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Kurswechsel: Kein Stern mehr am Monrepos

Die Gutsschenke des Schlosshotels Monrepos will mit neuem Konzept ihre Gäste überzeugen.Archivfoto: Oliver Bürkle

Die Hotelierfamilie Finkbeiner, die seit Ende 2013 Pächter des Schlosshotels Monrepos ist, kennt sich mit Sternen aus. Ihnen gehört die traditionsreiche Traube Tonbach in Baiersbronn, zu der das mit drei Michelin-Sternen dekorierte Restaurant Schwarzwaldstube gehört. Als die Finkbeiners das Monrepos übernahmen, war der Anspruch vor allem an die Gastronomie hoch. Es war kein Geheimnis: Ein Stern sollte her.

2016 war es dann so weit: Küchenchef Ben Benasr holte für die Gutsschenke die begehrte Auszeichnung, den Michelin-Stern. Die Begeisterung war groß, und Heiner Finkbeiner merkte an, dass man mit Benasr noch mehr vorhabe. Da schwang die Erwartung an einen zweiten Stern mit.

Umso überraschender ist der jetzige Kurswechsel. „Wir haben festgestellt, dass von Kundenseite her mehr auf das Regionale gesetzt wird“, sagt Felix Sommerrock, der seit März dieses Jahres neuer Hoteldirektor am Monrepos ist. Morgen geht die Gutsschenke nach der Sommerpause wieder an den Start – mit einer neuen Speisekarte. Da wird es dann Maultaschen, Kalbsrahmschnitzel und Käsespätzle geben ebenso wie Hohenloher Rinderfilet in Pfefferkruste oder Gebratenes Steinbeißerfilet mit Flusskrebsschwänzen. Kein Gericht auf der Karte durchbricht die Schallmauer von 30 Euro. „Es ist eine Mischung aus eher traditionellen regionalen Gerichten und solchen, die wir modern interpretieren“, sagt Sommerrock und nennt als Beispiel die lauwarmen Pralinen vom gekochten Kalbskopf.

Der Hoteldirektor gibt sich offen: „Wir wollen, dass die Gäste wieder nach Monrepos kommen.“ Der Stern sei eine „Hemmschwelle“ für viele Gäste gewesen. Gerade weil der Monrepos für viele Menschen ein Ausflugsziel sei, wolle man dem auch gastronomisch wieder entsprechen. „Es wird in etwa wieder so wie zu Neises-Zeiten“, meint Sommerrock und erinnert an den langjährigen Patron Harry Neises. Er war nach 35 Dienstjahren in den Ruhestand getreten.

„Vielleicht wäre der zweite Stern möglich gewesen. Aber das ist jetzt eine ganz bewusste Entscheidung“, so der Hoteldirektor. Und die werde sowohl von der Familie Finkbeiner als auch vom Eigentümer, der Hofkammer des Hauses Württemberg, getragen. „Da stehen alle dahinter.“ Schon jetzt werde die Gartenwirtschaft sehr gut angenommen. Hier holen sich die Gäste ihr Radler oder ihren Flammkuchen selbst. Gegessen wird an rustikalen Holzbänken.

Auch das Hotelrestaurant wird nun für das Publikum geöffnet. „Wir wollen dort vor allem Steaks, Burger und kleine Snacks anbieten.“

Ben Benasr hat die Gutsschenke vor Kurzem auf eigenen Wunsch verlassen und wird laut Sommerrock nach Frankreich gehen. Denn mit der neuen Ausrichtung ist klar, dass man sich damit vom Projekt „Michelin-Stern“ verabschiedet hat. Neuer Küchenchef ist Tobias Langer, der zuvor schon für die Hotelgastronomie sowie das Catering verantwortlich war. Nun nimmt er also auch die Gutsschenke unter seine Fittiche. „Er ist einer der Besten, den ich kenne“, sagt Sommerrock.

Mit der Neuausrichtung der Gutsschenke wird sich die Zahl der Sterne-Restaurants im Landkreis auf drei reduzieren. Halten alle ihr hohes Niveau, dann sind es der Adler Asperg, das Maerz&Maerz in Bietigheim sowie das Lamm in Vaihingen-Roßwag. Der neue Michelin-Führer wird im November veröffentlicht.

„Man hat als Hoteldirektor schönere Dinge zu tun, als ein Sternelokal zu schließen. Aber wir freuen uns sehr auf das, was kommt“, sagt Felix Sommerrock.

Julia Essich-Föll
10. September 2018
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