Dauer mit zwei Einsatzkräften vor Ort zu sein. Kontrolle aber sei entscheidend, um die Situation in den Griff zu bekommen, meint Englert.

Deshalb der Vorschlag der Verwaltung, einen Sicherheitsdienst zu beauftragen, deren Mitarbeiter im Doppelpack Streife gehen und nach dem Rechten sehen. Sie sollen sich den Gruppen möglichst unbemerkt nähern und sie stellen. In anderen Kommunen im Landkreis habe sich das bereits bewährt, so Englert.

„Delinquenten“, „Tatort“. Die Wortwahl in der Beschlussvorlage empfindet Regina Traub von der SPD als „starken Tobak“. Jede Jugendgeneration habe doch ihre Treffpunkte. Auch wenn es heutzutage lauter und teils aggressiver zugehe, sei die Lage in Steinheim nicht außergewöhnlich gewalttätig. Sie sprach den Security-Mitarbeitern die fachliche Qualifikation ab, Situationen mit Jugendlichen zu deeskalieren. Diese Aufgabe sei bei Sozialarbeitern oder einem Streetworker besser aufgehoben. „Was soll ein Sheriff ohne Befugnisse“, fragt sich Uwe Löder von der CDU. Der Grüne Rainer Breimeier bedauert, dass der Gesellschaft die Lage entglitten sei. Eigentlich sei man gegen den Einsatz von Security. „Das klingt so nach law and order.“ Wünschenswert sei, präventiv tätig zu werden, wichtig sei aber auch, ein Signal zu senden, dass sich die Steinheimer nicht alles gefallen lassen. „Wäre denn nicht auch eine Videoüberwachung möglich“, wollte Anette Grimm von der SPD wissen. Dazu müssten an einem Ort mindestens 50 Verbrechen pro Jahr begangen worden sein, verneinte Englert.

Ein Streetworker würde die Stadtkasse finanziell überfordern, betonte Winterhalter außerdem seien Angestellte des Wachdienstes sehr wohl geschult und für ihren Job ausgebildet. Alleine über ihre Präsenz werde Wirkung erzielt. Und: „Wer über die Stränge schlägt, muss mit Nachdruck auf geltende Regeln hingewiesen werden.“

Mit 15 Ja- und sechs Nein-Stimmen bei zwei Enthaltungen wurde schließlich eine einjährige Testphase beschlossen. Danach soll geschaut werden, ob sie etwas gebracht hat.

Thomas Faulhaber
11. April 2018
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