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Ludwigsburg

Handwerkslehre parallel zum Abitur

Schüler des Friedrich-Schiller-Gymnasiums können bald ihre handwerklichen Fähigkeiten erproben. Foto: Fotolia

„Ich bin begeistert von diesem Projekt“, sagt Christof Martin, der Leiter des Friedrich-Schiller-Gymnasiums in Marbach. Er ist gespannt, wie viele der Gymnasiasten das neue Angebot wahrnehmen, während der Schulzeit eine handwerkliche Ausbildung zu machen.

Martin schätzt, dass etwa zehn Prozent eines Jahrgangs in dem Angebot eine Chance sehen. „Ich als Schüler hätte so etwas sehr gerne gemacht“, meint der Rektor. Er ist der Überzeugung, dass eine handwerkliche Tätigkeit den jungen Menschen positiv formt, ihm zudem eine erweiterte Sicht auf sein schulisches Lernen gibt und bei der Berufsorientierung hilft.

Impulsgeber für das Projekt ist der Unternehmer Carl-Heiner Schmid. Der Chef und Inhaber der Reutlinger Unternehmensgruppe Heinrich Schmid, dem europaweit größten Handwerksbetrieb für Maler- und Ausbaudienstleistungen mit gut 4000 Mitarbeitern, macht sich seit Jahren für ein sogenanntes Duales Gymnasium stark. Er fordert ein Schulmodell, das mit der Dualen Hochschule vergleichbar ist, die neben einem Studium einen Praxisteil anbietet, der in einem Unternehmen stattfindet. Im Fall des Friedrich-Schiller-Gymnasiums ist die Firma Heinrich Schmid der Kooperationspartner. Der Betrieb, in dem die Schüler ihre Ausbildung machen, ist eine Filiale der Reutlinger Unternehmensgruppe im Tammerfeld in Ludwigsburg.

Schulleiter Martin will mit dem Begriff „Duales Gymnasium“ zwar nicht operieren, den pädagogischen Ansatz begrüßt er aber ausdrücklich. „Wir haben hier eine Bildungspartnerschaft. Die Schüler machen alles in ihrer Freizeit“, betont er.

„Das ist doch schon einmal ein Anfang“, freut sich Michael Pfeffer von der Heinrich-Schmid-Führungsakademie, der das Projekt mitgestaltet. „Wir wollen mit den jungen Leuten beginnen, die sich das zutrauen.“ Letztlich bedeute die Entscheidung für die parallele handwerklich Ausbildung doch mehr Zeitaufwand.

Laut Pfeffer und Schulleiter Martin geht es bereits in diesem Schuljahr los. In den Osterferien wird es für die Interessierten ein Orientierungspraktikum geben. Schüler, die dabeibleiben wollen, müssen sich dann bei der Heinrich Schmid GmbH bewerben. Wer diese Hürde genommen hat, kann die Lehre starten, die sich über vier Jahre erstreckt. Sieben Wochen pro Jahr muss in den Ferien in die Ausbildung investiert werden.

Auf dem Qualifizierungsplan stehen unter anderem Anstricharbeiten, Tapezieren, Bodenbelagsarbeiten, Trockenbau oder Dämmarbeiten. Eine Vergütung gibt es freilich auch. Wer alles durchläuft, kann laut Pfeffer mit insgesamt 7800 Euro rechnen. Gleich nach dem Abitur können die Schüler eine erste Berufsabschlussprüfung zum Bauten- und Objektbeschichter machen. Später besteht die Möglichkeit, vor der Handwerkskammer eine Gesellenprüfung abzulegen.

Birgit Ebner
13. Februar 2017
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