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Kunde greift lieber zum Pappbecher

So sieht er aus, der Recup. Inzwischen gibt es ihn schon an zwölf Standorten im Ludwigsburger Stadtgebiet. Foto: Oliver Bürkle

Vor kurzem hat das Europäische Parlament ein Verbot von Plastik-Wegwerfprodukten beschlossen. Damit soll insbesondere die Verschmutzung der Ozeane eingedämmt werden. In Deutschland werden laut Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen pro Person jedes Jahr 60 Einwegbecher für Heißgetränke verwendet. Für die Stadt Ludwigsburg bedeutet das über eine halbe Million Becher pro Jahr.

Diese Menge an Einwegmüll zu vermeiden war Ziel, als man sich im September vergangenen Jahres an Recup beteiligte. Das System funktioniert einfach: Wer sich einen Kaffee zum Mitnehmen kauft, bekommt gegen einen Euro Pfand einen Mehrwegbecher. Der Becher kann bei allen teilnehmenden Händlern abgegeben oder wieder aufgefüllt werden – und das im gesamten Bundesgebiet. Inzwischen beteiligen sich in Ludwigsburg elf Partner mit insgesamt zwölf Standorten an Recup, unter anderem auch in der Cafeteria des Klinikums.

Die Bäckerei Rechkemmer ist von Anfang an dabei. „Das System kommt schwer in Gang“, sagt Thomas Rechkemmer. Er habe schon überlegt, bei Recup wieder auszusteigen, „aber unsere Filiale in der Schorndorfer Straße muss Becher nachbestellen, da läuft es gut, also werden wir auch hier am Kaffeeberg weitermachen.“ Maximal drei Kunden zählt er am Stammsitz der Bäckerei, die den Pfandbecher nutzen. „Dabei fragen wir immer nach, wenn jemand einen Kaffee zum Mitnehmen bestellt.“

Die Bequemlichkeit der Kunden ist offenbar die größte Hürde. Einmal benutzt, fliegt der Einweg-Pappbecher in den Müll. Einen Pfandbecher trägt man mit sich herum. „Den steckt man nicht in die Handtasche“, so Rechkemmer.

Auch im Ratskeller liegen die Pfandbecher bleischwer im Regal. „Die meisten wollen den Pappbecher“, heißt es dort. Positive Erfahrung macht Rebecca Wawzyniak vom Bubbles-Café. „Mehr als die Hälfte unserer Kunden nehmen den Recup. Ich finde das klasse.“ Sie überlege schon, ob sie die Pappbecher nicht ganz aus dem Sortiment verbannen soll. Aber noch gibt es sie. „Was ich nicht verstehe, ist, dass die meisten auch noch einen Plastikdeckel auf ihren Pappbecher haben wollen.“ Auch im Bubbles frage man jeden Kunden, ob er einen Pfandbecher nehmen möchte. „Viele wissen noch nicht, was Recup ist, und sind dann ganz begeistert, wenn wir es erklären.“

Bei Café Lutz am Marktplatz stehen die Recup-Becher auf der Ladentheke. Wer einen Kaffee bestellt, blickt direkt gegen die Pfandbecher. Trotzdem sei die Nachfrage „schleppend“, sagt Jeanette Schuppert. „Die Euphorie vom Anfang ist ein bisschen verflogen.“ Es sei eben einfacher, einen benutzten Becher irgendwo in den Müll zu werfen anstatt ihn beim nächsten Mal wieder mit ins Café zu bringen.

Auch das Studierendenwerk Stuttgart hat mit Beginn des Wintersemesters ein Mehrweg-System eingeführt, auch hier in Ludwigsburg. Auf den Geländen, die das Studierendenwerk betreut, machen sich die Folgen des Coffee to go bemerkbar. „Trotz regelmäßiger Abholung sind die Müllcontainer in den Wohnanlagen häufig überfüllt. Auffällig sind dabei die vielen Einwegverpackungen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Wer zum sogenannten Kim-Mehrwegbecher (Kommt immer mit) greift, zahlt 25 Cent weniger für seinen Kaffee, und Plastikdeckel für Einwegbecher gibt es nur auf Nachfrage.

Julia Essich-Föll
02. November 2018
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