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Kirchheim/Neckarwestheim

Große Angst vor dem Super-GAU

Die Atomgegner erinnerten vor dem Kernkraftwerk in Neckarwestheim an die Folgen des Atomunglücks. Ihr Demonstrationszug führte vom Bahnhof in Kirchheim auf den Parkplatz des GKN in Neckarwestheim. Straßen waren gesperrt. Die Polizei sicherte die Veranstaltung in kleiner Besetzung ab. Es kam zu keinen Zwischenfällen. Nach Angaben des Veranstalters waren 800 Menschen gekommen. Die Polizei schätzte allerdings weniger Teilnehmer.

Die Atomgegner machten darauf aufmerksam, dass die unkontrollierte Freisetzung von Radioaktivität in der Umgebung Fukushimas und im Meer weiter andauere. Am 11. März 2011 hatten ein Erdbeben und ein Tsunami den GAU im AKW Fukushima ausgelöst. Etwa 18 000 Menschen starben, die radioaktive Verseuchung hatte 160 000 Japaner gezwungen, ihre Häuser zu verlassen. Von den 48 Atomkraftwerken in Japan sind fünf wieder ans Netz gegangen, der Widerstand vor Ort hat weitere Inbetriebnahmen bisher verhindert.

Bei der Kundgebung vor dem GKN in Neckarwestheim sprach gestern auch Masao Fukumoto aus Fukushima. Er berichtete von den aktuellen Ereignissen in Japan. Unter den gesundheitlichen Auswirkungen litten besonders die Kinder. Die Olympischen Spiele, die 2020 in Japan stattfinden, sollten der Welt vortäuschen: der Super-GAU sei beherrschbar, ungefährlich und Vergangenheit.

Sprecher einer Ärzteinitiative und eines Solarnetzwerks sowie das an der Veranstaltung beteiligte Aktionsbündnis „Energiewende Heilbronn“ forderten für Deutschland einen sofortigen Ausstieg aus der Erzeugung von Atomenergie und den Aufbau dezentraler regenerativer Energiequellen – vor allem aus der Nutzung von Wind und Sonne. Trotz Fukushima seien in der Bundesrepublik immer noch sieben Atomreaktoren in Betrieb und sollen bis 2023 weiteren Atomstrom und Atommüll produzieren, betonte Herbert Würth vom Aktionsbündnis.

Der beim Rückbau von Atomkraftwerken anfallende gering radioaktive Abrissmüll solle durch Freimessen wie normaler Bauschutt wiederverwendet oder als Hausmüll deponiert werden. Für Würth mache Landesumweltminister Franz Untersteller (Grüne) wegen seiner Verharmlosung der Situation eher den Eindruck eines „Pressesprechers der EnBW“, dem Betreiberunternehmen des Kernkraftwerks. „Castor-Zwischenlager“, wie beim GKN, würden zu unsicheren Langzeitlagern, stellt Franz Wagner vom Aktionsbündnis „Energiewende Heilbronn“ fest.

Kritisiert wurde die Einlagerung von Bauschutt aus dem GKN auf den Deponien Schwieberdingen und Vaihingen. Die Partei „Die Linke“, die sich erstmals offiziell an dem Demonstration beteiligte, fordert das sofortige Abschalten aller Atomkraftwerke sowie ein Beenden des Freimessens. Aus Strahlenschutzgründen müsse belastetes Material sicher verwahrt und kontrolliert werden, am besten auf dem Kraftwerksgelände.

Alfred Drossel
11. März 2018
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