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Möglingen

In Möglingen fehlen 100 Kitaplätze

Seit fünf Jahren darf sich die Gemeinde Möglingen über mehr Geburten und steigende Einwohnerzahlen freuen. Eine Trendwende ist derzeit weit und breit nicht in Sicht. An der Ludwigsburger Straße, an der Paul-Hindemith-Straße oder im Hochhausviertel Löscher lässt die Gemeinde deshalb familiengerechte Wohnungen entstehen. Im Löscher prophezeit sie zudem einen Wandel. Die Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer sagte im jüngsten Gemeinderat: „108 Wohnungen werden derzeit im Löscher von Menschen, die älter als 80 Jahre sind, genutzt. In den kommenden fünf bis zehn Jahren steht uns ein Generationenwechsel ins Haus, der bereits heute mit einem deutlichen Zuzug von Familien spürbar ist.“

Doch trotz großer Anstrengungen gelingt es der Gemeinde nicht, die Kita-Landschaft im selben Tempo auszubauen. Schwaderer geht derzeit davon aus, dass ihr im kommenden Kindergartenjahr, das im September beginnt, mehr als 60 Plätze für den Nachwuchs über drei Jahren fehlen werden. Für die darauffolgenden Jahre sieht es noch schlechter aus – dann wächst der Saldo auf mehr als 100 Plätze an. Derzeit hat die Gemeinde knapp 450 Plätze zur Verfügung. „Wir müssen weitere schaffen“, sagt Schwaderer.

Drei Vorhaben lässt sie derzeit in Möglingen prüfen: den Bau eines neuen, weiteren Kinderhauses für maximal vier Gruppen. Das hätte zusätzliche Millioneninvestitionen zur Folge. Bereits in den vergangenen Jahren hat die Gemeinde am Wiesenweg und am Lerchenweg knapp sechs Millionen Euro für zwei Kinderhäuser investiert. Aufschluss soll jetzt eine Machbarkeitsstudie geben, die bereits beauftragt ist.

Linderung könnte auch eine Umnutzung des einstigen Möglinger Notariats schaffen. In diesen Räumen kann sich die Bürgermeisterin vorstellen, eine Gruppe unterzubringen.

Vorhaben Nummer drei wäre eine Vergrößerung des Naturkindergartens beim Abenteuerspielplatz. Der ist aber erst seit dem Frühsommer am Start und kommt auf knapp 20 Kinder. Schwaderer will deshalb lieber die Erfahrungswerte der Erzieherinnen abwarten – und wie die Einrichtung über den Winter kommt.

Interimsweise hat die Gemeinde bereits eine Kindergartengruppe mit 25 Plätzen im evangelischen Gemeindezentrum Strombergstraße eingerichtet, die nur bis August 2018 fortgeführt werden kann.

Die Möglinger SPD gesteht zwar ein, dass „der Handlungsbedarf groß ist“. Ihr Ratsherr Gerhard Kienzle sagt aber auch: „Man darf sich nicht irritieren lassen.“ In seinen Augen liegt die Ist-Belegung in den Kindertageseinrichtungen meistens unter der Soll-Belegung. Kienzle: „Der Handlungsbedarf ist daher nicht so groß, wie angedeutet wird.“

Viel besser steht Möglingen bei der Betreuung der Kinder unter drei Jahren da. „Der Bedarf von rund 130 Plätzen ist mit unserem Angebot nahezu gedeckt“, sagt Christine Riegler, die Sachbearbeiterin im Rathaus. „Erfahrungsgemäß verschieben Eltern einen ursprünglich vor den Sommerferien geplanten Aufnahmewunsch häufig aber noch auf das neue Kindergartenjahr.“

Als „Themen der Zukunft“ bezeichnet die Bürgermeisterin die Integration von Kindern mit Fluchterfahrung und den Ausbau von Familienzentren. Hier sind Erzieherinnen Ansprechpartnerinnen für all die Sorgen und Nöte im Alltag. „Insbesondere Familien mit Migrationshintergrund und Flüchtlingsfamilien nutzen diesen Kontakt“, sagt Schwaderer. Wie ein Familienzentrum konkret funktioniert, lässt sich bereits in Hemmingen an der Eberdinger Straße besichtigen.

Philipp Schneider
08. August 2017
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