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Ludwigsburg

Lichterglanz, Diebstahl und Blüten

Echt oder falsch? Die Polizei informiert Standbetreiber auf dem Weihnachtsmarkt, worauf sie achten müssen. Foto: Oliver Bürkle

Auf dem Weihnachtsmarkt haben nicht nur klingende Glöckchen und Lichterglanz, sondern auch Falschgeld und Diebstahl Hochkonjunktur. Uniformierte Polizisten und Kriminalbeamte sind regelmäßig vor Ort und raten Standbetreibern sowie den Besuchern, worauf sie achten sollen – diese loben die Polizeipräsenz.

Die in der Prävention tätigen Polizisten Karin Stark, Uwe Schreck und Heinrich Schaefer sensibilisieren bei ihrem Rundgang für Situationen, in denen Diebe leichtes Spiel haben. Wenn der Besucher beispielsweise den Geldbeutel zückt, um seinen Glühwein oder einen Geschenkartikel zu bezahlen. Ein kurzes Ablenkungsmanöver, und schon ist das Portemonnaie weg und mit ihm im schlimmsten Fall nicht nur sämtliches Bargeld, sondern auch Bankkarten, Ausweis und Führerschein.

„Die Täter sind nie alleine unterwegs“, sagt Karin Stark. Diebstahl sei nämlich Teamarbeit. Einer lenke ab, der zweite greife zu und gebe die Beute an einen Dritten weiter, der damit verschwinde. Den Tätern sei somit schwer nachzukommen, Prävention deshalb um so wichtiger. „Wir sagen den Besuchern auch immer, dass sie auf ihren Geldbeutel aufpassen sollen,“ versichert eine Standbetreiberin, die ihren aufgereihten Bernsteinschmuck immer im Blick hat. Sie sehe sofort, wenn etwas fehlt, betont sie.

Die Ringe sind dabei hinten platziert, denn gerade kleine Schmuckstücke, die schnell in der Jackentasche verschwinden, gelten als begehrte Diebesbeute, so ihre Erfahrung. Bei Hochbetrieb stellt sie eine Sperre aus Plexiglas auf, dann könne auch nicht so schnell etwas vom Tisch genommen werden, sagt sie. Ihre Nachbarin lockt mit Kerzen und hübschen Dekorationen, die beiden Frauen schauen aufeinander. Sicherheit geht vor.

Am Stand mit den handgefertigten Bürsten sind ebenfalls richtige Schätze darunter, beispielsweise hochwertige Rasierpinsel aus Dachshaar. Auch die seien bei Dieben begehrt, wie die Verkäuferin berichtet. Sie wird von den Beamten aufmerksam gemacht, dass sie ihre Kunden ebenfalls vor allzu sorglosem Umgang mit dem Geldbeutel warnen soll. Der Betreiber des Standes für Schuhe und Handschuhe aus warmem Lammfell ist ein alter Hase im Geschäft. „Wir sind Profis“, sagt er. Da an seinem Stand auch größere Beträge bezahlt werden, verfügt er über ein EC- und Kreditkartenterminal.

Genauso wie der Verkäufer von Holzkunst aus dem Erzgebirge. Für diese Anbieter, die den Verkauf auf Märkten zum Beruf gemacht haben, lohnt sich eine solche Anschaffung. „Die Jüngeren zahlen häufiger mit Karten, die Älteren am liebsten bar“, berichtet der Verkäufer von Schwibbögen und Weihnachtspyramiden. Er bekommt Besuch von den Kriminalbeamten Julia Blessing und Harald Dotzauer. Die haben einige Geldscheine dabei, doch nicht alle sind echt. Kann der Standbetreiber den Unterschied erkennen? Er prüft die Scheine genau und streicht mit den Fingern über das Papier, aber nicht alle falschen erkennt er. Die Blüten sind gut gemacht, doch es gibt einen wichtigen Unterschied, auf den die Kriminalbeamten sogleich aufmerksam machen. Es handelt sich um den Kippeffekt, über den jetzt alle neuen Euroscheine, ob Fünfer oder Fünfziger, verfügen. Im Klartext: Wird der Schein beim Betrachten etwas gekippt, ist bei der Wertzahl unten links ein Farbverlauf zu sehen. Und dieser Farbverlauf ist laut Dotzauer ein deutliches Sicherheitsmerkmal, das könnten die Geldfälscher nicht nachmachen.

Die Betreiber der Bewirtungsstände müssen derweil nicht nur darauf achten, dass die Rostbratwürste auf dem Grill perfekt werden, sondern dass auch die Geldscheine, mit denen die Kunden bezahlen, echt sind. Bei Hochbetrieb eine Herausforderung, und so gehen bisweilen Blüten über den Tresen.

„Wir haben in den letzten Jahren schon falsche Fünfziger und Zwanziger angedreht bekommen“, erzählt eine Frau, die einen Stand betreibt. Sie passt auf, dass das bei aller Hektik möglichst nicht passiert. Dotzauer rät zum Kauf eines automatischen Geldscheinprüfgeräts, das es schon für rund 100 Euro zu kaufen gebe. Wichtig dabei: Es sollte jederzeit ein Software-Update möglich sein. UV-Lampe oder Prüfstift seien hingegen nicht so zuverlässig, betont der Kriminalbeamte.

Angelika Baumeister
30. November 2017
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