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Kreis Ludwigsburg

Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Immer häufiger werden auch im Kreis Ludwigsburg Polizisten Opfer von Gewalt. Archivfoto: Carsten Rehder / dpa

„Wir sehen diese Entwicklung schon lange mit Sorge und mussten feststellen, dass bislang alle Appelle nicht gefruchtet haben“, klagt Polizeipräsident Frank Rebholz im LKZ-Gespräch. Schwindender Respekt oder gar vollständige Ablehnung gegenüber dem Staat und seinen Repräsentanten äußere sich in Angriffen gegen Polizeibeamte selbst in alltäglichen Einsatzsituationen, beobachtet Rebholz. „Befeuert werden solche Angriffe mitunter durch gruppendynamische Prozesse und ganz wesentlich durch den Faktor Alkohol“, weiß der Polizeipräsident. Nicht nur die Polizei, sondern auch Feuerwehren, Rettungsdienste und andere Organisationen sind zunehmend von der Gewaltwelle gegen Staatsbedienstete betroffen.

Die Gesamtzahl der erfassten Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte ist das vierte Jahr in Folge angestiegen und hat 2017 einen neuen Höchstwert erreicht. Die Zunahme der Gewaltdelikte gegen Polizeibeamte war im Kreis Ludwigsburg mit 23,5 Prozent von 119 auf 147 deutlich stärker ausgeprägt als im Kreis Böblingen, wo die Fälle um 2,6 Prozent von 196 auf 201 anstiegen. Hier war ein leichter Rückgang um 1,5 Prozent festzustellen.

Ausschlaggebend für die neuerliche Steigerung war eine deutliche Zunahme der Widerstandshandlungen, während die Körperverletzungsdelikte zurückgingen.

Von den 348 erfassten Gewaltdelikten waren im gesamten Gebiet des Polizeireviers Ludwigsburg, das auch den Kreis Böblingen umfasst, insgesamt 795 (745) Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte betroffen. 161 (123) von ihnen zogen sich dabei leichte Verletzungen zu. Bei den 325 (286) ermittelten Tatverdächtigen wird dieser Deliktsbereich von den Erwachsenen dominiert. 81,2 Prozent (75,2) der Tatverdächtigen waren Erwachsene, 9,5 Prozent (15,7) Heranwachsende und 8,3 Prozent (8,4) Jugendliche. Die Anzahl weiblicher Tatverdächtiger ist mit 16 Prozent (16,4) fast unverändert.

Unter den Tatverdächtigen waren 115 (100) Nichtdeutsche. Innerhalb dieser Gruppe waren Asylbewerber/ Flüchtlinge mit 30 (19) Tatverdächtigen repräsentiert.

Auf Grundlage der Polizeilichen Kriminalstatistik ist damit keine grundsätzlich höhere Gewaltbereitschaft von nicht-deutschen Tatverdächtigen gegenüber Polizeibeamten erkennbar. Alkoholeinfluss spielt bei Gewaltdelikten gegen Polizeibeamte nach wie vor eine bedeutende Rolle. 59,7 Prozent (60,8) der Tatverdächtigen standen bei der Tat unter Alkoholeinfluss.

Das Polizeipräsidium hat seine Beamtinnen und Beamten sensibilisiert, jeder Art von Aggression und Gewalt niederschwellig zu begegnen und sie zur Anzeige zu bringen.

Stephan Wolf
08. April 2018
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