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Oberstenfeld

Kommune will sich die Fläche sichern

Seit Anfang Mai läuft das Insolvenzverfahren, die Produktion geht weiter. Die Gemeinde sieht dort in Zukunft Wohnungen. Archivfoto: Jürgen Schmidt

Anfang Februar hatte das Unternehmen, das Bauteile aus Holzwerkstoffen herstellt – Fensterbänke, Terrassenbeläge, Tischplatten zum Beispiel – Insolvenz angemeldet. Anfang Mai sind die Insolvenzverfahren für die 15 Gesellschaften des Firmengeflechts eröffnet worden. Trotzdem wird weiter in Oberstenfeld produziert.

Der Geschäftsbetrieb laufe „stabil und zufriedenstellend“ hatte der Insolvenzverwalter, der Stuttgarter Rechtsanwalt Jochen Sedlitz, Anfang des Monats mitgeteilt. Die Entscheidung über die Zukunft des Unternehmens solle Ende Juni, spätestens Ende Juli fallen. Der Insolvenzverwalter ließ wissen, er favorisiere eine „schnelle Investorenlösung“; Interessenten für das Unternehmen gebe es genügend. Der Standort in Oberstenfeld hat rund 200 Mitarbeiter; weltweit sind es 700.

Und was passiert, wenn eine Lösung gefunden ist? Eine Möglichkeit wäre, dass ein Investor die Firma aufkauft, anschließend auflöst und das Gelände an ein anderes Unternehmen weiterverkauft. Dieses Unternehmen könnte – Stand heute – auf dem Gebiet zwischen Gronauer Straße, Hochwiesen, Kreuzweg, sowie zwischen der Gronauer Straße und der Bottwar so ziemlich alles machen, einschließlich 24-Stunden-Betrieb, denn im Flächennutzungsplan ist das Gebiet als gewerbliche Baufläche ausgewiesen.

Konflikte mit den Bewohnern ringsum wären also programmiert. „Aufgrund der über die Jahrzehnte an den Betrieb herangerückten Wohnnutzungen ist die Verwertung der Fläche für nachfolgende Gewerbenutzungen stark eingeschränkt, da die bestehenden Wohnnutzungen einen hohen Schutzanspruch genießen“, heißt es dazu in der Gemeinderatsvorlage.

Deshalb will die Gemeinde über das Gebiet eine sogenannte Veränderungssperre legen. Sie besagt, dass dort weder etwas neu gebaut, abgerissen oder verändert werden darf. Die Veränderungssperre gilt für zwei Jahre und tritt automatisch dann außer Kraft, sobald ein Bebauungsplan „Bottwarwiesen Oberstenfeld“ rechtskräftig ist.

Denn langfristig will sich die Gemeinde das Gelände für Wohnbebauung sichern. Es sei unbestritten, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat, dass Wohnbauflächen derzeit dringend benötigt würden. Schließlich sei es auch politisch gewollt, ortsnahe Gewerbebrachen in Wohnbauflächen umzuwandeln, statt die freie Flur zu zersiedeln.

Durch diese Innenentwicklung würden künftig rund 10,6 Hektar Flächen im Außenbereich weniger gebraucht. Deshalb will die Gemeinde Bebauungspläne für das Gebiet aufstellen und sich ein Vorkaufsrecht sichern. Zunächst aber muss der Flächennutzungsplan geändert werden. Denn dort ist das Gelände noch als gewerbliche Baufläche und Industriebaufläche ausgewiesen.

Nach dem Baugesetzbuch steht einer Kommune in Gebieten, in denen sie städtebauliche Maßnahmen vorsieht, ein Vorkaufsrecht zu.

Bevor dort Wohnungen entstehen könnten, müsste das Gebiet allerdings zunächst erschlossen werden, bisher sind die Flächen mit Fabrikationsgebäuden überbaut.

Möglicherweise ist ein Baugebiet „Bottwarwiesen“ aber auch Zukunftsmusik, denn auch wenn die Firma Werzalit insolvent ist, geht der Betrieb weiter. Und das darf er auch dann, wenn es eine Veränderungssperre und einen Bebauungsplan geben wird. Auch dann dürfte der Betrieb so weiterlaufen wie zurzeit. Denn: „Das wollen wir ja nicht verhindern“, sagt Bürgermeister Markus Kleemann im Gespräch mit unserer Zeitung, „wenn viele Menschen in Oberstenfeld Arbeit finden ist das gut. Und wenn das Unternehmen floriert, wären wir die Letzten, die das verhindern wollten.“

Weshalb dann dieser Vorstoß? „Wir wollen uns die Planungshoheit über dieses Gebiet langfristig sichern“, sagt Kleemann. Jetzt müsse man abwarten, wie sich die Lage bei Werzalit weiter entwickelt, aber, so Kleemann, „wir wollen auf alles vorbereitet sein, was kommen könnte.“ Für die Gemeinde seien die 10,6 Hektar Baufläche eine Entwicklungschance, wie sie seit Jahrzehnten nicht bestanden habe.

Das letzte Wort hat allerdings selbstverständlich der Gemeinderat. Er diskutiert und entscheidet über das Thema in seiner Sitzung am kommenden Donnerstag.

Info: Der Gemeinderat tagt am Donnerstag, 17. Mai um 19 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses. Das Thema „Bottwarwiesen“ wird in den Tagesordnungspunkten zwei, drei und vier verhandelt.

Andrea Nicht-Roth
14. Mai 2018
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