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Erligheim/Löchgau

Große Traktoren sorgen für Unmut

Voll beladen werden die Traktoren, wie hier bei der Maisernte. Foto: Fotolia

Die Erntezeit ist anstrengend: Für die Bauern, die jetzt häckseln und ernten müssen, um die Pflanzen zum optimalen Zeitpunkt zu ernten. Aber auch für Anwohner und Autofahrer: Sie müssen den Lärm der schweren Erntegespanne ertragen und mit rutschigen Straßen rechnen, wo die Traktoren in ihren tiefen Reifenprofilen Dreck vom Acker auf die Straßen tragen oder durch ihr Gewicht Feldwege zerstören.

Das sorgt mitunter für Unmut – wie jetzt in Erligheim und Löchgau. So hat sich eine Leserin an unsere Zeitung gewandt und berichtet, dass zurzeit im Fünfminutentakt riesige, mit Mais beladene Traktoren durch Erligheim fahren würden. Schon in den Vorjahren hatte das im Ort immer wieder für Diskussionen gesorgt, vor allem die Anwohner der Landesstraße hatten sich durch den Lärm belästigt gefühlt. Von 200 bis 250 Fahrten täglich war damals die Rede – auch am Wochenende, an Feiertagen oder spätabends, denn während der Erntezeit dürfen die Bauern auch dann arbeiten (wir berichteten).

Erligheims Bürgermeister Rainer Schäuffele ist das Problem bekannt, auch wenn ihn in diesem Jahr dazu noch keine Beschwerden erreicht haben: „Ich habe den Eindruck, dass die Leute sich daran gewöhnt haben.“ Schäuffele vermutet, dass die schweren Traktoren – oft mit Heilbronner Kennzeichen – auf dem Weg nach Sachsenheim zur dortigen Biogasanlage sind. „Solange es diese Anlage gibt, müssen wir das akzeptieren“, sagt der Bürgermeister im Gespräch mit unserer Zeitung. „Irgendwie müssen die Traktoren ja zur Biogasanlage kommen.“ Natürlich könnten die Gespanne eine andere Route wählen, doch der Weg über die Landesstraße, und damit durch Erligheim und Löchgau, sei am besten geeignet. Und die Landesstraße ganz für Traktoren zu sperren – dafür gibt es keine Grundlage (siehe zweiter Text).

Trotzdem will Schäuffele die Problematik wieder auf die Tagesordnung bringen, spätestens wenn der Lärmaktionsplan der Gemeinde überarbeitet wird. Dann könnten auch konkrete Messungen zum Beispiel zur Lärmbelästigung folgen.

Ebenfalls betroffen von den Traktor-Fahrten zur Erntezeit ist Löchgau. Auch hier haben sich Anwohner der Landesstraße bereits über den Lärm beschwert. Im Gemeinderat kam kürzlich aber noch ein anderes Thema zur Sprache. Es kam die Frage auf, ob es zulässig sei, dass die Traktoren die Löchgauer Feldwege benutzen dürften, denn die schweren Gespanne hinterließen Schäden, für die am Ende die Gemeinde aufkommen müsse. „Ein einzelner Verursacher lässt sich in der Regel nicht ausmachen, sie sind vielmehr Folge der konstant starken Belastung“, sagt Bürgermeister Robert Feil. Man habe deshalb überprüft, ob die Traktor-Fahrten – vor allem überörtlicher Bauern – gewerblicher Art und damit nicht mehr der Landwirtschaft zuzuordnen seien. Doch dies sei nicht der Fall, deshalb habe die Gemeinde keine Handhabe dagegen.

Der Landesbauernverband bittet um Verständnis und Geduld für die Belästigungen durch die Ernte. „Uns ist an einem guten Miteinander gelegen, wir wollen die Anwohner natürlich so wenig wie möglich belästigen“, sagt Pressesprecherin Ariane Amstutz. Allerdings sei die Arbeit mit Lebensmitteln auch stark abhängig von bestimmten Faktoren, beispielsweise vom Wetter. Da könne man nicht einfach die Arbeit übers Wochenende aussetzen. Wichtig sei dem Bauernverband aber der Dialog. So gebe es etwa freiwillige Vereinbarungen, um so wenig Lärm wie möglich zu machen. Mancherorts würden die Traktoren nur 30 anstatt der erlaubten 50 Stundenkilometer fahren. In unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet könne die Ernte am Wochenende auch mal etwas später beginnen.

Christina Kehl
05. Oktober 2017
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