Sonntag, 22.10.2017, 19:16 Uhr
keine Daten 10 °C
Eglosheim

Mooswände im Miniaturformat

„Was jetzt kommt, ist etwas ganz anderes, als wir besprochen haben“, sagt Sabine Laartz. Die Sprecherin der im Mai 2016 gegründeten AG Lärm und Mobilität Eglosheim (Lume) ist in Sachen Verkehr und Lärm in Eglosheim leiderfahren, doch angesichts der aktuellen Informationen über Mooswände an der B 27 ist die Enttäuschung groß. Aus den ursprünglichen Plänen der Eglosheimer AG Grün, grüne Wände entlang der B 27 aufzustellen, um zumindest den Schallschutz zu testen und ein Beispiel für eine Begrünung zu geben (wir berichteten), sei ein Projekt der Stadt mit dem Baukonzern Züblin geworden – und es würden nur vier einzelne Testwände mit gerade einmal einem Meter Breite und 2,50 Metern Höhe pro Wand aufgestellt. „Da gibt es kaum einen Partikel weniger Feinstaub in der Luft“, kritisiert Lume-Mitglied Beate Mitschele.

Seit Jahren kämpfen die Eglosheimer vergeblich darum, die Lärm- und Feinstaubbelastung an der B 27 zu reduzieren. Die einstmals geplante Untertunnelung der Frankfurter Straße ist längst gestorben. Einen Flüsterasphalt für die viel befahrene Straße hat der Gemeinderat zwar mit Priorität versehen, der Belag wurde aber immer wieder verschoben und ist bis heute nicht in Sicht. Tempo 30 zumindest nachts scheiterte bisher an den Anforderungen des Regierungspräsidiums für die Genehmigung. Die grünen Wände blieben als letztes Mittel – und werden jetzt rein als wissenschaftliches Forschungsprojekt installiert. Auch das dauerte: Für das Frühjahr angekündigt, hatte sich der Termin weiter verschoben, weil es bis dato dauerte, bis Züblin die Freigabe für Fördergelder bekommen hatte. Jetzt ist es nach LKZ-Informationen so weit: Noch in diesem Monat sollen die vier Einzelstücke aufgestellt werden.

Bei dem Forschungsprojekt MoosTex handelt es sich laut Beschreibung der Firma Züblin um Testwände, die mit ihrem Fundament so tief eingegraben werden, dass die Wände bündig mit dem Boden abschließen. Die Moosmodule werden auf querliegenden Schienen eingeschoben, geplant ist die Züchtung verschiedener Moose, um die ideale Mischung zu erreichen. Die Hoffnung: Mit seinen bis zu fünf Millionen winzigen Blättchen pro Quadratmeter soll das Moos Feinstaub einfangen und zu Biomasse verarbeiten. Züblin ist auch an der Mooswand beteiligt, die bereits am Stuttgarter Neckartor getestet wird – dort allerdings auf einer Länge von 100 Metern.

So schön es die Lume AG mit Sabine Laartz findet, dass Eglosheim aufgrund seiner hohen Feinstaubbelastung für einen Test auserwählt wurde und wenigstens irgendetwas passiert: „Die Module sollen drei Jahre für die Forschung stehen, aber keiner weiß, ob daraus langfristig etwas wird.“ Die Vorsicht ist angebracht. Bei einem ähnlichen Projekt, den grün bewachsenen Wänden, wie sie die Stadt im Rathaushof testet, ist eine weitere Entwicklung in Ludwigsburg gestoppt worden. Dem Gemeinderat wurde das Ganze zu teuer, der Nutzen schien den Politikern angesichts der Kosten nicht ausreichend gesichert.

Mehr zum Thema in der Ludwigsburger Kreiszeitung, die Sie unter unseren Abo-Angeboten kennenlernen können

Ob überhaupt und wie viel der jetzt anstehende Test mit Mooswänden in Eglosheim die Stadt kosten wird, ist nicht bekannt. Die Verwaltung war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Ziel des Projekts in Zusammenarbeit mit dem Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf, der Helix Pflanzen GmbH und der Stuttgarter Züblin AG ist es, eine mit Moosen besiedelte textile Funktionsstruktur zu entwickeln, die in die Paneele eingeschoben wird, um die Wirkung auf den Feinstaub zu testen. Die Paneele werden bewässert und sollen gleichzeitig als Schallschutz dienen. In Eglosheim sei dieser Nebeneffekt bei einem Meter Breite nicht vorhanden, so Laartz.

Sie macht sich sarkastisch auf die Suche nach Positivem: „Wenigstens müssen wir uns bei den Ausmaßen über Sichtprobleme der Anwohner keine Sorgen machen.“ Lange habe man keinerlei Informationen über das Forschungsprojekts gesehen. Eine längere Mauer, so die Lume-Sprecherin, hätte neben dem Schallschutz auch einen psychologischen Effekt auf die Eglosheimer gehabt: „Sie hätten gesehen, hier tut sich endlich was.“ So aber „steht mal wieder alles in den Sternen“.

von janna werner
05. Oktober 2017
Impressum | Datenschutz