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LUDWIGSBURG

Marstall-Center: Es geht um alles oder nichts

Schafft das Marstall-Center noch in diesem Jahr den Sprung in eine bessere Zukunft?

Nur noch wenige Tage hat sich die Stadtverwaltung Zeit gegeben, dann muss beim Thema Marstall-Center Klarheit herrschen. Die erst vor wenigen Wochen eigens für die Verhandlungen gegründete städtische Tochter „Untere Stadt Ludwigsburg GmbH“ arbeitet mit Hochtouren daran, auch die letzten der 21 Eigentümer von Ladenflächen zum Verkaufen zu bewegen.

„Der aktuelle Stand ist, dass zwei der drei großen Fondsgesellschaften bereits unterschrieben haben und auch mit der dritten sind wir uns einig“, sagt Oberbürgermeister Werner Spec. Von den 18 Besitzern kleinerer Flächen haben bereits 15 ihre Verkaufsbereitschaft vertraglich besiegelt. Mit den letzten drei sind die Verhandlungen noch offen.

„Wir sind zuversichtlich, dass es eine Chance gibt, auch noch die letzten Verkaufsverträge unter Dach und Fach zu bringen“, äußert sich Spec vorsichtig. Noch gibt es keine Sicherheit. „Ein Scheitern können wir nicht ausschließen.“

Die Stadt hatte die „Untere Stadt Ludwigsburg GmbH“ gegründet, um selbst aktiv in die Verhandlungen eingreifen zu können. Seit dem Auszug von Karstadt im März 2010, war es mit dem einst florierenden Innenstadt-Center immer weiter bergab gegangen. Mittlerweile stehen fast alle Läden leer. Zuletzt hat auch noch die Kreissparkasse die Passage verlassen und ihre Filiale an den Holzmarkt verlegt. Auch das Modegeschäft Litke wird demnächst schließen.

Da sich die 21 Eigentümer von Ladenflächen in den vergangenen Jahren nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen konnten, hat die Stadt die Initiative ergriffen. Unter anderem hat sie vor einigen Jahren Pläne erstellen lassen, wie das Marstall-Center für mindestens 20 Millionen Euro in ein modernes Einkaufszentrum umgebaut werden könnte.

Spec ist nach wie vor davon überzeugt, dass dies gelingen kann. Allerdings: „Erst, wenn alle Eigentümer verkaufsbereit sind, können wir auch konkrete Verhandlungen mit Investoren führen“, so Spec. Das Einkaufszentrum hat in den vergangenen Jahren viel an Boden verloren. Die Kundenströme in die Untere Stadt sind abgerissen. Das Marstall-Center hat sein gesamtes Umfeld mit in die Krise gezogen. In Branchenkreisen wird das Center unter der Kennung „Dead Mall“ – Tote Einkaufspassage – geführt.

Trotzdem dürfte es auch heute noch Investoren und Betreiber geben, die sich für das Center interessieren – vorausgesetzt sie erhalten Zugriff auf die gesamte Passage. Der Großraum Stuttgart zählt zu den wohlhabendsten Regionen Deutschlands. Überall im Umkreis werden neue Innenstadt-Center eröffnet. Zudem hat der Gemeinderat erst vor kurzem einen Ausbau des Breuningerlandes verhindert. Unter anderem wurde dies mit der schwierigen Situation im Marstall-Center begründet. Und die Wilhelmgalerie hat gezeigt, dass neben dem Breuningerland auch ein Innenstadt-Center in Ludwigsburg funktionieren kann.

Offen ist bislang, mit welchem Konzept ein künftiger Betreiber ins Rennen gehen würde. Hat das Marstall-Center eine Zukunft als Billig-Kaufhaus oder als eher gediegene Adresse vor sich. Der Stadtverwaltung und vielen Stadträten wäre natürlich ein Center mit renommierten Marken und Anbietern lieber. Von manchen Branchenkennern war in den vergangenen Jahren hingegen die Variante als Billig-Kaufhaus vorgeschlagen worden.

Wie auch immer, zuerst müssen die letzten Verkaufsgespräche erfolgreich beendet werden. Von der großen Tristesse ist seit der Initiative der Stadt aber nicht mehr viel zu spüren. Es zeigt sich verhaltener Optimismus bei Stadträten und im Marstall-Center selbst. Zu zuversichtlich will sich derzeit aber niemand äußern. Denn die letzten unentschlossenen Eigentümer können die großen Zukunftspläne noch immer zunichtemachen.

Christian Walf
27. Juli 2012
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