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Ludwigsburg

Kleiner Falke ist daheim

Zu einem tierischen Einsatz ist die Feuerwehr gestern nach Grünbühl ausgerückt. Foto: Holm Wolschendorf

Applaus bekommen die Feuerwehrleute auch nicht jeden Tag: Grund dafür war eine ungewöhnliche Rettungsaktion gestern im Stadtteil Grünbühl, die von den Blauröcken mit Bravour gemeistert worden ist. Sie haben dafür gesorgt, dass ein etwa drei Wochen altes Turmfalkenküken zu seinen Eltern zurückkehren konnte. Einige Anwohner beobachteten das Geschehen von ihren Balkonen aus. Udo Rühl, Mitglied im Tierschutzverein und im Falkenschutz aktiv, hielt das Geschehen mit seiner Fotokamera fest.

„Ob Papageien oder Schwäne, wir haben schon viele Vögel gerettet“, sagte Hans-Peter Peifer, kommissarischer Kommandant der Ludwigsburger Feuerwehr, der mit den Einsatzkräften vor Ort war. Sicherheitshalber hatten die Rettungskräfte einen Vogelkäfig und Spezialhandschuhe, die im Notfall vor tierischen Attacken schützen, mitgebracht.

Ihre Aufgabe bestand darin, das Nest in der Krone eines zirka 15 Meter hohen Baumes zu sichern. Dass Turmfalken lieber in den aufgelassenen Nestern von Elstern und Krähen brüten, statt eigene zu bauen, ist in diesem Fall nämlich nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Genau zwei Wochen ist es her, seit eine Anwohnerin, die in einem der mehrgeschossigen Häuser am Sonnenberg wohnt, zwei weiße Knäuel auf der Rasenfläche unterhalb des Ahornbaumes entdeckt hatte. Beim näheren Hinsehen entpuppten diese sich als Turmfalkenküken. Eines von ihnen hatte den meterhohen Sturz nicht überlebt. Das andere Tier wurde zum Tierheim gebracht. Dort ist das Küken aufgepäppelt worden. Gestern brachte Ursula Gericke, Vorsitzende des Tierschutzvereins, den Vogel zurück. Mit weit aufgerissenem Schnabel schaute das Tier die Menschen an, bevor die Familienzusammenführung begann. Ein dritter Jungvogel hatte mehr Glück als seine beiden Geschwister: Er befand sich noch oben im Nest.

Feuerwehrmann Sascha Stangl stieg zusammen mit der Tierschützerin in den Korb. Diese hatte als Sicherung für das Nest ein Weidekörbchen mit zwei Henkeln daran mitgebracht. „Das ist die richtige Größe“, zeigte sich Ursula Gericke überzeugt. Und sie hatte Recht.

Es dauerte nur wenige Meter, bis der Korb mit den beiden Insassen an der Baumspitze angelangt war und das Nest mit wenigen Handgriffen gesichert war. Endlich konnte der kleine Turmfalke ins elterliche Nest zurückkehren. In der Regel verbringen die Jungvögel dort ihre ersten 30 Lebenstage und werden weitere 30 Tage von ihren Eltern versorgt, bis sie flügge werden und selbst auf die Jagd gehen.

„Das haben wir gerne gemacht“, kommentierte Hans-Peter Peifer den Applaus der Zuschauer.

von marion blum
04. Juli 2018
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