Samstag, 20.10.2018, 22:09 Uhr
keine Daten 16 °C
Bietigheim-Bissingen

Kurzenberger stellt Betrieb ein

Die traditionsreiche Spedition Kurzenberger gibt nach ihrer Insolvenz den Stammsitz in Bietigheim-Bissingen auf.Foto: Jürgen Schmidt

Die Spedition Kurzenberger wird es zukünftig in der bisherigen Form nicht mehr geben. Der Hauptsitz des Traditionsunternehmens in Bietigheim-Bissingen soll bald geschlossen werden, nachdem für den Spediteur vor wenigen Tagen das Insolvenzverfahren eröffnet worden ist. Das kündigte der Insolvenzverwalter Gordon Rapp auf Anfrage an. Weitergeführt werden soll dagegen der Standort im hessischen Dautphetal bei Marburg.

Das Unternehmen hatte nach Angaben des Heidelberger Rechtsanwaltes zuletzt rund 80 fest angestellte Mitarbeiter. Im letzten veröffentlichten Geschäftsbericht für das Jahr 2016 hatte Kurzenberger noch von 160 Beschäftigten gesprochen.

Von den 80 Arbeitnehmern seien bislang rund 30 freigestellt, so der Insolvenzverwalter. Das betrifft vor allem Fahrer und Lagerarbeiter, wie der Stuttgarter Rechtsanwalt Ewald Bartl erklärte, der die Interessen der Arbeitnehmer im Auftrag der Gewerkschaft Verdi vertritt. Was mit den Mitarbeitern in Verwaltung und Disposition wird, ist derzeit offenbar noch nicht geklärt. Diese Bereiche befanden sich bisher am Stammsitz in Bietigheim. Bartl hofft, dass diese Beschäftigten noch einige Zeit in Bietigheim weiterarbeiten können. Der Insolvenzverwalter hält es für nicht ausgeschlossen, dass einigen Mitarbeitern Arbeitsplätze in Dautphetal angeboten werden können. Das liegt allerdings fast 300 Kilometer von Bietigheim-Bissingen entfernt.

Das operative Geschäft am Kurzenberger-Hauptsitz wird auf jeden Fall bald Geschichte sein. „Der Standort Bietigheim wird in den nächsten vier Wochen komplett abgewickelt“, sagte Insolvenzverwalter Gordon Rapp.

Ob und in welchem Umfang die betroffenen Mitarbeiter mit einer sozialen Abfederung ihrer Lage rechnen können, ist derzeit noch offen. Verhandlungen über einen Interessensausgleich haben bislang noch nicht stattgefunden, wie die Arbeitnehmerseite ebenso wie der Insolvenzverwalter bestätigten. Viel Spielraum lasse die Rechtslage allerdings gar nicht zu, dämpfte Bartl mögliche Erwartungen. Von Vorteil für die Kurzenberger-Mitarbeiter sei lediglich, dass es auf dem Arbeitsmarkt in der Region derzeit gute Chancen für Fahrer und Fachkräfte aus der Logistik gebe, so der Stuttgarter Arbeitsrechtsexperte.

Die Pleite von Kurzenberger kommt aus Arbeitnehmersicht nicht völlig überraschend. Das Unternehmen habe sich schon zuvor in Eigenverwaltung sanieren wollen, so Bartl.

Kurzenberger wurde der Unternehmenshomepage zufolge vor über 80 Jahren als Spedition für Neumöbel in Steinheim/Murr gegründet. In der jüngeren Zeit hatte sich der Logistiker vor allem auf „sensible und wenig bis unverpackte Güter“ vor allem aus der Sanitärbranche konzentriert.

Jürgen Schmidt
08. Mai 2018
Impressum | Datenschutz