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Ludwigsburg

Mit Scannerblick durch die Menge

Immer wieder werden die beiden Polizeibeamten von Passanten angesprochen. Viele Menschen sind dankbar für den Einsatz.Foto: Oliver Bürkle

Wenn Anika Schulze und Uwe Schreck über den Weihnachtsmarkt gehen, haben sie keinen Blick für das Angebot an den Ständen. Die beiden Polizisten richten ihre Aufmerksamkeit auf ganz andere Dinge. „Wir schauen nach rechts und links, achten auf das Geschehen zwischen den Ständen“, erklärt Uwe Schreck, der auf 36 Dienstjahre zurückblickt. Verhält sich jemand auffällig? Drückt sich ein potenzieller Taschendieb herum und peilt die Lage? Derzeit sind Polizeibeamte regelmäßig in der Innenstadt und auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs.

Auf der anderen Seite werden auch sie beachtet. Dass sie durch ihre Uniform sofort ins Auge fallen, ist durchaus gewollt. „Die Bürger sollen sehen, dass die Polizei präsent ist“, betont Uwe Schreck. Es bleibt aber nicht beim Augenkontakt: Immer wieder sprechen Menschen die Frau und den Mann in Uniform an. „Wo geht’s denn hier zum Rossknecht?“, will ein Mann wissen – und erhält prompt die gewünschte Wegbeschreibung. Zwei ältere Damen, die mit einer Busgruppe aus Heidenheim angereist sind, suchen einen ganz bestimmten Stand, an dem eine ganz bestimmte Brotsorte verkauft wird. Auch hier kann der Polizist den richtigen Tipp geben.

Auch die Händler werden bedrängt

Kurze Zeit später spricht ihn ein Stadtbetreiber an. Aufgeregt erzählt dieser, dass er morgens auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt von drei Männern bedrängt worden sei. Mit Müh und Not habe er sich in die Wilhelmgalerie retten können. Anschließend habe er festgestellt, dass der Reißverschluss an seinem Rucksack, in dem er abends seine Tageseinnahmen transportiert, geöffnet gewesen sei. Gefehlt habe glücklicherweise nichts. Uwe Schreck rät dem Mann, den Rucksack lieber vor dem Körper zu tragen, besonders wenn sich Wertsachen darin befinden.

„Bisher ist bei der Ludwigsburger Polizei kein Fall von Taschendiebstahl angezeigt worden“, betont Anika Schulze. Ob es auswärtige Besucher gebe, die erst nach ihrer Heimkehr bemerkt haben, dass sie auf dem Weihnachtsmarkt Opfer von Taschendieben geworden sind, werde erst mit einigen Tagen Verzögerung von auswärtigen Polizeidienststellen übermittelt.

Damit es erst gar nicht soweit kommt, sprechen ihr Kollege und sie durchaus Weihnachtsmarktbesucher an, die ihrer Meinung nach ihre Handtasche oder den Rucksack mit einer gewissen Leichtfertigkeit handhaben. Taschen sollten immer verschlossen sein und nach Möglichkeit eng am Körper getragen werden.

Ihr Augenmerk richten die Beamten aber auch auf Besucher, die zu viel Alkohol getrunken haben und aus der Rolle fallen. Am frühen Freitagabend ist das allerdings nicht der Fall.

„Guck mal, die machen einen Betriebsausflug in Uniform“, ruft ein Mann unüberhörbar, als Nadine Schulz und Uwe Schreck vorüber gehen. Die Beiden nehmen solche Sprüche mit Gelassenheit. Für Schreck handelt es sich um den Versuch, Kontakt aufzunehmen. Bemerkungen wie diese sind für ihn ein Zeichen der Hilflosigkeit.

Doch auch wenn der Gang über dem Weihnachtsmarkt für Außenstehende wie ein Spaziergang wirken mag, die Konzentration ist den beiden Beamten deutlich anzumerken. Immer wieder lassen sie ihre Blicke schweifen. Selbst wenn sie privat unterwegs sei, könne sie den Polizeiblick nicht ablegen, sagte Anika Schulze, die seit sieben Jahren bei der Behörde tätig ist. „Meine Freunde und meine Familie sagen immer, dass ich mich entspannen soll“, erzählt sie und lacht.

Weiter geht es an dem Stand der Jugendfarm vorbei, der zu dieser Zeit schon recht gut besucht ist. Der neue Standort an der katholischen Kirche scheint mittlerweile angenommen zu werden. „Ist alles okay?“, fragt Uwe Schreck den Mitarbeiter des privaten Sicherheitsdienstes, der an der Eberhardstraße nach dem Rechten schaut. „Die Leute fragen mich nach Parkplätzen“, berichtet dieser. „Die sollen die Parkhäuser anfahren“, lautet der Ratschlag des Beamten.

Passanten werden immer aufmerksamer

Wieder auf dem Marktplatz angekommen, spricht eine Frau mittleren Alters die beiden Polizisten an, bedankt sich, drückt ihnen die Hand und wünscht alles Gute. „Das erleben wir immer wieder“, so Schreck. Auch Anika Schulze findet, dass der Einsatz auf dem Weihnachtsmarkt zu den schönen Aufgaben gehört. „Ich war vorher im Streifendienst tätig, da freut sich in der Regel niemand“, erzählt sie.

Die vielen positiven Reaktionen zeigen ihr, dass die Anwesenheit der Polizei auf dem Weihnachtsmarkt durchweg als positiv wahrgenommen wird. Spürbar ist aber auch eine erhöhte Aufmerksamkeit: Uwe Schreck berichtet von einigen Besuchern, denen vor einigen Tagen ein Mann aufgefallen war, der eine Gasflasche auf einem Trolly dabei hatte. Dass er den Behälter abgedeckt hatte, sorgte für zusätzliche Skepsis. Sie wandten sich an die Polizei. Bei einer Überprüfung stellte sich heraus, dass es sich bei dem Mann um einen Luftballonverkäufer handelte und die Flasche mit Helium gefüllt war.

Marion Blum
03. Dezember 2017
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