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Besigheim

Jährlich 1000 Kubikmeter Treibgut

Vor allem nach Hochwasser staut sich vor dem Schwimmbalken des Wehrs das Treibgut, das der reißende Fluss am erweiterten Ufer mitnimmt. Die Wassermassen schwemmen Tonnen von Treibgut zu Tal. Ein Großteil bleibt oberhalb der Wehrtore an den Schleusen hängen, vieles aber noch vor den Kraftwerken liegen: Baumstämme, Äste, Schnittgut, Plastik-, Styropor- und andere Müllreste tun sich zu großen Inseln zusammen, die vor dem Wehr treiben und den Schleusen- und Wehrbetrieb behindern. „Wir müssen das Schwemmzeug regelmäßig aus dem Wasser ziehen“, erklärt Werner Vayhinger. Am Kraftwerk plumpst deshalb der Greifer eines Baggers ins Wasser, holt eine Ladung Müll nach der anderen aus den Fluten und deponiert ihn in einer Mulde.

Jochen Weitzel bedient den Bagger. Auf dem Schwimmbalken steht sein Kollege Karlheinz Eisele und unterstützt ihn, in dem er das Treibgut mit einer langen Harke in die gewünschte Richtung schiebt. Gestern hat das Schwemmzeug am Kraftwerksrechen eine Fläche von 30 x 30 Meter eingenommen. Zeit, dass es aus dem Wasser kommt. Zum Schutz vor Beschädigungen und einer Verstopfung der beiden Turbinen sind vor dem Wassereinlauf am Wehr in Längsrichtung auf einer Länge von knapp 20 Metern und einer Tiefe von 5,60 Metern Eisenstäbe mit einem Abstand von 50 Millimeter angebracht. Laufen beide Turbinen, „saugen“ sie in der Sekunde 60 Kubikmeter Wasser. Das ankommende Schwemmzeug wird am Rechen abgehalten. Sonden messen die Durchlässigkeit des Rechens und leiten automatisch die Reinigung ein. Das grobe Treibgut dagegen wird von einem Schwimmbalken vor der Anlage abgehalten. Dieser Stau ist vom Ufer aus zu sehen – und nach einem Hochwasser sogar in großer Ausdehnung. Zur Beseitigung des Schwemmzeugs müssen auch aus Sicherheitsgründen zwei Mitarbeiter eingesetzt werden, weil sich die Baumstämme, das Schnittholz und allerlei Müll nicht immer automatisch in Richtung des Baggers bewegen.

Wenn kleinere Mengen ankommen, wird gewartet, damit sich der Aufwand bei der Bergung des Treibguts auch lohnt. Deshalb ist auch längere Zeit über die Ansammlung am Neckar zu sehen. Das Holz wird einer Weiterverarbeitung zur Energiegewinnung zugeführt, der Abfall getrennt und entsorgt. „Es gibt eigentlich nichts, was hier noch nicht angekommen ist“, weiß Karlheinz Eisele. Feuerlöscher und Matratzen, Bettgestelle und Teile von Gartenhäuschen, Plastikplanen und Kanister.

Weniger erfreulich für die Männer war die Bergung der Wasserleiche eines Mannes, der vor etwa zehn Jahren am Winzerfest in den Neckar fiel und Wochen später am Kraftwerkswehr angetrieben ist.

Es wurden auch schon Jugendliche beobachtet, die vom anderen Ufer aus ins Treibgut geschwommen sind, um Plastikflaschen herauszufischen. „Das ist eine lebensgefährliche Sache“, warnt Werner Vayhinger vor derartigen Aktionen.

alfred drossel
06. Dezember 2017
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