Montag, 19.11.2018, 18:55 Uhr
keine Daten 4 °C
Ludwigsburg

Mammutprojekt in den Startlöchern

Die Diskussionen um die Neugestaltung des schadstoffbelasteten Bildungszentrums West waren von Leidenschaft und großem Respekt geprägt. Kein Wunder, ist dieses Bauvorhaben durchaus ein Jahrhundertprojekt: Auf einem Carré von 90 000 Quadratmetern müssen auf einem 15 000-Quadratmeter-Campus zwei Schulen, Abendrealschule, VHS, eine Bibliothek, eine multifunktionale Mensa und Ganztag in drei neuen Gebäuden untergebracht werden. Auch Stadtteil und Vereine sollen von der Mensa als Veranstaltungsraum profitieren. Hinzu kommt der laufende Schulbetrieb: Mit einem ausgeklügelten Umzugssystem wird verhindert, dass Container aufgestellt werden.

Und auch die Kosten sind einzigartig. Erster Bürgermeister Konrad Seigfried sprach gestern bei der Vorstellung des Siegerentwurfs erstmals laut von 80 bis 100 Millionen Euro Kosten, angesichts der aufgeheizten Baukonjunktur allerdings mit Luft nach oben. Wenn alles nach Plan läuft, wird die Bauzeit immerhin sechs Jahre dauern, von 2022 bis 2028.

Generalübernehmer für den Bau

Weil die Stadt mit der Baubegleitung an den Rand ihrer Kapazitäten käme, soll von Bau bis Fertigstellung ein Generalübernehmer zum Zug kommen, um die Kosten im Rahmen zu halten. Nach dem Sieg des Büros h4a Gessert + Randecker Generalplaner GmbH geht es mit den drei Siegerentwürfen in das Verhandlungsverfahren. Im November sollen die Gremien entscheiden, dann folgt die Planungsphase.

Alle Gebäude sollen auf vier Stockwerken in sogenannter Hybridbauweise entstehen – die Stahlträger werden durch vorgefertigte Holzkonstruktionen ergänzt, allein die Decken tragen wegen des Brandschutzes Beton. Auch die Fassaden sind aus Holz. Altlasten aus der Kasernenzeit und danach werden laut Mathias Weißer, Fachbereichsleiter Hochbau und Gebäudewirtschaft, nur wenige erwartet.

Weißer begründete den ersten Preis auch mit „dem würdevollen Umgang“ mit den denkmalgeschützten Kasernenteilen und lobte die Parallelität fast nach historischem Vorbild. Seine Stellvertreterin Gabriele Barnert sprach von einer „super Arbeit“. „Zwischen der ruhigen Geometrie der Einzelkörper, der Anordnung der einzelnen Gebäude und der Freiräume entsteht ein spannungsvoller Dialog“, heißt es in der Erläuterung.

Man wolle nicht „die Schultypologien“ bemühen, sondern „eine Lernatmosphäre erzeugen“ – mit Clustern statt einzeln gedachter Klassenräume und extensiven Frei- und Aufenthaltsräumen. Dies betonte Martin Gessert von h4a: „Die Schule wird als Zuhause begriffen.“ In zehn Jahren sollen statt derzeit 2000 dann 2500 Schüler Platz finden. Der Innenhof schließt an ein Sportband mit Bewegungsparcours im Außenbereich an. Die zweigliedrige Halle wird durch zwei neue ergänzt, eine davon für die BSG Basket und BG Ludwigsburg.

„Das wird spannend“

Nicht umsonst war der Schulleiter des Otto-Hahn-Gymnasiums, Matthias Hilbert, in Sektlaune, spielt das Sportprofil seiner Talentschule im neuen Campus doch eine große Rolle. „Das wird spannend“, freute er sich, mahnte aber in Richtung Architekten, im Dialog zu bleiben. Seit 2015 war die Verwaltung mit allen Beteiligten im Gespräch. Dies werde auch weiter so bleiben, sagte Barnert.

info: Die Ausstellung der Entwürfe im Bildungszentrum West (in den Räumen B0008 und B0009 im Gang zwischen Gymnasium und Realschule) ist montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr zu sehen und läuft bis zum letzten Schultag am 25. Juli.

von janna werner
09. Juli 2018
Impressum | Datenschutz