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Ludwigsburg

Jugendfarm fühlt sich im Abseits

Gestern am Nachmittag: Der Stand der Jugendfarm hinter der Dreieinigkeitskirche. Foto. Oliver Bürkle

Für viele Besucher des Barocken Weihnachtsmarktes ist der Glühweinstand der Jugendfarm Kult. Doch an seinem angestammten Platz in der Kirchstraße, am Puls der Fußgängerzone, ist er in diesem Jahr nicht mehr anzutreffen. Dort befindet sich zwar eine Infotafel, auf der der neue Standort eingezeichnet ist. Dass der Stand an das andere Ende des Geschehens, neben die Dreieinigkeitskirche an die Eberhardstraße, versetzt worden ist, sorgt dennoch für Unmut, Unverständnis und Empörung bei Ehrenamtlichen und Stammgästen.

Melanie Mitna, die zuständige Abteilungsleiterin bei Tourismus und Events Ludwigsburg, dem Organisator des Weihnachtsmarkts, hatte bei einem Pressegespräch im Vorfeld auf Sicherheitsgründe verwiesen. Am bisherigen Standort habe sich ein zu großer Pulk versammelt, im Panikfall hätte es dort kein Durchkommen mehr gegeben, so ihr Argument.

Das Pulk-Problem gibt es nun nicht mehr. „Die meisten Leute finden uns nicht“, kritisiert Rolamd Förg den neuen Standort und spricht von deutlichen Umsatzeinbußen. Der Ehrenamtliche muss es wissen, steht er doch seit 13 Jahren regelmäßig hinter dem Tresen am Stand der Jugendfarm, um hier Glühwein auszuschenken. Wer vom Marktplatz links an der Dreieinigkeitskirche vorbei in Richtung Eberhardstraße schaue, sehe weniger den Stand als vielmehr den Toilettenwagen. „Jeder denkt, dass dahinter Schluss mit dem Weihnachtsmarkt ist“, so Förg.

Laufkundschaft gebe es deshalb kaum. Nur echte Stammkunden, die sich die Mühe machen und die an der Stadtkirche aufgestellte Wegbeschreibung studieren, kommen hierher. „Wir sind eine Institution und seit mehr als 20 Jahren auf dem Weihnachtsmarkt vertreten“, argumentiert er. Dass plötzlich Sicherheitsaspekte gegen den bisherigen Standort sprechen sollen, kann er nicht nachvollziehen.

„Wie kann man so mit einem sozialen Verein und Ehrenamtlichen umgehen?“, fragt sich Hanspeter Gramespacher, eines der Gründungsmitglieder der Jugendfarm. 20 Jahre lang habe der Stand auf der Kirchstraße seinen Stammplatz gehabt. Dass plötzlich argumentiert werde, dass Rettungsfahrzeuge im Notfall nicht durchkommen, findet er merkwürdig. „Während der zweijährigen Bauzeit von Juwelier Hunke war es noch enger“, hält er dagegen.

Frau Mitna habe den Umzug außerdem damit begründet, dass der Bereich um die katholische Kirche analog zu dem um die evangelische Kirche belebt werden soll. „Der Stand des Jugendtreffs wird als Pilotprojekt benutzt“, so Hanspeter Gramespacher. Äußerst unglücklich findet er es, dass sogar der Toilettenwagen näher am Marktplatzgeschehen seinen Platz gefunden hat. „Die Kunden sind mehrheitlich empört“, schildert er seinen Eindruck.

Leserbriefe an unserer Zeitung geben ihm da Recht. „Es ist, als ob man eine zuverlässige Lok aufs Abstellgleis geschoben hätte“, kritisiert Manfred Jung aus Ludwigsburg. „Wer hat sich diesen Standplatz nur ausgedacht? Das ist in hohem Maße geschäftsschädigend“, verweist er auf die Nähe zum Toilettenwagen. „Der oder die Verantwortlichen sollten sich schämen“.

Gerda Royek findet, dass die Verlegung „ins Abseits“ durch nichts zu rechtfertigen ist. „Ich finde es ungeheuerlich, unter dem Vorwand der Sicherheit, einen Stand umzusiedeln, der seit Beginn des Weihnachtsmarktes seinen angestammten Platz hatte“, kritisiert Elke Edelmann. Es sei eine „Frechheit“, die Jugendfarm an das andere Ende, „ohne Flair und ohne jegliche Anbindung an den Weihnachtsmarkt“ zu verbannen. Die Ehrenamtlichen der Jugendfarm, die versuchten mit den Einnahmen den Erhalt der Einrichtung zu sichern, hätten das nicht verdient.

von marion blum
29. November 2017
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