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Remseck

Musealer Dreiklang lässt staunen

Erika Müller, die letzte Waschfrau in Neckargröningen, erhielt gestern Unterstützung von ihrer Enkelin Johanna. Die Zwölfjährige hatte sich so angezogen wie es die Frauen früher beim Waschtag getan haben. Sie trug eine Schürze und ein Tuch um das Haar. In einer große Zinkwanne hatte sie einige Wäschestücke eingeweicht, die sie mit einem Stampfer bearbeitete. Keine Frage: Bevor die elektrischen Waschmaschinen in den Haushalte Einzug gehalten haben, war das Wäschewaschen echte Knochenarbeit.

Bis zum Jahr 1992 war das heutige Museum das Reich von Erika Müller: Sie hat dort in großen Industriemaschinen die Wäsche von Menschen aus dem Stadtteil gewaschen. „Alle Leute kamen hier zusammen, man hat immer Neues erfahren“, erinnert sie sich noch gerne an die Zeit. Nicht nur die alten Gerätschaften sind geblieben und können noch heute bestaunt werden. Erika Müller hat im Laufe der Jahre zahlreiche Exponate rund um die Wäsche und das Waschen zusammen getragen. Waschpulver, das heute längst nicht mehr im Handel ist, präsentiert sie ebenso wie Waschbretter, historische Bügeleisen und nostalgische Wäschestücke. „Das ist eine Stehbrunzhose für Frauen“, erklärte Erika Müller. Das Kleidungsstück wird am Rücken wie eine Schürze gebunden und zwischen den Beinen geöffnet. Ideal also für gewisse Verrichtungen. Das Alte Waschhaus ist nur an wenigen Tagen im Jahr geöffnet. Wenn im nächsten Jahr die Remstal Gartenschau stattfindet, soll sich das ändern. Das Museum hat dann einmal im Monat geöffnet.

Wie einen Schatz hütet Helga Schlieter, die gestern die Besucher in der Historischen Ölmühle empfing und dort Führungen anbot, eine grünliche Flasche mit einer trüben Flüssigkeit. „Darin befindet sich Mohnöl, das im Jahr 1968 abgefüllt wurde“, so Helga Schlieter. Anlässlich des Museumstages hatte sie sich wie eine Bauersfrau aus dem 19. Jahrhundert verkleidet, um die Zeitreise perfekt zu machen. Das Öl, so erzählte die Expertin, stammt aus der letzten Pressung, die in der Ölmühle durchgeführt wurde. Vor 49 Jahren wurde diese still gelegt. Im Original erhalten geblieben sind die Maschinen, die für diesen komplexen Vorgang nötig waren. Im Jahr 1779 ist die Ölmühle entstanden und war 189 Jahre in Betrieb. Genutzt wurde sie nur saisonal, wenn die Ölfrüchte wie Walnüsse, Mohn und Raps reif waren, erfuhren die Besucher von Helga Schlieter. Bei der dicken, mittlerweile fast versteinerten Schicht auf dem Boden handelt es sich um eingetrocknete Ölreste, hat sie heraus gefunden. Auf dem Boden ist noch deutlich zu erkennen, wo das Ölgäule bis zur Elektrifizierung im Jahr 1910 seine Kreise gedreht hat, um die Mühle anzutreiben. Auch wenn das Tier draußen auf die Weide kam, soll es im Kreis gelaufen sein. Das historische Gebäude befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie Ege, ist aber an die Stadt verpachtet.

Den musealen Dreiklang perfekt machte der Besuch der 350 Jahre alten Schmiede. Sie ist noch vollständig mit Esse, Amboss, Vorschlaghammern, Schmiedezangen, Werkbank und Feuerschraubstock eingerichtet. Hier stand Werner Kuhn für Fragen zur Verfügung. Kai Buschmann bot bei seinen Führungen über den Jüdischen Friedhof in Hochberg interessante Einblicke in das jüdische Leben Hochbergs und die Friedhofskultur.

Marion Blum
13. Mai 2018
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