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Irgendwo

Kunde greift lieber zum Pappbecher

Vor kurzem hat das Europäische Parlament ein Verbot von Plastik-Wegwerfprodukten beschlossen. Damit soll insbesondere die Verschmutzung der Ozeane eingedämmt werden. In Deutschland werden laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen pro Person jedes Jahr 60 Einwegbecher für Heißgetränke verwendet. Für die Stadt Ludwigsburg bedeutet das über eine halbe Million Becher pro Jahr.

Diese Menge an Einwegmüll zu vermeiden war Ziel, als man sich im September vergangenen Jahres an Recup beteiligte. Das System funktioniert einfach: Wer sich einen Kaffee zum Mitnehmen kauft, bekommt gegen einen Euro Pfand einen Mehrwegbecher. Der Becher kann bei allen teilnehmenden Händlern abgegeben oder wieder aufgefüllt werden – und das im gesamten Bundesgebiet. Inzwischen beteiligen sich in Ludwigsburg elf Partner mit insgesamt zwölf Standorten an Recup, unter anderem auch in der Cafeteria des Klinikums.

Die Euphorie ist verflogen

Die Bäckerei Rechkemmer ist von Anfang an dabei. „Das System kommt schwer in Gang“, sagt Thomas Rechkemmer. Er habe schon überlegt, bei Recup wieder auszusteigen, „aber unsere Filiale in der Schorndorfer Straße muss Becher nachbestellen, da läuft es gut, also werden wir auch hier am Kaffeeberg weitermachen.“ Maximal drei Kunden zählt er am Stammsitz der Bäckerei, die den Pfandbecher nutzen. „Dabei fragen wir immer nach, wenn jemand einen Kaffee zum Mitnehmen bestellt.“

Die Bequemlichkeit der Kunden ist offenbar die größte Hürde. Einmal benutzt, fliegt der Einweg-Pappbecher in den Müll. Einen Pfandbecher trägt man mit sich herum. „Den steckt man nicht in die Handtasche“, so Rechkemmer.

Auch im Ratskeller liegen die Pfandbecher bleischwer im Regal. „Die meisten wollen den Pappbecher“, heißt es dort. Positive Erfahrung macht Rebecca Wawzyniak vom Bubbles-Café. „Mehr als die Hälfte unserer Kunden nehmen den Recup. Ich finde das klasse.“ Sie überlege schon, ob sie die Pappbecher nicht ganz aus dem Sortiment verbannen soll. Aber noch gibt es sie. „Was ich nicht verstehe, ist, dass die meisten auch noch einen Plastikdeckel auf ihren Pappbecher haben wollen.“ Auch im Bubbles frage man jeden Kunden, ob er einen Pfandbecher nehmen möchte. „Viele wissen noch nicht, was Recup ist, und sind dann ganz begeistert, wenn wir es erklären.“

Bei Café Lutz am Marktplatz stehen die Recup-Becher auf der Ladentheke. Wer einen Kaffee bestellt, blickt direkt gegen die Pfandbecher. Trotzdem sei die Nachfrage „schleppend“, sagt Jeanette Schuppert. „Die Euphorie vom Anfang ist ein bisschen verflogen.“ Es sei eben einfacher, einen benutzten Becher irgendwo in den Müll zu werfen anstatt ihn beim nächsten Mal wieder mit ins Café zu bringen.

Auch das Studierendenwerk Stuttgart hat mit Beginn des Wintersemesters ein Mehrweg-System eingeführt, auch hier in Ludwigsburg. Auf den Geländen, die das Studierendenwerk betreut, machen sich die Folgen des Coffee to go bemerkbar. „Trotz regelmäßiger Abholung sind die Müllcontainer in den Wohnanlagen häufig überfüllt. Auffällig sind dabei die vielen Einwegverpackungen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Wer zum sogenannten Kim-Mehrwegbecher (Kommt immer mit) greift, zahlt 25 Cent weniger für seinen Kaffee, und Plastikdeckel für Einwegbecher gibt es nur auf Nachfrage.

Nächste Verzögerung absehbar

Seit Oktober 2014 war die Eisenbahnbrücke in die Steingrube von Großsachsenheim gesperrt. Mittlerweile ist das desolate Bauwerk verschwunden und eine neue Brücke wird an derselben Stelle gebaut. Die Baustelle ist nicht einfach und ist von Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen geprägt. Der aktuelle Kostenstand liegt jetzt bei 2,3 Millionen Euro. Zunächst hatte man mit 1,6 Millionen Euro kalkuliert.

Die über die Bahnlinie gelegte Behelfsbrücke verursacht Kosten in Höhe von 130 000 Euro. Über sie ist der Fußgängerverkehr zu den Sportplätzen, den Tennisplätzen, dem Gebäude der Stadtkapelle und zur Moschee möglich. Mit dem Auto muss eine größere Umleitung gefahren werden.

Frau Richter, beschreiben Sie doch mal die Situation, als Sie die Nachricht erhielten, dass das Kuratorium Sie ausgewählt hat. Wo waren Sie?

Sandra Richter: Es geschah unmittelbar nach der Vorstellung vor dem Kuratorium, noch im Archiv. Ich sprach im Foyer mit einer Kollegin, und der Sekretär der Schillergesellschaft eilte aus der Sitzung heraus, um mich wieder hineinzubitten. Der Präsident der Schillergesellschaft teilte das Ergebnis mit und das Kuratorium beglückwünschte. Nach einigen Gesprächen fuhr ich wieder nach Hause und habe mich meinen universitären Aufgaben gewidmet, die für mich noch im Mittelpunkt stehen.

Hat Sie die Entscheidung am Ende eigentlich überrascht?

Es hat sich herauskristallisiert, aber man weiß natürlich nie, wie so etwas ausgeht.

„Die Euphorie vom Anfang ist ein bisschen verflogen.“

Jeanette Schuppert

Café Lutz

Der Kaffeebecher

Pappe oder Plastik – Was ist für die Umwelt besser?

Einweg-Kaffeebecher gehören nach Mitteilung der AVL Ludwigsburg in den Rund-Müll. Doch selbst wenn sie dort landen, ist ein Recycling nur eingeschränkt möglich, denn Einwegpappbecher haben eine Innenschicht aus Kunststoff. Die Papierfasern lassen sich nicht vollständig vom Kunststoff lösen und können deshalb nur zum Teil recycelt werden. Die Recup-Becher bestehen zu 100 Prozent aus recycelbarem Kunststoff. Das Material Polypropylen gilt derzeit als nachhaltigste Alternative. (je)

Julia Essich-Föll
05. November 2018
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