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Jäger stellen sich auf den Wolf ein

Es sei absurd, welche Formen die Diskussion um den Wolf annehme, sagte Thomas Dietz, der stellvertretende Bezirksjägermeister im Regierungsbezirk Stuttgart und stellvertretende Vorsitzende des Landesnaturschutzverbandes. Die einen sagten „ja“ zum Wolf, andere wiederum legten vehement ihr Veto ein, so Dietz. Dabei gebe es da eigentlich gar nichts zu diskutieren. „Der Wolf ist da – das ist Fakt“, sagte er.

Die Frage sei daher eher, wer sich künftig um den Wolf kümmere. Es sei unrealistisch zu glauben, den Wolf überall konfliktfrei in die mitteleuropäische Kulturlandschaft integrieren zu können. Wer das glaube, werde wohl bitter enttäuscht werden. Man tue damit dem Wolf als Art auch nichts Gutes, betonte Dietz. In den dicht besiedelten und urbanen Bereichen seien Konflikte programmiert.

Trotz ausreichender Möglichkeiten für den Wolf, sich in strukturarme, gering bevölkerte Gegenden zurückzuziehen, sei das Raubtier mittlerweile, wie auch der Fuchs oder Marder, zu einem Kulturfolger geworden. „Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass auch der Wolf künftig seinen Tribut fordern wird. Und darauf müssen wir vorbereitet sein“, so auch Kreisjägermeister Peter Ulmer. Für Viehhalter- und Züchter stelle die Rückkehr des Wolfes eine große Veränderung ihrer Lebensgewohnheiten und Wirtschaftsweise dar.

In der Viehhaltung seien hohe wirtschaftliche Mehraufwendungen und großer körperlicher Mehreinsatz für den Schutz der Herden notwendig, betonte Ulmer. Er befürchtet, dass bei einer fortschreitenden Zunahme des Wolfsbestandes in Mitteleuropa die Konflikte auch im urbanen Bereich rasch zunehmen werden. Anstatt wilder Diskussionen und regionaler Alleingänge sei ein abgestimmtes gemeinsames Vorgehen auf nationaler Ebene notwendig, stellte Ulmer fest. Allen Interessensgruppen fehle derzeit die Rechtssicherheit des Handelns, beklagte Ulmer.

„Wir dürfen den Wolf nicht verteufeln und nicht als Bestie darstellen, die er nicht ist“, unterstrich Ulmer. Es gehe nicht darum, den Wolf zu bekämpfen oder ihn auszurotten, es gehe schlicht und einfach „um einen realistischen und pragmatischen Umgang mit diesen schönen und intelligenten Wildtieren in unserer intensiv genutzten Kulturlandschaft“.

Die Jäger fordern, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und bereit zu sein, Maßnahmen für den Schutz beider Seiten zu ergreifen. Ein erster Schritt aus Sicht der Jagdverbände in Deutschland wäre es, den Wolf in das Schalenmodell – das die Interessen von Naturschutz und Jagd zusammenbringen soll und Wildtiere in drei Stufen zur Nutzung, zur Entwicklung oder zum Schutz einordnet – aufzunehmen und damit das Wildtier-Managementgesetz im Sinne des Tierschutzes anzuwenden.

Vom Wolf etwas in den Hintergrund gedrängt wurde ein anderes Problem: Die zunehmenden Schwarzwildbestände und die damit einhergehende Zunahme von Ernteausfällen und Wildschäden sowie die afrikanische Schweinepest können die Jäger nicht aus dem Auge verlieren. Im Fall der afrikanischen Schweinepest gebe es noch keine Erfahrungswerte, sagt Peter Ulmer. Ziel sei es, laut Bauernverband, 70 Prozent der Schwarzwildbestände zu erlegen, um so der afrikanischen Schweinepest (ASP) Einhalt zu gebieten.

Seit Jahren sei es zwar verboten, Speisereste und Küchenabfälle an Schweine zu verfüttern. Doch das Virus überdauert auch sehr lange an Schuhen oder Kleidung. Deshalb sollten vor allem Jäger darauf achten, dass sie nicht mit Wildschweinblut in Berührung kommen. Sollte das Virus nach Deutschland eingeschleppt werden, wäre das höchst problematisch – nicht zuletzt, weil es auch im Kreis eine sehr hohe Wildschweinpopulation gibt.

„Auch wenn die Interessenslagen noch sehr unterschiedlich sind, so wünschen wir uns für die Zukunft einen gemeinsamen Dialog mit alle Interessengruppen zur Bewältigung der bevorstehenden Herausforderungen“, sagte Peter Ulmer. Die Zeit, dass jeder seinen eigenen Weg gehen und unrealistische Forderungen stellen könne, sei vorbei. So etwas nütze niemanden.

von alfred drossel
11. Mai 2018
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