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Sachsenheim

Im Museum heult Isegrim

Die Prähistorikerin Andrea Skamletz mit ihrer Schlittenhündin Tisha vor einem präparierten Wolf in der Sachsenheimer Ausstellung. Foto: Alfred Drossel

Die neue Ausstellung im Stadtmuseum – „Die Zähmung des Wolfes“ – erzählt vom Wildtier Wolf, das vom einst gefürchteten Feind zum treuen Begleiter des Menschen wurde. Doch wie kam der Mensch auf den Hund ? Wie entstand aus zunächst zufälligen Begegnungen der beiden Kosmopoliten Wolf und Mensch eine so einzigartige Zweckgemeinschaft ? Der Besucher kann sich auf eine fesselnde archäologische, biologische und kulturgeschichtliche Spurensuche begeben.

Die Ausstellung ist dreigeteilt. Die Prähistorikerin Andrea Skamletz hat für das Hochdorfer Keltenmuseum eine Ausstellung über den Wolf konzipiert. Teile dieser Ausstellung sind auf Wanderschaft. Sachsenheim ist die sechste Station. Die Sachsenheimer Museumsleiterin Dr. Claudia Papp hat die Ausstellung mit der regionalen Geschichte des Wolfes und einer Märchenerlebniswelt ergänzt. Rötkäppchen ist da und der Wolf mit den sieben Geißlein.

Im Stromberg ist der vermeintlich letzte Wolf Württembergs erlegt worden. Ein präparierter Artgenosse aus dem Naturkundemuseum Stuttgart ist Blickfang der Ausstellung. Am 10. März 1847 gelang es dem Cleebronner Forstwart Keppler, den Wolf in der Sommerhälde einzukreisen. Aus Spielberg und Eibensbach wurden acht Jäger und 100 Treiber mobilisiert. Waldschütz Sorg gab im Bönnigheimer Stadtwald „Kleiner Saukopf“ den tödlichen Schuss ab. Bislang hat man geglaubt, dass es der letzte Wolf Württembergs gewesen ist. 1969 wurde daher ein Gedenkstein im Stromberg errichtet. Doch bei Heilbronn wurde 20 Jahre später noch ein Wolf geschossen.

Die Zähmung des Wolfes ist eine lange Geschichte. Die Ausstellung versucht, sie mit Exponaten und Bildern zu erzählen. Die ältesten Spuren reichen zurück bis in die Eiszeit. Es waren wohl frühe Jäger und Sammler, die junge Wölfe aufzogen und mit der Domestizierung begannen. Dabei war es sicher von Vorteil, dass Wölfe die Nähe zum Menschen gezielt suchten, um sich an den Speiseresten oder Jagdabfällen zu bedienen. Beide Seiten – Mensch wie Hund – hatten somit gute Gründe für eine Annäherung.

Nicht nur Knochen- und Skelettfunde belegen, dass Hunde bereits früh den Menschen begleiteten, erläutert Andrea Skamletz. In der Grotte Chauvet in Südfrankreich, die für ihre eiszeitlichen Bilder weltberühmt ist, haben vor 25 000 Jahren Menschen und Tiere ihre Spuren im Boden der Höhle hinterlassen, darunter auch den Pfotenabdruck eines Wolfes neben den Fußspuren eines Kindes.

Mit dem Ende der Eiszeit beginnt auch für die Hunde ein neues Zeitalter. Sie bekamen zunehmend mehr Aufgaben an der Seite des Menschen zugewiesen. In den dichten und unwegsamen nacheiszeitlichen Urwäldern verschaffte der Spürsinn der Tiere dem Jäger Vorteile beim Aufspüren, Hetzen und Stellen der Beute.

Der Mensch hat immer Einfluss auf die Tierwelt genommen. Diese Veränderungen fasst der Wissenschaftler unter dem Begriff „Domestikation“ zusammen. Am Beispiel der Geschichte des Hundes – vom Wolf bis zum heutigen Haushund – wird der theoretische Begriff für den Besucher im Stadtmuseum greifbar. Zur Ausstellung, die bis 20. März zu sehen ist, gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm. So lange heult der Wolf im Stadtmuseum vom Tonband.

Alfred Drossel
29. Oktober 2015
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